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Tickettragödie

von Lara Husemann, Simon Buck und Karla Walder
27. Mai 2026
in Ausgabe, Startseite, Studentisches Leben
Lesedauer: 2 Minuten
0
Tickettragödie

Grafik: Karla Walder

Für die JugendBWegt sich nichts

Glosse

Man kennt es eigentlich schon – das ewige Chaos mit der Bahn. Doch im April dann mal was Neues, denn diesmal ist es nicht die Deutsche Bahn selbst, die Studi-Nerven auf die Probe stellt, sondern die RNV. Das ist eines der Verkehrsunternehmen, das es Studis ermöglicht, statt des mittlerweile 63 Euro kostenden Deutschlandtickets das Jugend-Ticket Baden-Württemberg zum Spottpreis von 45 Euro zu bekommen. Immerhin etwas, da die Uni Heidelberg es scheinbar total überflüssig findet, Studiengebühren auch mal in Bahntickets zu stecken. So weit so gut – sollte man meinen. Anfang April war das Ticket dann aber kommentarlos von hunderten Studi-Handys verschwunden. Oft so spurlos, das einem erst bei der Kontrolle auffällt: „Mensch, ich bin ja ohne Ticket unterwegs!”Die Erklärung? Der Berechtigungsnachweis fehlt. Warum? „Ach ja, upsi, da haben wir wohl vergessen, Erinnerungen rauszuschicken“, erklärt die RNV am Telefon – und auch nur, wenn man eine nette Person an den Hörer bekommt. Wenn man hingegen Pech hat, wird man einfach mit einem: „Das ist Ihre Schuld” abgewimmelt. Und für diese Aussage habe ich jetzt 15 Minuten in der Warteschleife gewartet? Mit Unterbrechungen der Fahrstuhlmusik, die meinen Puls auf 180 schnellen lassen, weil ich denke, ich sei dran? „Was kann ich also jetzt tun?“, ist meine Nachfrage. „Bis zum 10. können Sie in die Filiale kommen und mit den richtigen Dokumenten das Jugendticket persönlich im Nachhinein beantragen. Sie können bei der Deutschen Bahn aber auch den Vollpreis zahlen. Bis zum 20. können Sie sich dann neu anmelden, um ab Mai wieder unseren tollen Service genießen zu können.” Sänk ju for träweling wis RNV! Kam man also am Handy nicht mehr weiter, ging es zu einem der Servicezentren – pardon: Den ‘Mobilitätszentralen’. Das Abenteuer beginnt bei den Öffnungszeiten: Gefühlt haben diese Zentren des guten Services jeden Wochentag frei, der auf ‘-tag’ endet – außer Mittwoch. Da haben sie zu. Hat man es dann einmal in die Zentrale geschafft, scheint hier ganz Deutschland dasselbe zu tun: Warten! Praktisch, ich hatte ja sonst nix zu tun.Wenigstens kann man in Cafés nebenan die Zeit überbrücken. Ob sich diese dank der RNV dort angesiedelt haben? Man weiß es nicht… Ist man schließlich an der Reihe, geht der Prozess wie folgt weiter: Man nehme die frustrierteste Servicekraft, pflanze sie vor den Schalter und lasse sie die Leute abwimmeln – und schwupps! Ein paar “Das habe ich Ihnen ja gesagt” und “Das hätten Sie wissen müssen” später gibt es keine Beschwerden mehr. Hat man nach langem, entnervtem Kampf endlich sein (vermutlich verspätetes) JugendBW-Ticket zurücker- halten, wartet wieder der Alltag auf einen: Schlappe 45 Euro im Monat (und eine Niere?) für überfüllte Straßenbahnen, eine gestrichene Buslinie hier und einen verschwundenen Bus da. Sänk ju for träweling wis RNV!

Von Lara Husemann und Simon Buck

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