Von Apfelstrudel bis Zimtschnecken: Der ruprecht hat sich durch Heidelbergs Bäckereien schnabuliert. Wir zeigen euch, dass der nächste Hunger nicht zur Discounter-Backwarenabteilung führen muss
Hidden Gem: Südseite
Altstadt: Untere Neckarstraße 24
Wieblingen: Wundtstraße 7/3
Preise: €€€
Auswahl: 4/5
Geschmack: 5/5
Ambiente: 3/5
aLiebhaber des gemütlichen Cafés am Neckar konnten sich neuerdings um eine Erweiterung des Sortiments in Sachen Backwaren freuen. Das Upgrade über die geliebten Pasteis de Nata hinaus ist der neuen Zweitlocation zu verdanken. Diese liefert nämlich ihre Sauerteigschätze dienstags bis samstags in die Altstadt. Es lohnt sich allerdings trotzdem, die vom Bismarckplatz aus 20-minütige Reise auf sich zu nehmen, um die volle Fermentiertes-Gebäck-Experience in Wieblingen zu erleben. An Sauerteig gibt es hier alles von Focaccia über Pizza bis zu Zimtschnecken und Kardamonknoten. Die Süßwaren sind Dauerbrenner und mit veganer Butter komplett plant-based. Auch Blätterteig-Fans werden hier fündig, seit kurzem gibt es auch Croissants, Cruffins und Co. Dem „Backfahrplan“ nach gibt es an verschiedenen Tagen verschiedene Brotsorten in kleiner und großer Variante – somit sind von hungrigen WGs bis Studio-Apartments alle versorgt. Den Bestseller Classico – ein vom San Francisco Tartine inspirierter Weizen-sauerteig, der besonders gemundet hat – und seinen Dinkel-Roggen-Bruder Rustico findet man jedoch während der Öffnungszeiten immer.Zur Weihnachtszeit findet man in der Theke Pumpkin-Spice-Schnecken und fancy Getränke wie den Hauswärmer. Außerdem gibt es Gerüchte, dass womöglich der heißbegehrte Spekulatiusknoten vom letzten Jahr ein Comeback machen könnte. Das mangelnde Gewürzangebot erschwert momentan leider die Rückkehr, also falls jemand einen guten Spekulatiusdealer kennt, gerne beim Oberbäcker melden!
Die Faire: Mahlzahn
Altstadt: Märzgasse 10
Weststadt: Gaisbergstraße 74
Preise: €
Auswahl: 3/5
Geschmack: 3/5
Ambiente: 3/5
Wir wählen für unseren Test der Bäckerei Mahlzahn die Filiale in der Märzgasse, doch das ist nicht die einzige Möglichkeit, ihr einen Besuch abzustatten. Mit insgesamt fünf Standplätzen in Heidelberg ist es wohl schwerer der Bäckerei aus dem Weg zu gehen, als einfach mal vorbeizuschauen. Die Möglichkeit, bei der Vollkornbäckerei das nächste Frühstücksbrot zu kaufen, hat man in der Weststadt, Rohrbach, Handschuhsheim, Neuenheim und zu unserer Freude auch in der Altstadt. Wir haben das Glück, die Filialleiterin zu treffen, die uns mehr über die Bäckerei und alles, was dahintersteckt, erzählt. Gebacken wird mit Vollkorn- und Bio-Produkten – möglichst ohne Verschwendung. Das Mehl wird täglich frisch gemahlen und die verwendeten Zutaten werden bei jedem Produkt transparent dargestellt. Zudem vertritt die Bäckerei ein sehr soziales Konzept, bietet die Produkte vom Tag davor zum halben Preis an und beliefert auch das nahe gelegeme Manna-Café. Besonders beliebt sind in der Bäckerei die Elisenlebkuchen, die es mit dunkler und heller Schokolade gibt. Natürlich nehmen wir einen zum Probieren mit. Und dazu passt er auch noch perfekt zu der aktuell eintretenden Weihnachtszeit. Ein weiteres, besonders beliebtes Produkt ist das Hirse-Buchweizen-Brot. Eine sehr gute Ergänzung für einen vollständig ausgestatteten Frühstückstisch.Das breitgefächerte und gut beschilderte vegane Angebot sticht ebenfalls hervor. Und das, obwohl wir an einem Samstag in der Bäckerei stehen. Ein Tag, an dem die Auslage bereits ziemlich leergeräumt scheint. Doch uns wird natürlich sofort bestätigt, dass auch hier die Auswahl sonst durch deutlich mehr Vielfalt glänzt. Wir finden so oder so genug für unseren nächsten Geschmackstest. Neben dem Elisenlebkuchen und dem Brotlaib packen wir auch noch einen Dauergebäcktaler und einen kleinen Vollkornriegel dazu, der zum Probieren auf der Theke angeboten wurde. Besonders der Elisenlebkuchen sticht für uns sehr positiv hervor und wir sind uns einig, dass man sich diesen für den nächsten Mahlzahn-Besuch merken sollte.
