… und deine Seele. Im Kampf gegen Algorithmen bist du klar der Underdog. Eine kleine Sammlung von Apps und Tricks, um deinen Medienkonsum zu reduzieren
Na, wieder mal deine Bildschirmzeit gesehen und erschrocken? Machen wir uns nichts vor, die meisten von uns verschwenden viel zu viel Zeit in einer digitalen (Ir)Realität, die uns oft nicht-*mals interessiert. Dass das Hirn, Hobbies und letztendlich auch unserer Gesellschaft schadet, ist auch kein Geheimnis mehr. Aber wie lässt sich eine Abhängigkeit durchbrechen, die längst alle betrifft?
Ein radikaler Vollausstieg zum Tastenhandy deines Opas mag da verlockend klingen, ist im Alltagstest aber vor allem unpraktikabel. Jenseits des Aussteiger-Daseins bleibt also nur noch Schadensbegrenzung. Und da reine Selbstdisziplin gegen perfektionierte Algo-*rithmen nun wirklich kein fairer Kampf ist, haben wir für euch die besten Apps, Tipps und Tricks zusammengetragen, um den Medienkonsum besser in den Griff zu bekommen. Alles natürlich kostenlos und nach ruprecht-Teststandard.
Der Allrounder: Screen-Zen
Einmal nach Bedarf eingerichtet, hilft Screen-Zen die Medienzeit in strukturierte Bahnen zu lenken. Es gibt die Möglichkeit, einzelne Apps zu bestimmten Tageszeiten vollständig zu sperren, Apps und Websites nach einer festgelegten Zeit wieder zu schließen oder einen Timer einzustellen, der abgewartet werden muss, bevor eine App sich öffnet. Um zu verhindern, dass man die Einstellungen allzu leicht umgeht, lässt sich Screen-Zen auch selbst blockieren, bevor es sich öffnet. Die Stärke liegt in der Breite der Einstellungen, auch wenn die App dadurch anfangs unübersichtlich wirken kann.
Das Tastenhandy auf Zeit: *Digital Detox
Simples Design, noch simplere Idee: Für eine gewisse Zeit, spontan oder planmäßig, wechselt dein Handy in einen Modus, der dich an dein erstes Handy aus Schulzeiten erinnern wird. Diese App hält, was sie verspricht – Detox, inklusive therapeutischer Benachrichtigungen à la „Read a book.“ Dabei meistert sie den Spagat zwischen gefragter Strenge und notwendiger Alltagstauglichkeit. Auf welche Apps du während deines Detox zugreifen kannst, legst du zuvor selbst fest. Und falls du um drei Uhr nachts wirklich ganz dringend etwas googeln musst, lassen sich kurze Aus- stiege einrichten. Das war’s dann aber auch – wenn du den Modus verlässt, darfst du an Ärzte ohne Grenzen spenden. Mit weiteren Features, z.B. durch Angabe eines „Mentors“ (deine Mama freut sich!), lässt sich deine Selbstmanipulation auf Null treiben.
Der Faktenschaffer:
Screen Time
Time to get real. Ja, jedes Gerät zeigt dir mittlerweile deine Bildschirmzeit an. Nun musst du aber nicht in Psychologie promovieren, um zu wissen, dass zwischen diffusem Wissen und eiskaltem Verinnerlichen ein schmerzhafter Erkenntnisprozess liegen kann. Die App „Screen Time“ liefert dir die harten Fakten: Auf einem Uhrenblatt wird jede Millisekunde am Bildschirm farblich dokumentiert. Über einen Schieberegler kannst du die Zeit über die letzten Wochen hinweg aufsummieren – gruselig. Diese minimalistische App bietet dir die Visualisierung, die es manchmal braucht, damit Fakten einsickern und lässt keinen Raum für Ausreden.
Das Ungemütliche:
Farbeinstellung
Damit dein Hirn sich nicht mehr ganz so freut, wenn du auf das bunt beleuchtete Handy schaust, bietet es sich an, den Farbfilter des Displays zu ändern. Häufig gibt es zusätzlich die Möglichkeit, zu bestimmten Tageszeiten automatisch in den Farblos-Modus zu schalten. Apple-Geräte erlauben es, die Farbsättigung herunterzuregeln. Nach ein bisschen Eingewöhnungszeit sehen andere Bildschirme im Vergleich aus wie radioaktive Süßigkeiten.
Der Study Buddy:
Bean, Bäume und Tomaten
Wenn es ans Lernen geht, hilft manchmal nur die vollständige Blockade. Dafür gibt es inzwischen zahlreiche Anwendungen, die auf Belohnungssysteme setzen und auch am Laptop genutzt werden können. Für eine von dir festgelegte Zeit werden fast alle Anwendungen blockiert – und wenn du nicht abbrichst, gibt es als Belohnung wahlweise einen Baum (Forest), Tomaten (FocusPomo) oder gestrickte Socken (Focus Friend). Letztere ist besonders fies: Brichst du ab, guckt dir eine Bohne traurig entgegen, weil sie ihre Maschen fallengelassen hat.
Auch Medien können süchtig machen. Wenn du das Gefühl hast, dass durch deinen Medienkonsum dein Alltag nicht mehr bewältigbar ist, du die Kontrolle verlierst und/oder andere Interessen vernachlässigst, wende dich an Hilfestellen.
Von Marei Karlitschek und Charlotte Breitfeld
...studiert Politikwissenschaft und Geschichte. Sie ist seit April 2024 beim ruprecht und schreibt für alle Ressorts, die sie in die Finger kriegt.
...schreibt über Wissenschaft und Politik und am liebsten über beides in einem. Sie interessiert sich für alles, was zusammenhängt – so auch in ihrem Studienfach, den Biowissenschaften. Für den ruprecht schreibt sie seit dem Sommersemester '24.
...studiert Biowissenschaften und schreibt … nichts. Er layoutet und illustriert seit 2023 für den ruprecht.










