Anfang November letzten Jahres fuhr den meisten Studierenden am Historischen Seminar Heidelberg wohl ein ordentlicher Schreck in die Knochen. Grund dafür war eine weitergeleitete Stellungnahme des Sprechers, Prof. Thomas Maissen im E-Mail-Postfach. Von “Feigen Schmähungen und verfassungswidrigen Symbolen” war die Rede. Prof. Maissen nannte konkret zwei Vorkommnisse:
1. “Das Tragen von Nationalsozialistischen Symbolen” und
2. “Die Beschädigung, das Entfernen und das Beschmieren von Plakaten.”
Es folgte eine Stimmung der Verunsicherung bei den Studierenden, rege wurde diskutiert und vermutet, um welche Art von Vorfall es sich hätte handeln können. Auch der Fachschaftsrat Geschichte solidarisierte sich mit dem historischen Seminar und sprach sich gegen jegliche Formen der Diskriminierung aus.
Erst Wochen später, am 08. Dezember folgte Aufklärung: Bei dem “Tragen von verfassungswidrigen Symbolen” hatte es sich wohl um ein Missverständnis gehandelt, die betroffene Person hatte Knöpfe an der Kleidung getragen, welche auf Sprechdistanz mit einer Swastika verwechselt werden können. Allerdings wurde diese Information in einer Sammelmail zu “Studienbezogenen Hinweisen” verbreitet. Die vorherigen Mails waren direkt im Betreff als Stellungnahmen gekennzeichnet worden. Prof. Maissen betonte gegenüber dem ruprecht, dass hier keine Vertreter:in rechten Gedankenguts tätig war. Er gesteht auch ein, dass man zunächst mit der betroffenen Person hätte sprechen sollen. Er habe die zwei aufeinanderfolgenden Vorfälle gemeinsam und zügig thematisieren wollen.
Der zweite Vorfall, bei welchem Plakate an der Tür der Vertrauenslotsin des historischen Seminars abgerissen und mit sexistischen Beleidigungen beschmiert wurden, wird weiter vom Institut und auch der Fachschaft verurteilt, man dulde dies nicht, so Prof. Maissen. Vertreter:innen der Fachschaft Geschichte erklärten gegenüber dem ruprecht ein, dass dies nicht der einzige Vorfall dieser Sorte ist, allerdings handele es sich um Handlungen einer Minderheit. Die Leitung des historischen Seminars zeige eine erfreuliche Bereitschaft, Probleme dieser Art aufzuarbeiten und sich entsprechend gegen diskriminierendes Verhalten zu stellen.
Von Christiane Brid Winter und Robert Bretschi
...studiert molekulare Biotechnologie und ist seit dem Sommersemester 2023 beim ruprecht. Meistens schreibt sie wissenschaftliche Artikel oder über das studentische Leben. Seit November 2023 kümmert sie sich außerdem um die Website und den Instagram-Kanal des ruprecht.





