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Hörst du noch oder lernst du schon?

von Pauline Ammon, Emilio Nolte, Karla Walder und Philipp Mummenhoff
2. Februar 2026
in Ausgabe
Lesedauer: 3 Minuten
0
Hörst du noch oder lernst du schon?

Grafik: Philipp Mummenhoff

White Noise, Metal oder Musical – was hast du in der Bib so auf den Ohren?Wir haben bei euch nachgefragt

Die Winterpause ist vorbei und die Klausurenphase rückt in erschreckend greifbare Nähe. Wer es jetzt schafft, einen Platz in der Bibliothek zu ergattern, wird vor allem eines sehen: konzentrierte Menschen mit Kopfhörern. Doch was hören die Heidelberger Studierenden eigentlich beim Lernen? Und fördert Musikhören wirklich die Konzentrationsfähigkeit? Vielleicht hast du es auch bemerkt: In den letzten Wochen sind in den großen Heidelberger Bibliotheken immer wieder Zettel mit der Frage „Was hörst du gerade?“ herumgegangen. Das Ergebnis dieser kleinen ruprecht-Umfrage ist zwar nicht wirklich repräsentativ, aber dennoch sehr interessant. Die Umfrage war vor allem auf die UB, Bergheim und das CATS fokussiert. In die Bibliotheken des Neuenheimer Felds haben wir uns tatsächlich nicht getraut.

Nach unserer Auswertung orientieren sich die meisten Heidelberger Studierenden bei ihrer Musikwahl an kognitiver Reizreduktion. Insgesamt 60 Prozent der Befragten fallen in diese Kategorie, indem sie Lo-Fi, Entspannungsfrequenzen oder sogar gar nichts hören. Tatsächlich gaben fast 30 Prozent der Studierenden an, nichts zu hören – und das, obwohl sie Kopfhörer trugen. Somit scheint es oft weniger um Motivation durch Musik zu gehen, sondern eher um die Schaffung einer entspannten Lernatmosphäre durch Geräuschreduktion.

Ein genauerer Blick auf die Auswertung zeigt, dass Lo-Fi die zweitbeliebteste Angabe war. Besonders auffällig ist hier, dass die Befragten keine konkreten Songtitel angegeben haben, sondern YouTube-Titel wie „Deep-Focus Playlists“, „Pomodoro-Timer 50/10“ oder „4K Cozy Coffee Shop with Smooth Piano Jazz Music“. Es scheint, als sei auch in diesem Fall die konkrete Songauswahl nebensächlich. Der Fokus, Hintergrundgeräusche zu reduzieren und ungestört konzentriert arbeiten zu können, wird dabei ebenfalls sichtbar.

Welche Klänge die Konzentration fördern, ist subjektiv

Doch es geht auch anders: 13 Prozent der Angaben fallen in die Kategorie Pop und Indie, gefolgt von Rock und Metal sowie HipHop. Dabei war von Taylor Swift bis Alice in Chains alles zu finden. Wie verschieden Musikgeschmäcker doch sein können! Besonders beliebt, wobei die konkrete Songauswahl meist unspezifiziert blieb, war auch House-Musik.

30 Prozent der Befragten mit Kopfhörern hören …nichts?

Wer klassische Musik hörte, tendierte auffällig oft zu Klaviermusik, wobei von Wiener Klassik bis Impressionismus alles vertreten war. Ein Favorit der Redaktion war jemand aus der Computerlinguistik mit der Angabe „traditionell ukrainische Geigenmusik“. Sehr schön! Zu den Exoten unter euch zählen die drei Prozent der Befragten, die in der Bibliothek wohl Podcasts hören. Aber auch Weihnachtslieder tauchten ab und zu auf. Besonders spannend: Gleich zweimal wurde Handpan-Musik genannt.

Grafik: Philipp Mummenhoff

Doch bei all den Daten drängt sich eine Frage auf: Hilft Musik überhaupt beim Lernen? Oder sind die 30 Prozent der Nichts-Hörenden eher auf der richtigen Fährte? Die Antwort darauf ist gar nicht so einfach. Tatsächlich ist es so, dass Musikhören das Gehirn auf eine ganz spezielle Weise stimuliert. Dabei werden mehrere Gehirnregionen miteinander vernetzt und angeregt, was grundsätzlich zu einer höheren Produktivität führt. Darüber hinaus hilft Musik, Hintergrundgeräusche auszublenden und kann somit helfen, konzentriert zu bleiben.

Grafik: Philipp Mummenhoff

Allerdings ist hierbei wichtig zu beachten, dass dieser Prozess sehr subjektiv ist. Es gibt nicht das eine Musikgenre, das beim Fokussieren eher hilft als andere. Auch der sogenannte „Mozart-Effekt“, nach dem klassische Musik für bessere Testergebnisse gesorgt haben soll, ist heutzutage größtenteils widerlegt. Stattdessen kommt es darauf an, was einem selbst gefällt, denn dadurch werden Glückshormone ausgeschüttet, die ebenfalls die Produktivität steigern können. Und wie vielfältig die Geschmäcker doch sein können, das hat unsere Umfrage auf jeden Fall gezeigt! Was auch immer für euch funktioniert: Wir wünschen viel Glück in der Klausurenphase!

Von Pauline Ammon, Emilio Nolte, Karla Walder und Philipp Mummenhoff

Grafiken: Philipp Mummenhoff

Pauline Ammon
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...studiert Musikwissenschaften und Anglistik im Bachelor und leitet seit dem WiSe 25/26 das Ressort "Weltweit". Am liebsten schreibt sie über politisch und kulturell relevante Themen. Vor allem aber freut sie sich über jede Möglichkeit, spannende Dinge zu recherchieren.

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...studiert Volkswirtschaft und schreibt seit dem Sommer '23 für den ruprecht. Er ist ein Freund der pointierten Kolumne und leitete einst die Seiten 1-3.

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