Fahrradstadt Heidelberg? Die Redaktion radelte sich in Lebensgefahr, um für euch die gefährlichsten Spots zu finden
Wenn in Zukunft Städte klimaneutral sein sollen, dann muss auch im Bereich der Mobilität Veränderung her. Im Individualverkehr ist dabei unter anderem aus Platzgründen und zwecks CO2-Einsparung das Fahrrad dem PKW vorzuziehen. In Heidelberg werden bereits 33 Prozent aller Wege mit dem Fahrrad zurückgelegt und darüber hinaus darf sich die Stadt laut dem Land Baden-Württemberg fahrradfreundliche Kommune nennen. Das klingt alles sehr toll, doch guckt man auf die Straßen, fragt man sich zurecht, welche Infrastruktur diese ganze Lobhuddelei rechtfertigen soll. Im Vergleich mit Tübingen, Freiburg oder Konstanz bleibt Heidelberg im Fahrradklima-Ranking des ADFC zurück. Um dem entgegenzuwirken, hat die Stadt Anfang 2023 ein niederländisches Planungsbüro damit beauftragt, eine Radverkehrsstrategie auszuarbeiten. Der Zeitplan ist dementsprechend knapp, wenn es bis 2030 so aussehen soll wie in Kopenhagen, das man sich als Vorbild gesetzt hat. Wir sind zwar keine Niederländer:innen, hätten aber auch so einige konkrete Vorschläge, wo man Verbesserungen vornehmen könnte – und laden jede:n Leser:in dazu ein, dem ruprecht eure Ideen zu schicken!
Slalom de Plöck
Lebend von Neuenheim in die Plöck zu kommen wird schnell zur Abenteuerreise. Hauen einen die Autos auf ihrem Weg zur Schurmanstraße nicht vom Sattel, findet man im Bismarckplatz den nächsten Gegner. In der Plöck dann Fußgänger:innen, die kreuz und quer laufen, Autos, Motorräder und im Tunnelblick gefangene Fahrradfahrende machen die Fahrt durch die Plöck zum Slalom erster Güte.
Unser Vorschlag: Die Plöck tatsächlich als Fahrradstraße zu behandeln und den Autoverkehr hier zu reduzieren, würde sicherlich helfen.

Wo Radweg?
Die Mittermaierstraße ist die Lebensader des Radverkehrs für alle Feld-Studierenden. Stadteinwärts befindet sich hier sogar ein Blitzer, der die täglichen Radler:innen zählt. Der Ansporn, sich auf den Drahtesel zu schwingen, versiegt aber gänzlich, wenn man die Kreuzung am Betriebshof quert. Ein sportlich enger Radweg wird täglich von Paketlieferanten und Spontanparkern missbraucht. Wer frühmorgens eilig zur Vorlesung muss, darf besonders vorausschauend fahren, um keine Fußgänger:innen umzufahren.
Unser Vorschlag: Autofahrer:innen müssen jetzt ganz stark sein. Begrenzt man die Fahrbahn in beide Richtungen auf jeweils eine Spur, wäre genug Platz vorhanden, um Fahrradweg und Bürgersteig auszuweiten.
Doppelt blöde Brücke
Von Neuenheim kommende Autos sehen beim Rechtsabbiegen Fahrradfahrende zu spät. Dabei ist hier eigentlich extra ein schöner roter Fahrstreifen abgesteckt, der nur so zum schwungvollen Sich-in-die-Kurve-Werfen einlädt. Schutzpoller sind zur Abhilfe bereits installiert. Das Problem besteht dennoch. Möchte man von der Theodor-Heuss-Brücke nach links Richtung Altstadt, steht man ebenfalls vor einem Problem: Wer keine Lust hat, mehrere Fußgänger-Ampeln abzuwarten, kann sich entgegen der Fahrtrichtung (und StVO) vom Bürgersteig auf die Fahrradspur auf den Neckarstaden retten.
Unser Vorschlag: Nach rechts eine Abbiegespur für Autos einrichten, bei der man zwingend einmal anhalten und auf Fahrradfahrer:innen achten könnte. Links könnte man eine Fahrradspur von der Verkehrsinsel direkt in Fahrtrichtung der Neckarstaden leiten.

Durch diese hohle Gasse …
In der Brückenstraße sowie entlang anderer Straßenbahnadern wird es besonders eng. Zwischen Bahn, parkenden Autos und erhöhten Bordsteinen an Haltestellen bleibt wenig Platz, vom Abbiegen ganz zu schweigen.
Unser Vorschlag: Lösungen wie es sie in der Brückenstraße und jüngst an der Dossenheimer Landstraße gibt, helfen kaum. Die Radwege müssten auch hier allgemein breiter sein.

Von Emilio Nolte, Maja Beckmann und Justus Brauer
...studiert Volkswirtschaft und schreibt seit dem Sommer '23 für den ruprecht. Er ist ein Freund der pointierten Kolumne und leitete einst die Seiten 1-3.
… macht ihren Bachelor in Biowissenschaften und leitet Wissenschaft in einer Doppelspitze. Sie liebt alles, was kreucht und fleucht. Begeistern kann man sie mit FunFacts und etwas zu lesen, deswegen fühlt sie sich beim ruprecht seit SoSe25 pudelwohl.
…hielt schon immer gerne eine Zeitung in der Hand. Seit Frühling 2023 kann er seine Begeisterung für den Journalismus beim ruprecht ausleben.
...studiert Physik im Master und fotografiert seit Herbst 2019 für den ruprecht. Von Ausgabe 200 bis Ausgabe 208 leitete er das Online-Ressort, von Ausgabe 205 bis 210 die Bildredaktion.









