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How to Lehramt
Die Fahrt zum Master of Education führt durch ein Nebelmeer. Illustration: jjo

How to Lehramt

Ein neues Online-Beratungstool beantwortet Fragen zum Lehramtsstudium. Studentische Mitgestaltung beim Master of Education bleibt schwierig

Ob er Lehrer werden könne, ohne den Master of Education (MEd) zu machen, fragt Nutzer Eddie, sein „Lehramtsbachelor“ qualifiziere ihn schließlich. Dies sei falsch, der polyvalente Bachelor ermögliche ihm lediglich, den MEd zu beginnen, erklärt ihm darauf die OnlineBeratungLehramt@HSE der Heidelberg School of Education (HSE). Mit diesem neuen Online-Beratungstool können Studierende anonym Fragen zum Lehramtsstudium stellen. Das Beratungsteam antworte gewöhnlich „innerhalb von 1-2 Werktagen“, so Martin Biehaule, der für die Entwicklung des Tools zuständig ist. Die Antworten sind dann geordnet einsehbar.

Das Beratungstool scheint gut anzukommen. Biehaule berichtet, es „wurde in den Monaten Februar bis Juni der ‚Gefällt mir‘-Button, der sich unter jeder Antwort befindet, insgesamt rund 5.000 Mal angeklickt“. Dass es offensichtlich Bedarf an einer informierten Beratung gab, bestätigt auch der Arbeitskreis (AK) Lehramt des StuRa. Fachstudienberater seien oft nicht auf dem aktuellen Stand – ein Problem der neuen Bachelor- und Masterstudiengänge für das Lehramt, die sich noch in einem Zustand ständiger Weiterentwicklung befinden.

Der MEd startete in Heidelberg letztes Wintersemester. Die Befürchtung, geringe Bewerberzahlen könnten zu unterbesetzten Kursen führen, habe sich bestätigt, teilt der AK Lehramt mit. Nur 30 Studierende waren im Wintersemester 2018/19 in den MEd eingeschrieben. Im Sommersemester 2019 sind es immerhin circa 50, die Bewerbungen für das nächste Semester liegen bei 120.

Von Beginn an wurde von Studierendenvertretern kritisiert, dass sie nicht genug festgelegte Mitsprache bei der Gestaltung der Lehramtsstudiengänge hätten. Nun zeigt die HSE mit der Einführung des Beratungstools zumindest ein offenes Ohr für die Wünsche der Studierenden. „Gerade in Hinblick auf die neuen Strukturen und Wege zum Lehramt haben Studieninteressierte wie Studierende viele Fragen“, erklärt Biehaule hierzu. Abhängig von dem Erfolg überlege man, „das Tool auf Fragen zu anderen Studiengängen an der Universität auszuweiten“, so Christiane Wienand, die universitätsseitige Geschäftsführerin der HSE. Der AK Lehramt befürwortet diesen Vorstoß und bestätigt, dass die HSE tatsächlich um Feedback der Studierenden bemüht sei: Die Gestaltung des MEd sei eine „gemeinsame Aktion“.

Jedoch kritisiert der AK die Fachdidaktik im MEd: Es mangele an berufserfahrenen Dozenten. Die Uni solle sich bemühen, Dozenturen für Lehrkräfte attraktiver zu machen – dafür sei vor allem mehr Geld nötig.

Viele Probleme, wie eben mangelndes Geld, hängen allerdings nicht von Uni und HSE ab, sondern von den Ministerien, so der AK Lehramt. Dies betreffe auch Forderungen wie die nach mehr Wahlmöglichkeiten für das Drittfach: Seit dem Sommersemester 2019 kann man einige Fächer als Erweiterungsfach im MEd studieren. Der AK fordert, dass auch Nichtschulfächer wie Archäologie und Deutsch als Fremdsprache als Erweiterungsfach zugelassen werde. Für die Uni wäre das kein Problem, die kleinen Institute würden sich freuen. Doch das Wissenschaftsministerium sieht dies im Moment nicht vor. Im Juli trifft sich der AK deshalb mit Vertretern des Ministeriums. Dabei werde es um mehr als nur um Flexibilität im Studium gehen: Deutsch als Fremdsprache beispielsweise sei aufgrund der aktuellen Gesellschaftsentwicklung unter Umständen sogar als „Grundkompetenz“ zu betrachten.

Da der erste Jahrgang den MEd frühestens nächstes Jahr beenden wird, steht das endgültige Verdikt über die Lehramtsreform noch aus. Mehr Flexibilität habe sie nicht geschaffen, kritisiert der AK Lehramt: In den Naturwissenschaften sei der Wechsel zu einem Fachmaster schwierig, in den Geisteswissenschaften einfach, das sei aber zuvor auch so gewesen. Jedoch biete der Einschnitt durch den Bachelorabschluss einen konkreten Anlass für eine Kursänderung – und so einen weiteren Beratungsgrund für alle in Eddies Situation.

Diese Art der Beratung ist aber nicht Zweck des Tools. „Die Reflexion der persönlichen Motivation findet im Online-Self-Assessment statt“, so Wienand. Dieses müsste Eddie absolvieren, falls er sich für den MEd entscheidet.

Von Hans Böhringer

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