Was Künstliche Intelligenz mit niederländischen Tulpen gemeinsam haben könnte
Die Sorge, dass die künstliche Intelligenz unser Leben bald komplett übernimmt, wächst. Doch damit nicht genug! Von BWL-Justus:innen hört man häufig noch Bedenken, dass der KI-Hype eine Finanzblase sein könnte. Aber was ist das überhaupt? Ganz unkompliziert und ohne Mansplaining erklären wir es euch.
Finanzkrisen beginnen häufig mit sogenannten Blasen. Diese Metapher darf ziemlich wörtlich genommen werden. Wie eine Seifenblase, die wächst und zerplatzt, steigt der Wert eines Guts immer mehr, bis er irgendwann zusammenbricht und nicht mehr übrig bleibt.
Um zu verstehen, was eine solche Blase ist, bietet sich das Beispiel der Tulpenblase in den Niederlanden in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts an. Sie gilt als erste Spekulationsblase der Geschichte. Damals gelangten die Tulpenzwiebeln aus dem östlichen Mittelmeerraum durch die Niederlande nach Europa. Mit der Zeit wuchs das Interesse an den neuartigen Blumen: je ausgefallener die Blüten, desto wertvoller die Zwiebeln. Von Krankheiten befallene Pflanzen, deren Muster sich dadurch veränderten, umso beliebter und so stieg der Preis noch schneller. Händler:innen kauften Zwiebeln nur in der Absicht, sie mit Gewinn wieder zu verkaufen. Als bei Auktionen die erwarteten Preise nicht mehr erzielt wurden, fielen sie daraufhin in den gesamten Niederlanden. Das Vertrauen, dass es immer einen Käufer für Tulpenzwiebeln geben werde, war gebrochen. Die Preise fielen um bis zu 95 Prozent des höchsten Verkaufswertes. Zahlreiche Händler:innen mussten ihre Ware mit extremen Verlusten verkaufen oder wurden sie gar nicht mehr los.
Die holländische „Tulpenmanie“ ist ein skurriles, vergleichsweise aber harmloses Beispiel für den Zusammenbruch eines Finanzsystems. Das Prinzip ist aber immer ähnlich: Ein Anlageprodukt erfährt eine stetige Aufwertung. Irgendwann ist der Marktwert dann weit über dem tatsächlichen wirtschaftlichen Nutzen, sodass neue Käufer:innen ausbleiben und der Wert des Produkts fällt. Diejenigen, die zum Zeitpunkt des Platzens in dieses Produkt investiert haben, verlieren nicht nur den erhofften Gewinn, sondern auch das Geld, das sie zum Investitionszeitpunkt dafür aufgegeben haben. Gefährlich werden platzende Blasen vor allem dann, wenn nicht nur Privatpersonen investiert haben, sondern auch Banken und Staaten. Verlieren diese plötzlich große Mengen an Geld, kann daraus eine allgemeine Finanzkrise entstehen. Das größte Problem an Finanzblasen ist, dass man sie kaum vorhersagen kann. Der Marktwert eines überbewerteten Produkts kann sich wieder dem echten Wert annähern. Zwar machen Anleger:innen auch in diesem Fall Verluste – aber weniger rapide und gravierend.
Derartige Finanzblasen kann man immer wieder beobachten. So trieb nämlich Immobilienblase in den USA die Preise für Häuser jahrelang in die Höhe, bis sie platzte und 2008 in der Finanzkrise gipfelte. Zuvor platzte kurz nach der Jahrtausendwende die sogenannte Dotcom-Bubble. In den 90er Jahren sorgte die Verbreitung des Internets dafür, dass die Anzahl an Unternehmensgründungen im Technologiebereich stetig wuchs. In der Hoffnung, in zukunftsfähige Unternehmen zu investieren, kauften immer mehr Anleger:innen deren Aktien. So wurden ihre Preise in die Höhe getrieben. Als klar wurde, dass sie nicht die erhofften Gewinne bringen würden, brach der Markt zusammen. Amazon und Ebay überlebten die Krise und wuchsen mehr denn je, während zahlreiche andere Unternehmen in der Versenkung verschwanden. Der Hype um neue technologische Entwicklungen birgt also aus wirtschaftlicher Perspektive auch die Gefahr einer Blase. Ob auch die immer höheren Investitionen in künstliche Intelligenz sich letztendlich als Finanzblase entpuppen, bleibt abzuwarten. Man sollte jedoch beim Investieren die wahnwitzigen Heils-Versprechungen des Silicon Valley mit Vorsicht genießen – und sich hin und wieder an die holländischen Tulpenhändler:innen aus dem 17. Jahrhundert erinnern.
Von Pauline Zürbes und Robert Bretschi
...schreibt seit Wintersemester 2023/24 für den ruprecht – am liebsten über das, was Studierende und Heidelberg gerade bewegt.
...schreibt wonach ihr grade der Sinn steht und leitet seit dem Sommersemester 2025 die Bildredaktion als 50% einer Doppelspitze






