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Reakkreditie… was?

von Lena Hilf und Till Gonser
13. Dezember 2024
in Ausgabe, Hochschule
Lesedauer: 3 Minuten
0
Reakkreditie… was?

Sonja Kiko von Heiquality. Foto: Till Gonser

Hinter diesem Zungenbrecher steckt der Grund, warum man am Semesterende in Veranstaltungen mit Fragebögen überhäuft wird. Weshalb Kritik an der Lehre so wichtig ist, beantwortet uns das Heiquality-Büro

Das Seminar war schlecht organisiert? Aus der Vorlesung nichts mitgenommen? Zu alte Ausrüstung im Praktikum? Man mag sich noch so sehr anstrengen, manchmal läuft es einfach nicht im Studium. Wo wird eigentlich dafür gesorgt, dass die Lehre in Heidelberg gut ist? Die Antwort ist gar nicht so einfach. Ausgehend vom Fach und Fachschaften bis hin zum Senat kümmern sich viele Menschen aus allen Ebenen um die Qualität von Forschung und Lehre. Am Ende laufen die Fäden in einem urigen Hinterhaus nahe der Heiliggeistkirche zusammen, bei Sonja Kiko, Geschäftsführerin des Heiquality-Büros. 

Sie koordiniert mit ihrem Team unter anderem die Lehrveranstaltungsbefragungen und die Reakkreditierung von Studiengängen, bei der das jeweilige Studienangebot auf seine Qualität geprüft wird. Dabei ist das Heiquality-System vor allem ein Impulsgeber: „Wir geben den Anstoß, auf einen Studiengang genauer zu schauen. Die eigentliche Qualitätsentwicklung findet im Fach statt“, erklärt Kiko. Wenn also in der Geschichte zu wenige Seminare angeboten würden, müsste das erst einmal fachintern thematisiert werden, zum Beispiel über interne Evaluationen. 

Die Evaluationen sind nicht bloß Feedback für die Dozierenden. Wird eine Lehrveranstaltung schlecht bewertet, bringt das in der Fakultät Steinchen ins Rollen. Je nach Struktur des Faches geht das Problem durch verschiedene Gremien, Lösungsansätze werden gesucht und das Steinchen möglichst schnell entfernt. Alle acht Jahre wird – koordiniert durch das Heiquality-Büro – überprüft, wie viele der Steinchen immer noch rollen. „Dann wird gemeinsam darüber nachgedacht, ob man etwas verändern sollte. Und als positiven Nebeneffekt gibt es den Reakkreditierungsstempel für den Studiengang“, so Kiko. Dabei sei neben der „Größe des Kieselhaufens“ aller Probleme auch der Dialog mit Lehrenden und Studierenden entscheidend: Wie viel wurde in den letzten Jahren getan? Was war erfolgreich? Wo wollen wir hin? 

Für die Qualität der Lehre ist es daher sehr wichtig, dass sich Lehrende und Studierende Zeit nehmen. „Das fängt beim Allerkleinsten an, indem man an Befragungen zu Lehrveranstaltungen oder zum Studiengang teilnimmt.“ Das sei die beste Möglichkeit, im System einen aktiven Part zu spielen, so Kiko. Die Evaluationen werden meist im letzten Drittel der Vorlesungszeit durchgeführt. Dies habe den Sinn, dass die Lehrenden die Ergebnisse mit den Studierenden rückkoppeln könnten, so Kiko. „Sie als Studierende können bei ihren Lehrenden einfordern, ein Resümee zur Befragung zu erhalten. Die Lehrenden müssen nicht die komplette Auswertung preisgeben, aber sie sollten mitteilen, welches Feedback sie daraus mitgenommen haben.“ 

Über Evaluationen lassen sich im laufenden Betrieb Verbesserungen erzielen, und man muss nicht acht Jahre bis zur Reakkreditierung warten. Doch auch dort fließen die Bewertungen ein – in einen Index, der angibt, ob die Veranstaltung durchschnittlich sehr gut, gut oder schlechter bewertet wurde. Auf den Seiten der Universität lassen sich die zugehörigen Berichte herunterladen, wo die Lehrveranstaltungen in Tortendiagrammen dargestellt sind: von grün über gelb bis rot. Die allermeisten Torten sind sehr grün, rot kommt meist als kleiner Streifen am Rande vor. 

Auch über die Bewertung von Lehrveranstaltungen hinaus kann man sich für gute Lehre engagieren. In vielen Gremien der Qualitätsentwicklung werden Studierende gebraucht. Um zum Beispiel Senatsbeauftragte:r für Qualitätsentwicklung zu werden, muss man sich nur melden – es braucht dazu kein Vorwissen. Zusammen mit Mittelbauvertreter:innen und Dozierenden begutachtet man andere Studiengänge, gibt Impulse und spricht Probleme an. „Im eigenen Fach sieht man vielleicht den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Daher berät beispielsweise die Physikerin den Ägyptologen“, erzählt Kiko. So könne man Parallelen entdecken und die Lösungsansätze anderer Fächer auf den eigenen Studiengang übertragen. Davon profitierten beide Seiten, denn: „Es gibt kein Fach, das keine Probleme hat, und es gibt kein Fach, das keine Stärken hat.“ 

In manchen Momenten mag man dem Konzept des eigenen Studiengangs ausgeliefert sein – doch man kann es auch aktiv mitgestalten, sich beschweren, Impulse setzen. Mit den Dozierenden ins Gespräch kommen. „In den meisten Fächern funktioniert der Dialog über Qualität schon sehr gut“, so Kiko. „Ich würde mir wünschen, dass das beibehalten wird. Und, dass Mindeststandards in Studium und Lehre selbstverständlich sind.“ Damit keine Felsbrocken im Studienverlauf mehr auftauchen, sondern höchstens Kieselsteinchen. 

Von Lena Hilf 

Lena Hilf
+ postsBio

...studiert Physik und schrieb ab Oktober 2019 für den ruprecht. Besonders gerne widmete sie sich Glossen, die oft das alltägliche Leben sowie wissenschaftlichen oder politischen Themen behandelten. Sie leitete erst das Ressort Hochschule und später das Ressort Wissenschaft.

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...studiert Physik im Master und fotografiert seit Herbst 2019 für den ruprecht. Von Ausgabe 200 bis Ausgabe 208 leitete er das Online-Ressort, von Ausgabe 205 bis 210 die Bildredaktion.

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