“But why?”. Diese Frage stellte sich Werner Herzog in der Doku “Begegnungen am Rande der Welt”, als ein Pinguin sich von der Masse abhebt und geradeaus in die Berge läuft, auf in den Tod.
In den Medien wurde er zum heldenhaften Star, sein Aufbruch ein Zeichen des Neuanfangs – “ironischerweise” – und der Sinnsuche. Ein Tier, welches anders handelt als erwartet, reicht aus, um eine ganze Gruppe von vor allem jungen Menschen zu begeistern und zu motivieren, das Leben zu hinterfragen. Dieselbe Stimmung kann kaum erwartet werden, wenn es um Tiermassen geht. Diese sind wohl nicht so einfach zu romantisieren.
Wenn der Pinguin einen nun noch nicht so wirklich gepackt hat, dann gab es immer noch Wal Timmy, auch als “Hope” bekannt, im Angebot. Ob Team sprengen, retten oder liegen lassen, für jede:n gab es einen Platz. Aus einer dramatischen Situation für den Wal wurde ein Event zum Mitfiebern für uns. Mit einem Fischbrötchen in der Hand konnte man dabei zuschauen, ob die extra eingeflogenen Wissenschaftler:innen es wohl diesmal schafften, “Hope” ins Meer zurückzuschicken. Seine Chancen standen nicht schlecht, immerhin wurde er von großer deutscher Prominenz unterstützt. Plötzlich scheinen alle zu Tieraktivisten zu werden, von der Pferdezüchterin bis zum Mediamarkt-Gründer. Dass das Tier selbst bei einer “Rettungsaktion” vermutlich stirbt, ist egal -was zählt, ist das “happy end”, auf das wir entgegenfiebern können.
Aufgrund der vielen schlimmen Situationen, die sich auf der Welt abspielen, fixieren wir uns auf die Dinge, die wir beeinflussen und noch retten (oder sprengen) können.
Kaum etwas treibt uns so das Wasser in die Augen, wie eine emotionale Geschichte über ein Tier. Sogar John Wick ist dagegen nicht immun. Trotzdem scheint sich niemand so recht sicher zu sein, ob man jetzt mit dem Wal mitfühlen, oder ihn doch als Meme hernehmen sollte. Welches Schicksal einem Tier in der breiten Wahrnehmung zugeteilt wird, hat wenig mit der Realität zu tun. Der Pinguin wird zum tragisch motivierenden Symbol, der Wal reicht in Studierendenkreisen nur für eine Wal-o-mat-Satire.
Ihre Schicksale sind genau so viel wert, wie wir entscheiden.
Von Miriam Stangier und Julia Müller
...studiert molekulare Biotechnologie und ist seit dem Sommersemester 2023 beim ruprecht. Meistens schreibt sie wissenschaftliche Artikel oder über das studentische Leben. Seit November 2023 kümmert sie sich außerdem um die Website und den Instagram-Kanal des ruprecht.