Die Schneckige: Zeit für Brot
Hauptstraße 146
Preise: €€€
Auswahl: 4/5
Geschmack: 4/5
Ambiente: 3/5
Ob Zimt oder Weiße Schokolade-Himbeer, die meisten lieben Zeit für Brot für ihre Schnecken. Aber was taugt der Laden eigentlich als Bäckerei? Erstmal vorweg: den Preis für die beste Zimtschnecke gewinnt Zeit für Brot haushoch. Dagegen kann die trockene Riegler Schnecke oder der blasse Teighaufen von Cinnamood einpacken. Wir trauern der kurzen, paradiesischen Zeit hinterher, als es noch die originalen Zeit-für-Brot-Zimtschnecken im Marstall zu Studi-Preisen gab, denn in diesem Laden hat Gebäck einen stolzen Preis: Unter 4 Euro kommt man kaum weg. Doch spricht der hohe Preis auch für Qualität? Wir finden schon. Unser Test-Brot hat eine schöne, dunkle Kruste und ist im Inneren saftig-leicht. Auch die saisonale Zimtschnecke, welche Kakao, Birne und Haselnuss kombiniert, ist in perfektem Maße matschig und süß und bringt Abwechslung neben den Standard-Sorten. Das Weihnachts Sortiment ist während unseres Besuchs aber eher dürftig: Es gibt kein frisches, weihnachtliches Gebäck, nur abgepacktes Stollenkonfekt und Dinkelbutterstollen liegen auf dem Tresen. Wir fordern eine Spekulatius-Schnecke oder wenigstens frische Lebkuchen! Die Inneneinrichtung ist minimalistisch und kantig und lädt eher weniger zum Verweilen ein. Ein Highlight ist allerdings das große Fenster zur Bäckerstube, durch das man dem Teig beim Aufgehen und den Bäcker:innen beim Formen und Hantieren zuschauen kann.
Der Familienbäcker: Le Pain Mantei
Neuenheim: Brückenstraße 11,
Östringen-Odenheim: Nibelungenstraße 39
Preise: €€
Auswahl: 3/5
Geschmack: 4/5
Ambiente: 2/5
Wer in Neuenheim schon mal an im Glaskasten ausgestelltem Brot vorbeigefahren ist, sollte das nächste Mal unbedingt anhalten. Es handelt sich nämlich nicht um eine moderne Galerie, sondern um eine kleine, aber feine Bäckerei. Klein und fein ist nicht nur die überschauliche Größe des Ladens, sondern auch die Zutatenliste. Regionale und natürliche Bioprodukte – nämlich Mehl, Salz, Wasser und Gewürze – sind alles, was in den Teig kommt. Wenige Zutaten, viel Geschmack. Dafür sorgen die Originalrezepte. Denn schon seit 1958 backt die Familie Mantei für Heidelberg und war eine der ersten, die die Stadt mit echtem französischen Baguette beglückt hat. Neben dem länglichen Franzosen sind auch das rustikale Pain d’Or, der würzige Vinschgauer Fladen und das kräftige Saatenbrot feste Bestandteile des Sortiments.Das kleine Walnuss-Feigen-Rosmarin-Brot überzeugt nicht nur mit idealer Größe, sondern auch mit der perfekten Mischung aus süß und herzhaft und der optimalen Balance von weicher Krume und knuspriger Kruste.Für weihnachtliche Stimmung sorgen hier die Schoko-Persipan-Schnecken, die es normalerweise in der Nuss-Variante gibt. Für die Schnecken lohnt es sich, schon früher zu kommen, denn die Süßwaren sind ziemlich schnell weg. Die Öffnungszeiten sind aber sehr Schlafmützen-freundlich. Dienstag bis Freitag öffnet Le pain um 13:00 Uhr seine Türen und schließt sie erst wieder um 18:00 Uhr. Samstags wird es morgens jedoch etwas sportlicher, da ist das Neuenheimer Klientel auch ziemlich schnell. Wenn’s ganz schlecht läuft, sollte man jedoch noch nicht aufgeben, denn das Brot von Le Pain Mantei findet man samstags auch auf dem Wochenmarkt in der Weststadt. Unter der Woche findet man die schmackhaften Mantei-Kunstwerke, die ihrem Platz in den Glaskästen gerecht werden, auch auf verschiedenen Märkten in und rund um Heidelberg.
