Darf sich die Ruperto-Carola auch in den kommenden sieben Jahren als eine der besten Universitäten Deutschlands bezeichnen? Ein Blick auf ein exzellentes Auswahlverfahren
Vor knapp einem halben Jahr wurde es öffentlich: Die Universität Heidelberg hat sich mit drei sogenannten Exzellenzclustern erneut erfolgreich für die Exzellenzstrategie qualifiziert! Seitdem warten alle gespannt auf die endgültige Entscheidung der Kommission. Das Votum wird am 11. März 2026 erwartet. Doch was geschieht eigentlich in der Zwischenzeit? Wir werfen einen Blick hinter die Kulissen des Bewerbungsverfahrens und sprechen mit einem der Studierenden, die unsere Universität vor den Evaluatoren von ihrer besten Seite präsentieren durften.
Das neu konzipierte Bewerbungsverfahren ist auf der Website des deutschen Wissenschaftsrates nachzulesen, der für die Exzellenzstrategie zuständig ist. Ziel der Exzellenzstrategie ist die dauerhafte Stärkung der Universitäten als Institution und die Profilierung Deutschlands als Standort ausgezeichneter Forschung. In der ersten Runde haben die Universitäten ein Gesamtkonzept für ihre Exzellenzcluster eingereicht. Das sind spezielle Forschungsprojekte, die mit hohen Fördergeldern unterstützt werden sollen. Die Universität Heidelberg konnte in dieser Runde mit insgesamt drei Clustern überzeugen, womit die Mindestanforderung von zwei bewilligten Clustern erfüllt wurde.
In der zweiten Runde geht es nun um die Evaluation der Universität, die bis März andauern wird. Die Besonderheit dieser Phase ist der sogenannte „On-Site-Visit“. Dabei kommt ein Team renommierter Wissenschaftler:innen aus aller Welt nach Heidelberg, um sich von der Uni und ihren Projekten vor Ort ein Bild zu machen. Das Evaluations-Team bewertet, ob nötige Fortschritte und Erkenntnisse erzielt wurden, und ob weitere Ergebnisse in Aussicht stehen, die den Einsatz der Fördergelder rechtfertigen würden. Dabei geht es vor allem darum, ins Gespräch zu kommen – auch mit Studierenden sämtlicher Fachrichtungen, unabhängig davon, ob sie Teil der Cluster sind.
Es geht um Fördergelder in Millionenhöhe und das Prestige der Uni
Jan Klemm war einer der Studierenden, die das Evaluationsteam kennenlernen durften. Dem ruprecht gegenüber erzählt er, wie unaufgeregt und formlos seine Auswahl für dieses besondere Treffen verlief. Eines Tages habe er schlicht eine Mail erhalten, mit einer Einladung und der Information, dass ihn die Leitung des musikwissenschaftlichen Instituts für dieses Gespräch vorgeschlagen habe. Augenzwinkernd fügt er hinzu, man habe wohl Leute gesucht, „die gerne und viel reden und die Uni gut repräsentieren können“.
Repräsentieren – ja. Inszenieren – nein. Das sei die Ansage gewesen. „Das Credo war, dass wir einfach authentisch bleiben sollten.“ erzählt Jan. Dennoch versteckt sich hinter dieser Authentizität einiges an Druck. Es geht immerhin um millionenschwere Summen an Forschungsgeldern und nicht zuletzt um den Ruf der Universität. Entsprechend ernst wurde die Vorbereitung genommen: Jan berichtet uns von fünf Proben, bei denen die Gesprächssituation simuliert und zentrale Themen herausgearbeitet wurden. „Die Hauptpunkte waren Interdisziplinarität, Zusammenarbeit und Diversität. Vor allem ging es um das Uni-Motto „semper apertus“ seit 1386, was auch den Titel unserer Strategie widerspiegelt.“ Offenheit als Haltung, nicht nur als Schlagwort: Dieses Image will die Universität durch die Studierenden nach außen verkörpern.
Nach der fünften Probe mit den Studierenden heißt es: „Bleibt authentisch!“
Es ging also um einiges. Doch mit jeder Probe wurde die Nervosität geringer. Schlussendlich, so Jan, habe sich bei allen dasselbe Gefühl eingestellt: „Jetzt kann eigentlich nichts mehr schieflaufen.“ Und genau so klingt es auch, wenn er die eigentlichen Treffen mit den Evaluator:innen beschreibt. Die Gespräche seien entspannt gewesen, interessiert und auf Augenhöhe. Vor allem sei es um den Alltag der Studierenden gegangen, um Austausch und um Gemeinschaft. Ein Fokus lag auch auf den Angeboten der Uni, wie beispielsweise HeiSKILLS . Unterschiedliche fachliche Hintergründe und wechselnde Gesprächskonstellationen führten laut Jan zu einem regen und abwechslungsreichen Austausch zwischen Wissenschaftler:innen und Studierenden.
Bis zur endgültigen Entscheidung ist noch etwas Geduld gefragt. Aber Jan ist zuversichtlich – ebenso wie das Rektorat der Universität, das laut ihm „guter Dinge“ sei. Man könnte fast sagen: Es liegt schon jetzt ein Hauch Exzellenz in der Heidelberger Luft.
Von Faustyna Gonka und Pauline Ammon
...studiert derzeit Jura und fand im Frühjahr 2025 zum ruprecht. Leitet heute die Seiten 1–3 und begeistert sich für alle Geschichten, die mit „Eigentlich wollte ich nur kurz nachschauen…“ beginnen und dann in einem investigativen Kaninchenloch enden.
...studiert Musikwissenschaften und Anglistik im Bachelor und leitet seit dem WiSe 25/26 das Ressort "Weltweit". Am liebsten schreibt sie über politisch und kulturell relevante Themen. Vor allem aber freut sie sich über jede Möglichkeit, spannende Dinge zu recherchieren.
...studiert Biowissenschaften und schreibt … nichts. Er layoutet und illustriert seit 2023 für den ruprecht.
...studiert molekulare Biotechnologie und ist seit dem Sommersemester 2023 beim ruprecht. Meistens schreibt sie wissenschaftliche Artikel oder über das studentische Leben. Seit November 2023 kümmert sie sich außerdem um die Website und den Instagram-Kanal des ruprecht.








