Keine Kohle? Kein Problem! Auch mit kleinem Geldbeutel kann man tolle Wochenendtrips machen
Neue Länder, neue Orte, neue Kulturen – Reisen bietet so viele Möglichkeiten und Erlebnisse, die niemand verpassen sollte. Zum Glück wird es uns in Europa wunderbar einfach gemacht, viel zu entdecken. Wenn da nur nicht dieses kleine Thema mit den Kosten wäre. Aber auch als Studi kann man rumkommen und das sogar, ohne viel Geld auszugeben! Dass das auch gar nicht so kompliziert ist, haben unsere Redakteurinnen selbst ausprobiert und hier Tipps und Erfahrungen für euch gesammelt.
Stadt und Land zugleich – ein Wochenende in Luxemburg
Nach einer frühen Klausurenphase von Reiselust gepackt, führt mich ein spontaner Wochenendtrip Anfang des Jahres nach Luxemburg. Die Reisekosten könnten fast nicht geringer sein: Mit dem Deutschlandticket geht es bis an die Grenze und ab da sind alle Öffis kostenlos. Nicht einmal vier Stunden sind es bis zum Luxemburger Hauptbahnhof und von da nur noch 30 Minuten zu Fuß bis zu meiner Unterkunft. Da ich aber schon auf den ersten Metern von den alten Burgruinen abgelenkt werde und den ein oder anderen Schlenker einbaue, ist es dann mehr als doppelt so lang. Für 40 Euro die Nacht komme ich im „Youth-Hostel Luxembourg City” unter. Hier sind die Vier- bis Achtbettzimmer klassisch im Jugendherberge-Stil gehalten: einfach aber gut. Ich bin zur Nebensaison unterwegs, also habe ich das Zimmer für eine Nacht alleine und in der anderen Nacht eine nette Zimmergenossin.
In Europa ist günstiges Reisen wunderbar einfach
Morgens gibt es ein kostenloses Frühstücksbuffet und so kann ich gut gestärkt loslegen: Viele Bereiche der alten Festungen, die sich durch die gesamte Stadt ziehen, sind kostenfrei zugänglich und so verliere ich mich den halben Tag in den vielen Gängen, Gärten und Gewölben. Besonders interessant wird es durch das 40 Meter tiefe Tal, das die Kulisse teilt. Aber keine Sorge, auch ohne Treppensteigen kommt man von oben nach unten, zum Beispiel mit dem kostenlosen Glasfahrstuhl.
Im oberen Stadtbereich gibt es neben altbekannten Shoppingmöglichkeiten auch viele kleine Cafés und Restaurants, in denen sich ein kalter Nachmittag entspannt verbringen lässt. Und abends ist alles hübsch bunt beleuchtet. Auch das Finanz- und Regierungsviertel ist definitiv einen Besuch wert. Im Kontrast zum historischen Ortskern gibt es hier vor allem moderne Gebäude, unterbrochen von großzügigen Grünflächen. Dabei kann ich den liebevoll gestalteten “Jardin du Multilinguisme” und das Labyrinth am “Coque” Sportcenter empfehlen. So sind drei Tage in Luxemburg dann ganz schnell (und budget-freundlich) verplant und es geht zurück nach Heidelberg.
Von Lara Husemann
Eine Ode an das 9-Euro-Ticket
Zufällig habe ich vor drei Jahren den Selbsttest gemacht und bin mit dem 9-Euro-Ticket nach Paris gefahren. Es lief so: „Haben Sie denn schon ein 9-Euro-Ticket?“ fragt die Dame am Schalter.
Juni 2022, die Hochsaison des 9-Euro-Tickets. Ich will mit Familienfreunden – zusammen sind wir zu fünft – mit Interrail von Frankfurt nach Paris reisen. Was wir nicht wussten: Man braucht in Frankreich Sitzplatzreservierungen. Glücklicherweise sind wir früh am Bahnhof. Auf ein Stück Papier zeichnet die Dame am Schalter unsere neue, Nicht-Direkt-Nach-Paris-Strecke auf.
Auf die Plätze, fertig, los. In Frankfurt fährt die erste Regio in fünf Minuten. Aber auch in Mannheim müssen wir rennen. Denn die Regio hatte, oh Überraschung, Verspätung. Aber unser Zeitplan ist getaktet.
Am deutschen Grenzort gibt es glücklicherweise genug Zeit für ein Frühstück. Dann geht es auch schon auf die letzte Strecke mit dem 9-Euro-Ticket. Glücklicherweise kostet die Fahrt nach Straßburg nicht viel. In der Bahn über die Grenze recherchieren wir, wie wir weiter nach Paris kommen. Schnell ist klar, dass es Tickets für vier Plätze, aber nicht für fünf gibt. Wir entscheiden uns dazu, uns aufzuteilen.
Dadurch habe ich mehr Zeit in Straßburg. Das Münster ist eindrucksvoll; ich esse ein Eis. Auf der anderen Strecke sind meine Mitreisenden zu viert. Sie müssen eine Strecke von Straßburg über Verdun nehmen. Für mich gab es noch einen Platz in einem direkten Zug nach Paris. Ich komme vor den anderen an, spaziere vom Bahnhof zu unserer Unterkunft. Vive la France. Und das 9-Euro-Ticket.
Lustig war es trotzdem, und eine Geschichte für immer
Insgesamt brauche ich 12 Stunden, meine Familienfreunde sogar 13. Mit dem TGV aus Frankfurt wären es nur 3 Stunden und 42 Minuten gewesen. Aber lustig war es trotzdem, und eine Geschichte für immer. Heute gibt es das Deutschland-Ticket, womit ihr auch mindestens über die Grenze kommt.
Und wie gesagt, auch Straßburg ist sehr zu empfehlen. Haltet die Augen auf, vielleicht wird das Angebot vom letzten Sommer, in dem das Ticket auch in Frankreich galt, 2026 wiederholt. Wenn nicht, ist Interrail auch meist eine bessere Option als normale Zugtickets – so bin ich letzten September nach Marseille gefahren. Ein été français, mit Geschichten fürs Leben, ist greifbar.
Von Klara Plassmann
…erkundigt und schreibt gerne, eine Kombi, die sie zum ruprecht geführt hat. Am liebsten untersucht sie Themen, in denen sich Geschichte, Politik und Kultur kreuzen. Sie studiert Geschichte und Osteuropastudien im Bachelor und ist seit dem Wintersemester 2025/26 beim ruprecht.
...studiert Physik im Master und fotografiert seit Herbst 2019 für den ruprecht. Von Ausgabe 200 bis Ausgabe 208 leitete er das Online-Ressort, von Ausgabe 205 bis 210 die Bildredaktion.







