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Ohne Noten besser studieren?

Ein Antrag im StuRa fordert die Abschaffung von Noten an der Universität. Die Idee ist umstritten

Uni ohne Noten? Was der Traum vieler Studierenden in der Prüfungszeit ist, wird nun im Studierendenrat (StuRa) kontrovers diskutiert. Eva Gruse und Tenko Glenn Bauer vom Außenreferat brachten einen Antrag zur Grundsatzpositionierung für die Abschaffung von Notengebung an der Universität in das Gremium ein.

„Noten haben keine konstruktive Rückmeldefunktion“: Mit diesem Satz wird der Antrag eingeleitet. Für den individuellen Lernfortschritt sei eben nicht eine Zahl, sondern ausführliches, schriftliches Feedback erforderlich. Ebenfalls problematisch sei es, wenn Studierende durch Noten so unter Druck gesetzt werden, dass mehr für die Noten als aus persönlichem Interesse gelernt werde. Außerdem wird hervorgehoben, dass durch Noten die „soziale Auslese“ weiter vorangetrieben werde.

Für Lernfortschritt reicht eben nicht nur eine Zahl

Die Diskussion um die Abschaffung der Noten scheint sich besonders an dem Punkt der Umsetzbarkeit aufzuhängen: Noten abschaffen – was dann? Zweifel wurden in der sehr kontroversen Debatte im StuRa an verschiedenen Ebenen angebracht.

Grundlegende Kritik wird laut in Bezug darauf, ob Studierende tatsächlich Noten abgeschafft haben wollen. So seien sie eine Orientierungshilfe für die erbrachten Leistungen. Sollte es zur Abschaffung kommen, wie sollte man die Dozierenden dann dazu bringen, aussagekräftige und vor allem individuelle Bewertungen zu formulieren? Diese sehr zeitintensive Arbeit kann im Moment aufgrund des Verhältnisses Lehrende – Lernende kaum gestemmt werden. Doch hier keimt auch die Hoffnung, dass durch Umschmeißen des alten Bewertungssystems dieses Verhältnis verändert werden könnte.

Denkbar wäre auch, in einem ersten Schritt nur bei großen Vorlesungen, in denen individuelles Feedback ohnehin nicht sinnvoll ist, lediglich in „bestanden“ und „nicht bestanden“ zu unterscheiden. Dies könnte den Notendruck erheblich reduzieren und dadurch Studierenden mehr Freiheit für extracurriculäre Aktivitäten geben.

Ein weiterer Punkt, der viel Diskussionsstoff bereitet, ist inwiefern eine Benotung für Studierende am späteren Arbeitsmarkt notwendig ist: Petra Kuhn vom Hochschulteam der Agentur für Arbeit bestätigte, dass Noten in Bewerbungsverfahren oftmals als erste Auswahlstufe genutzt werden. „Noten sind ein klar nachvollziehbares Kriterium in der Auswahl leistungsbereiter und -williger Arbeitnehmer“, so Kuhn. Natürlich werde in einem zweiten Schritt die Motivation der Bewerber, ihre Zusatzqualifikation und ehrenamtliches Engagement geprüft, wie auch die Pressestelle der SAP bestätigte. Für Frau Kuhn ist ein Bewerbungsprozess ohne Noten denkbar, jedoch nur mit einem Mehraufwand der Unternehmen, die diesen möglicherweise nicht tragen möchten. Auch weist sie darauf hin, dass die Arbeitssuche im Ausland ohne Abschlussnote erheblich schwerer sein könnte.

Eine kontroverse Diskussion ist genau das, was sich Tenko und Eva mit dem Antrag erhofft haben. Die Notwendigkeit der Noten im aktuellen System möchten sie nicht abstreiten. Vielmehr ist es ihnen wichtig, den Diskurs in die Richtung zu lenken, ob Noten nicht grundsätzlich mehr Schaden anrichten als sie Nutzen haben.

Von Susanne Ibing

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