Unsere Rubrik zum Mathilda-Effekt
Im Jahr 1915 stellte der deutsche Forscher Alfred Wegener die Theorie auf, dass die Kontinente der Erde auf großen Platten liegen, die beweglich auf dem Erdmantel gelagert sind und sich gegeneinander verschieben können. Diese Hypothese wurde zunächst belächelt und sogar intensiv abgelehnt. Erst Jahre später gelang es der US-amerikanischen Geologin Marie Tharp, entscheidende Belege für die Theorie der Plattentektonik zu liefern, die heute als gesichert gilt.
Marie Tharp konnte Geologie ursprünglich nur deshalb studieren, weil während des Zweiten Weltkriegs – insbesondere nach dem Angriff auf Pearl Harbor – viele Männer zum Militär eingezogen wurden und entsprechend Studienplätze frei wurden. Nach ihrem Studium arbeitete sie zunächst in einem Erdölunternehmen. Da sie dort überwiegend mit Büroarbeiten betraut war, begann sie sich zu langweilen und studierte parallel zusätzlich Mathematik.
Ihr Kollege Bruce Heezen wies ihre Ergebnisse als „girls‘ talk“ zurück
Ab den 1950er-Jahren widmete sie sich an der Columbia University der Auswertung von Tiefenmessungen des Ozeanbodens, der sogenannten Bathymetrie. Da Frauen damals nicht an Bord von Forschungsschiffen arbeiten durften, war sie auf die Analyse der gesammelten Daten beschränkt.
Diese Auswertung war äußerst anspruchsvoll, da die sonographischen Messungen durch Faktoren wie Temperatur, Dichte und Druck des Meerwassers, sowie durch Störungen, etwa durch Meereslebewesen, beeinflusst werden.
Dennoch gelang es Marie Tharp, den Meeresboden mit außergewöhnlicher Präzision zu kartografieren – und das anhand handgezeichneter Karten. Dabei entwickelte sie nicht nur eine frühe Form der dreidimensionalen Reliefdarstellung, sondern identifizierte auch den Mittelozeanischen Rücken im Atlantik. Besonders bedeutsam war aber die Entdeckung eines tiefen Grabens entlang dieses Rückens, der auf vulkanische Aktivität hinweist. Dieser sogenannte Grabenbruch ist eine Stelle, an der die Kontinentalplatten zur Seite geschoben werden und gilt daher als zentraler Beleg für die Theorie des Kontinentaldrifts.
Ihr Kollege Bruce Heezen, für den sie zu dieser Zeit arbeitete, obwohl dieser zu Anfang noch nicht einmal sein Studium beendet hatte, wies ihre Ergebnisse zunächst als „girls‘ talk“ zurück. Erst nach und nach konnte sie ihn von deren Richtigkeit überzeugen. Zudem stellten beide später fest, dass eben dieser Graben sehr genau mit einer Karte von Erdbeben-Epizentren übereinstimmte, was die Theorie der Plattentektonik weiter belegte. 1957 veröffentlichten beide gemeinsam die erste detaillierte Karte des Meeresbodens im Atlantik, später der ganzen Welt. Heute gilt sie als eine der wohl größten Kartograph:innen des zwanzigsten Jahrhunderts.
Von Katharina Frank
...studiert Physik im Bachelor und schreibt seit Ende 2023 für den ruprecht. Sie interessiert sich besonders für Wissenschaftskommunikation und Berichte aus Musik, Film und Fernsehen.
...schreibt wonach ihr grade der Sinn steht und leitet seit dem Sommersemester 2025 die Bildredaktion als 50% einer Doppelspitze







