Wahlbeteiligung von 0,15 Prozent? Der Doktorandenkonvent ist das Selbstverwaltungsgremium der Promovierenden und weitgehend unbekannt
Noch viel obskurer als die Strukturen des Studierendenrates sind diejenigen des Doktorandenkonvents (Doko). Doch obwohl dieses Gremium kaum bekannt ist, vertritt es über 9.000 Promovierende und verwaltet deren Semesterbeiträge. Auf großes Interesse stößt der Doko dabei aber nicht: Bei der letzten Vollversammlung haben sich nur 14 Leute an den Abstimmungen beteiligt, obwohl alle Promovierenden stimmberechtigt waren – das entspricht einer Beteiligung von rund 0,15 Prozent.
Der Doktorandenkonvent besteht offiziell aus allen Promovierenden der Universität Heidelberg und wählt einen Vorstand, der maximal aus elf Leuten besteht. Dabei soll die Zusammensetzung des Vorstands die verschiedenen Promotionsarten und die verschiedenen sogenannten „Wissenkulturen“ – nämlich Geistes-, Lebens-, Natur- und Sozialwissenschaften – berücksichtigen. Einmal im Jahr beruft der Vorstand eine Vollversammlung aller Promovierenden ein, der er einen Jahresbericht vorlegt. Darauf folgt die Wahl eines neuen Vorstandes. Der aktuelle Vorstand besteht aus gerade einmal vier stimmberechtigten Mitgliedern, obwohl bis zu elf vorgesehen wären. Er darf in geschlossenen Sitzungen Entscheidungen für den Doko treffen, außerdem teilt er sich mit der Vollversammlung das Recht jeweils Finanzbeschlüsse zu fassen. Aus Rücklagen und den Beiträgen der Promovierenden ergibt sich ein Budget von über 95.000 Euro. Dieses Geld nutzt der Doko unter anderem zur Organisation von Workshops, um Reisekosten zu Tagungen zu decken oder um neue Kaffeemaschinen und Pizzaöfen zu kaufen. Ein weiterer fester Posten ist der monatliche Stammtisch für Doktorand:innen, für den 2.000 Euro budgetiert sind. Die Ausgaben des Doko müssen dabei, zusätzlich zum Beschluss durch den Vorstand, auch vom Studierendenrat gebilligt werden.
Von 9.000 nahmen 14 Doktorand:innen an der Abstimmung teil
Ähnlich wie der Stura oftmals für Studierende in Bachelor und Master weit weg erscheint, berichtet uns ein Doktorand, dass er zwar vom Doktorandenkonvent wüsste, aber selbst nur wenige Berührungspunkte mit dieser Institution habe. Und die Zahlen deuten darauf hin, dass dies kein Einzelfall ist. Die niedrige Teilnehmer:innenzahl in den Vollversammlungen zeigt, dass der Doktorandenkonvent im Alltagsleben der Promovierenden keine besonders große Rolle spielt.
Das führt auch dazu, dass eine sehr kleine Gruppe über die finanziellen Beiträge aller Doktorand:innen entscheidet. Ähnlich wie beim Stura und den Gremienwahlen zeigt sich hier ein allgemein nur noch geringes Interesse daran, sich an der akademischen Selbstverwaltung zu beteiligen. Doch gerade auf diese Beteiligung ist die Universität angewiesen, um ihrer gesellschaftlichen Rolle gerecht zu werden.
Wenn wichtige und vor allem haushaltspolitische Entscheidungen von immer kleineren Gruppen getroffen werden, stellt sich auch beim Doktorandenkonvent die Frage, ob die akademische Selbstverwaltung reformiert werden müsste, um wieder als relevant wahrgenommen zu werden.
Von Maximilian Fülle und Marco Winzen
...studiert Mathematik im Master und schreibt seit dem Sommersemester 2024 für den ruprecht. Neben Politik und Literatur interessiert er sich für alles, was in der Uni gerade wichtig ist.
...studiert Politikwissenschaft und Japanologie und schreibt seit dem Wintersemester 2023/24 für den ruprecht. Er schreibt am liebsten zu Themen, die vielleicht nicht alle auf dem Schirm haben.
...studiert Physik im Master und fotografiert seit Herbst 2019 für den ruprecht. Von Ausgabe 200 bis Ausgabe 208 leitete er das Online-Ressort, von Ausgabe 205 bis 210 die Bildredaktion.







