Kichererbsen – zwischen Superfood und tief verankerter Kultur
Als halbe Tunesierin durfte ich schon immer die tunesische Küche mit Papas Kreationen genießen. Beim Aussuchen des Gerichts ist uns immer wieder eine beliebte Zutat aufgefallen: Kichererbsen. Was in Deutschland und anderen Ländern schon längst zu einem Superfood geworden ist – sei es in Hummus oder Falafel – ist seit Jahrhunderten fest in der nordafrikanischen Küche verankert. Kichererbsen sind gesund, proteinreich, halten lange satt und sind vor allem einfach zubereitet. Unter diesem Motto ist das Gericht Lablabi in Tunesien entstanden.
Diese Kichererbsensuppe mit altem Brot und geschmackvollen Gewürzen wird in Tunesien hauptsächlich als Frühstück und gerne in der Hauptstadt gegessen, ist aber auch als Streetfood erhältlich. Besonders jetzt zur kalten Jahreszeit wärmt sie einen von innen und löst alle Glücksgefühle aus, die man sich von einer Mahlzeit erhoffen kann. Beim Kochen mit meinem Papa erzählt er mir, wie er das Gericht vor vielen Jahren aus seiner Kindheit kennen und lieben gelernt hat.
Trotz der einfachen Zubereitung ist das Rezept auf die traditionelle Art zeitlich aufwändiger, denn alles beginnt mindestens 24 Stunden vor dem Essen. Die trockenen Kichererbsen müssen zunächst in heißem Wasser einweichen und darin einen Tag lang ruhen. Daraufhin müssen alle bitteren Erbsen, also braune oder solche mit grünen Flecken, entfernt werden. Nun kann in einem Topf etwas Öl oder Butter erhitzt werden. Dazu kommt Salz, Kreuzkümmel, etwas Gemüsebrühe und Ras Hanout, eine typisch nordafrikanische Gewürzmischung. Nach ein paar Minuten kommen nun die abgetropften Kichererbsen dazu und werden mit Wasser aufgegossen. Wer möchte, kann hier für den Kick noch eine kleine Chilischote hinzufügen. Kocht das Ganze einmal, kann die Flamme kleiner gestellt werden und die Suppe rund zwei Stunden vor sich hin köcheln. Sind die Kichererbsen gar, kommt erneut etwas Wasser hinzu, die Suppe wird zum Kochen gebracht und anschließend mit Curry, Salz und Pfeffer abgeschmeckt. Jetzt geht es ans Anrichten!
Funfact: Hummus bedeutet auf Arabisch „Kichererbse“
Die Suppe wird in eine Schüssel gegeben. Wenn nun das Ei hinzugefügt wird, ist es wichtig, dass die Brühe noch kochend heiß ist, denn es kommt traditionellerweise roh mit in die Schüssel und gart beim Verrühren. Gerne kann das Ei vorher aber auch für drei Minuten gekocht werden. Das Weißbrot, welches vielleicht schon frischere Tage erlebt hat, kommt nochmal wunderbar zur Verwertung. Man schneidet es einfach in kleine Stücke und lässt es in der Suppe einweichen. Jetzt fehlen nur noch ein bisschen Olivenöl und frische Petersilie zum Garnieren. Ganz zum Schluss kommt Papas und meine liebste Zutat: Harissa. Die tunesische Chili-Paste gibt dem Lablabi einen feurigen und deftigen Geschmack.
Fix-Version für Studis
Ich als Studentin habe beim Kochen gedacht: Das muss noch schneller gehen! Besonders wenn die Zeit mal wieder drängt, die Klausurenphase näher rückt und die Abende in der Bibliothek länger werden. Da muss es für meinen Geschmack günstig und schnell sein. Dafür hab ich normalerweise das vergessene Brot aus der Supermarkt-Backwarentheke schon da. Dann koche ich mein Lablabi einfach mit Kichererbsen aus der Dose, die abgetropft und abgewaschen werden. Nun muss alles nur einmal aufgekocht und zehn Minuten ziehen gelassen werden. Danach kann man das Lablabi wie gewohnt anrichten. Guten Appetit!
Zutaten:
Rezept für 4 Personen:
– 350 – 400 g Kichererbsen (trocken) oder 2 Dosen
– 2l Wasser
– 3 EL Butter/Öl
– 2 TL Kreuzkümmel
– 2 TL Ras Hanout
– 1 EL Gemüsebrühe
– 2 TL Curry
– Salz nach Belieben
– Ei (optional)
– Altes Weißbrot
– Frische Petersilie
Von Samira Hedhli
...studiert Biowissenschaften und schreibt … nichts. Er layoutet und illustriert seit 2023 für den ruprecht.






