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Und täglich grüßt der Marstall
Ist die Auswahl in der eigenen Küche größer als in der Mensa? Bild: Bérènice Burdack

Und täglich grüßt der Marstall

Couscous-Salat, Iced-Latte, Perlgraupenrisotto – kann eine Woche Vollverpflegung in der Mensa glücklich machen?

Sieben Tage in der Mensa speisen. Eine auf den ersten Blick vermeintlich simple Aufgabe für Studierende entpuppte sich im Selbsttest anspruchsvoller als erwartet. Eine Woche Frühstück und Mittagessen in der Mensa, so lautete die Vorgabe der Redaktion. Als Studierende auf dem Altstadtcampus ging ich dem überwiegend in der Triplex und in der Zeughaus-Mensa nach. Der ein oder andere Snack im Café Lex, der jurainternen Cafeteria, in der mittlerweile nur noch Backwaren aus dem Automaten angeboten werden, durfte meinen Ernährungsplan darüber hinaus bereichern.

Wenn der Mensch auf das eigenständige Zubereiten von Speisen gänzlich verzichten kann, entfallen solch grundlegend zeitraubende Aufgaben wie Einkaufen, Kochen, Rezeptsuche und Abwaschen. Noch nicht einmal mehr Fertiggerichte müssen sich in der monotonen Bestrahlung der Mikrowelle entblößen. Trotzdem war die naheliegende Zeit-ersparnis nicht bemerkbar. Denn auch wenn ich bereits in der Altstadt wohne, kamen vor jeder Vorlesung unnötige Laufwege in die Speisestätten und unvermeidbare Wartezeiten an der Essensausgabe oder an der Kasse hinzu. Das Warten wurde eine neue Beschäftigung für mich. Ich wartete auf das Öffnen der Kantinentore, auf die quälend langsame Entscheidungsfindung der Gäste vor mir am Büffet, auf das Grillen meines bestellten Paninis, auf das Aufladen meiner Bezahlkarte, auf den Nachschub frisch frittierter Kartoffelbeilagen beim Aufgang B in der Triplex-Mensa. Die Hoffnung auf mehr Zeit im Alltag versickerte im Joghurtdressing meiner Salate und die Betrübnis darüber konnte ich ausschließlich mit frisch gepressten Multivitaminsäften an der Zeughaus-Bar betäuben. Nach einer Woche in der Mensa litt mein Gemüt nicht nur unter dem unnützen Warten. Zu Hause konnte ich die Stille vor dem Unistress genießen. Dabei bin ich zwar allein, allerdings in einer entschleunigten Atmosphäre. Während meiner Testwoche saß ich nur allein am kahlen Mensatisch, aber nicht in der Speisehalle. An den meisten der umstehenden Tische lungerten weitere einsame Gestalten, die wohl entweder der selbstständigen Zubereitung einer Portion Müsli in ihrem Heim nicht mächtig sind oder wegen des berühmten Neonlichts und seines gesunden Effekts für Studierende dem morgendlichen Ruf der Kantine folgen. Hier herrschte eine ganz andere Atmosphäre: Ungemütlichkeit und Anspannung sowie Stress lagen in der Luft. Da sich in 15 Minuten vor Vorlesungsbeginn regelmäßig nur schwer ein neuer Mensch kennenlernen, ein nettes kleines Gespräch führen und zugleich das Frühstück mit ausreichenden Kaubewegungen genießen lässt, sah ich schweren Herzens gezwungenermaßen davon ab, mich einfach mal irgendwo dazuzusetzen. So musste ich zunächst die Monologe meiner Professoren über mich ergehen lassen und das Läuten zur Mittagsstunde abwarten, bis ich im Kreise meiner engsten Kommilitonen und Freunde meine sozialen und kommunikativen Bedürfnisse stillen konnte.

Eine letzte Hürde baute sich am Sonntag und am ersten Mai auf. Es ist nicht unmöglich, sonntags an Mensanahrung heranzukommen. Jedoch bedarf es dazu Geduld und eines spät einsetzenden Hungergefühls. Als Sportlerin und Frühaufsteherin habe ich beides nicht. Somit sah ich mich schließlich gezwungen, die letzten Reserven meines Vorratsschrankes zu plündern und nun doch ausnahmsweise in den eigenen vier Wänden zu frühstücken. An Feiertagen helfen Geduld und das späte Hungergefühl dann schließlich auch nicht mehr. Deswegen labte ich mich beim obligatorischen Spaziergang durch die Natur zum Maianfang freudig am gestifteten Picknick eines Freundes.

Finanziell gesehen war das Ganze ein Fiasko. Ich probierte mich durch das gesamte Angebot, doch das Geld für zwei Mensafrühstücke hätte meine übliche Morgenroutine – Porridge – für eine Woche finanziert. Auch beim Mittagessen kostete Abwechslung entsprechend.

Nach meinem Selbstversuch bin ich insgeheim froh, meinen alten Frühstücksgewohnheiten wieder nachgehen und zumindest an den Wochenenden abseits der Großküche speisen zu können. Verzichten kann ich auf die Mensa jedoch nicht und möchte es im Unialltag nicht vollständig missen, schnell und unkompliziert zu essen.

Von Bérènice Burdack

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