Die Französin: La Flamm
Altstadt: Märzgasse 2
Neuenheim: Ladenburgerstraße 15
Preise: €€
Auswahl: 4,5/5
Geschmack: 5/5
Ambiente: 4/5
Die kleine aber feine Patisserie La Flamm in der Märzgasse zwingt uns mit ihrer einladenden Auslage förmlich dazu einzutreten. Croissants, Tartes, Macarons und weitere französische Süßgebäcke bieten ein buntes und vielfältiges Bild hinter dem Glas. Der zweite Standort von La Flamm in Neuenheim bietet keine Sitzmöglichkeiten, aber dennoch sehr verlockende Backwaren. Die Patisserie ermöglicht es nämlich auch, die Sachen direkt mitzunehmen, dazu gehören auch vorverpackte Backwaren, die man auf dem Weg oder auch Zuhause genießen kann. Die Bedienungen sind ebenfalls sehr freundlich und helfen bei der Entscheidung. Der süße, französische Fokus sticht bei der Auswahl zwar hervor, doch auch einzelne, salzige Backwaren, wie Brezeln, Quiches oder Schinkencroissants ermöglichen Abwechslung. Aufgrund der beeindruckenden Vielfalt der einzelnen Backwaren fällt eine Entscheidung schwer, hier sollte für jede:n Feinschmecker:in mit einem Hang zum Süßen etwas dabei sein. Für unser Taste-Testing entscheiden wir uns schließlich für die, von den Bedienungen auserkorenen Highlights der Besucher:innen. Wir probieren eine Créme-Brûlée-Tarte, einen Vanille-Macaron und ein gefülltes Croissant mit Marzipan, um der bald bevorstehenden Weihnachtszeit auch gerecht zu werden. Der Geschmack ist genauso gut, wie man es bei dieser Auswahl schon erwartet. Zahlen kann man hier mit Karte ab 10 Euro, die aber recht schnell zusammenkommen. Doch nach unserem Urteil lohnt es sich auf jeden Fall! Eine gemütliche Möglichkeit, sich nach einem langen Bib-Tag eine kleine Belohnung zu gönnen.
Die Allrounderin: Görtz
Kurfürstenanlage 6
Preise: €€
Auswahl: 4/5
Geschmack: 3/5
Ambiente: 3/5
Görtz kennt jede:r. Görtz ist überall. Im Mathematikon, in Handschuhsheim, Wieblingen und dem Carré am Bismarckplatz. Görtz kann Bäckerei neben dem Supermarkt, aber Görtz kann auch gemütlich. Je nach Filiale gibt es kahle Holzbänke im offenen Bereich oder auch gemütliche Sessel in ruhigen Ecken. Die Auswahl ist groß, von Tortenstücken bis Laugengebäck findet man viel – außer als Veganer:in, da ist die Auswahl an süßem Gebäck oder belegten Brötchen eher dünn.Positiv fällt auf: Die Preise befinden sich im Vergleich zu den hippen Sauerteig Bäckereien in einem erschwinglichen Rahmen. Hier kann man es sich noch halbwegs leisten, sonntags Brötchen zu holen. Klassiker der Kette ist der „Siegfried mit Butter“, im Prinzip eine Butterbrezel als Bagel verkleidet und damit perfekt für den Hunger unterwegs.
Von Leah Bohle, Nastasja Weinmann und Heinrike Gilles
...studiert molekulare Biotechnologie und ist seit dem Sommersemester 2023 beim ruprecht. Meistens schreibt sie wissenschaftliche Artikel oder über das studentische Leben. Seit November 2023 kümmert sie sich außerdem um die Website und den Instagram-Kanal des ruprecht.








