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Wie es nach dem Ende weiterging 

von Laetitia Klein und Till Gonser
25. Juni 2025
in Ausgabe, Hochschule, Startseite
Lesedauer: 3 Minuten
0
Wie es nach dem Ende weiterging 

Foto: Till Gonser

Anlässlich des 80. Jahrestages der Befreiung Europas vom Nationalsozialismus am 8. Mai gibt es viele erinnerungspolitische Angebote, dazu gehört auch die Ausstellung im Foyer der Neuen Universität.

Was bedeutete das Kriegsende für die Menschen in Heidelberg? Welche Erfahrungen, Hoffnungen und Widersprüche prägten ihren Alltag im Jahr 1945? Diesen Fragen widmet sich die Ausstellung „1945: Heidelberg – Alle(s) verloren?“, die derzeit im Foyer der Neuen Universität zu sehen ist. Konzipiert wurde die Ausstellung von Doktorand:innen des Historischen Seminars in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Frank Engehausen, der Kommunikationsabteilung des Rektorats sowie einer Berliner Ausstellungsagentur. Insgesamt waren rund 50 Personen an der Ausstellung beteiligt. 

Im Interview mit Nils Jochum, einem der beiden Doktoranden von Prof. Dr. Frank Engehausen wird deutlich, wie stark die Ausstellung von der Frage motiviert war, wie das Kriegsende ganz konkret vor Ort erlebt wurde: „Bei einem globalen Ereignis wie dem Zweiten Weltkrieg stellt man sich dann aber auch recht schnell die Frage: ‚Wie war das eigentlich hier in Heidelberg?‘“, so Jochum. Während andere Formate wie die Ringvorlesung oder die Ausstellung im Heidelberg Center for American Studies auf internationale Zusammenhänge blickten, zielte das Foyer-Projekt bewusst auf die lokale Perspektive ab. 

Heidelberg blieb vom Krieg äußerlich weitgehend verschont, aber die Menschen, die hier lebten, waren von den Schrecken der NS-Diktatur und des Krieges gezeichnet. US-Besatzungssoldaten, NS-Verfolgte, Kriegsheimkehrer:innen, Geflüchtete und Parteimitglieder mussten in einer Stadt zusammenleben, deren gesellschaftliches Gefüge sich im Aufbruch befand. Was an die Stelle der zerfallenen „Volksgemeinschaft“ treten würde, war 1945 ungewiss. Besonders wichtig war es „Aufmerksamkeit auf diejenigen zu lenken, die bislang nicht im Fokus der lokalen Erinnerungskultur standen“ betont Jochum – etwa auf die ehemaligen Zwangsarbeiter:innen, die nun als Displaced Persons in der Stadt lebten. „Von ihnen gab es auch in Heidelberg bei Kriegsende mehrere Tausend, ihr Leben nach der Befreiung ist bislang aber kaum Thema gewesen.“ Überrascht hat Jochum bei der Recherche, „wie begrenzt die Anzahl an unterschiedlichen Fotomotiven zum Kriegsende und zur unmittelbaren Nachkriegszeit in Heidelberg ist. Die gesprengte Alte Brücke kennen wir aus vielen Blickwinkeln, die tausenden Displaced Persons dagegen nur aus wenigen Fotos.“ 

Insgesamt fünf thematische Schwerpunkte strukturieren die Ausstellung: Den Einmarsch der US Armee und Beginn der Besatzungszeit, die Entnazifizierung und demokratische Reorganisation, die Lebenswelt der Displaced Persons, die schwierige Ernährungslage sowie der Neubeginn von Schule und Kultur. 

Ziel war es auch, den Foto- und Filmaufnahmen wortwörtlich breiten Raum zu geben. Große Kartontafeln, fixiert an Steinblöcken, nehmen das Foyer ein. „Zusammen mit dem Karton, aus dem die Tafeln bestehen, sollen sie auch ein wenig die Stimmung aufgreifen, die aus vielen Bildern spricht: das „Baustellenhafte“, das Provisorische, die „Ungewissheit“. Das Historische Foto- und Filmmaterial steht also im Mittelpunkt der Präsentation. Die Bilder wurden gemeinsam ausgewählt, diskutiert und mit Zitaten sowie begleitenden Texten ergänzt. Ein Bild, das Jochum besonders im Kopf geblieben ist, zeigt einen unterernährten Säugling in der Universitätsklinik – aufgenommen 1947. Das Foto „zeigt, wie prekär die Ernährungs- und Versorgungslage noch lange Zeit war“ berichtet Jochum. Die Resonanz ist bisher sehr positiv. „Immer wieder sehen wir auch, dass sich neben Studierenden auch ältere Personen oder Touristen die Tafeln anschauen. Das alles freut uns sehr, denn wir möchten mit der Ausstellung ein breites Publikum erreichen“, berichtet Jochum. Sein Kollege Kevin Schmidt hat die Website der Ausstellung bereits im Schulunterricht eingesetzt. Interaktion, Kritik und Rückmeldungen sind von den Ausstellungsmacher:innen ausdrücklich erwünscht. „Wir haben uns dazu entschlossen, die historischen Foto- und Filmaufnahmen für sich sprechen zu lassen“, sagt Jochum abschließend. „Die Ausstellungen hier im Foyer soll zeigen, welche Konsequenzen Krieg selbst nach dem Ende für die Menschen hat. Dabei kann einem bewusst werden, wie wertvoll ein Leben in Frieden und Freiheit ist und wie wichtig es ist, beides zu bewahren oder aber wiederherzustellen.“ 

 Von Laetitia Klein 

Laetitia Klein
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...ist schon immer gerne der Frage Warum nachgegangen. Diese Leidenschaft prägt nicht nur ihr Studium der Geschichte und Politikwissenschaften sondern seit 2025 auch ihre Mitarbeit beim ruprecht. Besonders gerne verliert sie sich in Recherchen oder Aktuellem aus Kultur und Politik.

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Till Gonser
Fotograf |  + postsBio

...studiert Physik im Master und fotografiert seit Herbst 2019 für den ruprecht. Von Ausgabe 200 bis Ausgabe 208 leitete er das Online-Ressort, von Ausgabe 205 bis 210 die Bildredaktion.

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