Bingo ist nicht nur für Omis: Unsere Redakteurin zeigt, wie man Neujahrsvorsätze gamifiziert
Der Jahreswechsel ist die Zeit im Jahr, in der du die vergangenen Monate Revue passieren lässt. Vielleicht schaust du deine Fotogalerie durch, teilst mit deinen Freund:innen nochmal die Highlights und schwelgst in neu gewonnenen Erinnerungen. Der Jahreswechsel ist eine Zeit des Reflektierens: Was hast du im letzten Jahr erreicht und welche Ziele möchtest du im nächsten Jahr angehen? Und so fangen viele an, sich eine Liste an Neujahrsvorsätzen zu schreiben. Aber das geht auch mit viel mehr Spiel und Spaß! Darf ich vorstellen? Das neue Spiel des Lebens: Eine Bingokarte aus Neujahrsvorsätzen!
Doch wie funktioniert das Ganze? Die Schwierigkeitsstufe kann über die Größe des Bingofelds angepasst werden, aber in meinem Selbstversuch habe ich ein klassisches fünf-mal-fünf-Feld aufgemalt. Jetzt musst du dir für jedes Feld einen kleinen oder großen Vorsatz überlegen. Wichtig hierbei ist, dass es Aktivitäten oder Ziele sind, die objektiv erreicht und dann abgestrichen werden können. Der berühmt berüchtigte Vorsatz „Mehr Sport machen“ geht also nicht, stattdessen vielleicht „Einen Klimmzug schaffen“. Nicht zu empfehlen sind außerdem Vorsätze, die das ganze Jahr kontinuierlich durchgehalten werden müssen, da spätestens im März das Feld schon verloren ist.
Meine Vorsätze lassen sich grob in drei Kategorien einteilen. Erstens: Neue Dinge ausprobieren, wie eine neue Sportart. Zweitens: der Verzicht auf aktuelle Gewohnheiten, zum Beispiel 30 Tage lang kein Koffein zu mir zu nehmen. Drittens: Ziele setzen für Hobbys, Freizeit und Selfcare.
Die besten Vorsätze findest du in deinem Alltag. Inspiration ist überall. Der Urlaub, den du schon seit Monaten oder Jahren mit deiner Freundesgruppe machen willst? Ab aufs Bingo! Die Videos aus deinem Instagram Feed, wie du einen Sauerteig ansetzt und dein eigenes Brot backen kannst? Ab aufs Bingo! Du willst dich quälen und in den 5 a.m. Club? Ab aufs Bingo! Aber vielleicht als Challenge erstmal nur für eine Woche.
Das Konzept ist besonders toll, da du dir bewusst machst, welche Dinge du im neuen Jahr neu lernen und ausprobieren möchtest, welche Gewohnheiten du reduzieren willst und welche Ziele du erreichen möchtest. Es geht nicht darum, ein neuer Mensch mit komplett neuem Lebensstil zu werden, sondern eher darum, aus dem Alltagstrott auszubrechen und immer wieder in kleinen Schritten an deinen Zielen zu arbeiten.
Die Vielfalt an Challenges macht das Jahr abwechslungsreich und wenn mal ein freies Wochen- ende kommt, hängt eine Fülle an Aktivitäten, die du immer schon mal machen wolltest, direkt an deiner Wand. Dann wird das freie Wochenende genutzt, um zu einer Stand-Up-Comedy-Show zu gehen oder einfach mal zu Fuß nach Mannheim zu wandern.
Aus Selbstoptimierung und Vorsätzen, die nur Tage bis Wochen halten, wird ein langfristiges strategisches Spiel. Welche Felder sind am leichtesten abzuhaken? Was musst du weit im Voraus planen, damit du es schaffst? Aber Achtung! Es besteht Schummelgefahr beim Erstellen der Bingokarte. Vielleicht bist du versucht, alle leichteren Vorsätze für ein einfaches Bingo in eine Reihe zu schreiben, aber damit betrügst du nur dich selbst!
Alternative Vorsatzarten wie das Visionboard sind zu abstrakt, die klassische Liste zu trist. Das Bingo sorgt dafür, dass du das ganze Jahr dabei bleibst und verschiedene Interessen förderst, aber dir nicht zu viel gleichzeitig vornimmst.
Manchmal stellt sich auch heraus, dass dir bestimmte Vorhaben nur in der Theorie gut gefallen: Bei mir scheiterte ein Bingo daran, zehnmal Schach zu spielen. Ich sträube mich wohl doch zu sehr vor dem Anfängerinnen-Dasein. Aber das ist das Dankbare am Bingo, denn Ziel ist es nicht, alle 25 Felder abzukreuzen. Theoretisch reichen fünf erfüllte Vorsätze für den Erfolg. Und ganz nebenbei lernt man auch, was man gerne wäre, aber scheinbar nicht ist: in meinem Fall eine Schachspielerin.
Das Jahr ist noch jung. Schnapp dir Stift und Papier und vielleicht noch ein paar Freund:innen und auf die Plätze, fertig, Bingo!
Von Heinrike Gilles
...studiert molekulare Biotechnologie und ist seit dem Sommersemester 2023 beim ruprecht. Meistens schreibt sie wissenschaftliche Artikel oder über das studentische Leben. Seit November 2023 kümmert sie sich außerdem um die Website und den Instagram-Kanal des ruprecht.
...studiert Kunstgeschichte und Politikwissenschaft, seit 2021 schreibt sie über Kurioses aus Politik, Kultur und dem studentischen Leben






