Zirkus Krone gastiert in Heidelberg, doch die eigentliche Show findet abseits der Manege statt. Demonstrierende fordern: Kein Profit auf Kosten der Tiere!
Wie ein Wettstreit um das Gehört-werden gestaltete sich die Protestaktion der Tierschutzorganisation Peta gegen den Zirkus Krone am Mittwoch, den 14. Mai. Auf dem Neuen Messplatz in Kirchheim ragt das blaue Zelt mit der Aufschrift „Krone“ empor, das den Eintritt in eine Welt des Spektakels und des Staunens verspricht. Neben der Einfahrtstraße, die zum Zirkuszelt führt, stehen um die 15 Aktivist:innen, welche durch Plakate und rhythmisch skandierte Parolen auf sich aufmerksam machen. Auf der anderen Straßenseite hält die energetische Zirkusmusik dagegen. Eine junge Frau mit Megafon verkündet: „Wir wissen nicht, wie lange der Zirkus die Ausdauer hat, aber wir haben sie.“
Heike Kraus-Henn, Leiterin von Petas Street-Team, nennt uns gegenüber die Hauptkritikpunkte: Durch den Transport der Tiere in kleinen Boxen sei eine artgerechte Haltung nicht möglich. Ebenso bedeute der Alltag in der Manege Stress, ausgelöst durch die Geräuschkulisse und die Verwendung von Peitschen. Daher fordert Peta die Abgabe der Tiere an Lebenshöfe und Auffangstationen. Der Appell richtet sich auch an die Besucher:innen – Peta hofft, diese von zukünftigen Besuchen abzubringen. Mittel zum Zweck sind dabei Provokation und emotionsgeladene Bildsprache. Vor dem Messplatz steht neben einem als Löwe verkleideten Aktivisten ein „Dompteur“ mit Peitsche, während Sprechgesänge fordern: „Kein Profit auf Kosten der Tiere!“
Eine Familie bilanziert: „Die Löwenvorstellung ist sowieso langweilig“
Das Street-Team Heidelberg ist eine Gruppe Freiwilliger, wie es sie in vielen Städten gibt. Diese werden dabei von Peta Deutschland mit Materialien und Argumentationstraining unterstützt, setzen ihre Tierrechtsaktionen aber unabhängig um. Von Schüler:in bis Rentner:in ist alles dabei. Peta ist stark umstritten, wird auf Grund von als radikal empfundenen Ansichten und Aktionen auch von anderen Tierschutzorganisationen regelmäßig kritisiert. Bei dem Umgang mit Wildtieren herrscht in Tierschutzkreisen aber Einigkeit. In 18 der EU-Mitgliedsstaaten ist Wildtierhaltung bereits verboten – nicht jedoch in Deutschland. Für die Tierhaltung in Zirkussen gibt es zwar Leitlinien, diese haben aber zum einen keinen rechtsverbindlichen Charakter und stehen zum anderen in der Kritik veraltet zu sein. Verpflichtend sind nur das stellenweise schwammig formulierte Tierschutzgesetz sowie die Aufsicht und Vor-Ort-Kontrollen durch die zuständigen Behörden. Eine länderübergreifende Tierschutz-Zirkusverordnung lässt seit Jahren auf sich warten.
Viele Städte vermieten ihre Plätze nicht mehr an Zirkusse mit Wildtieren
Zurück zum Ort des Geschehens. Was halten die konfrontierten Zuschauer:innen von der Protestaktion? Ein Mann, der sich als langjähriger Zirkusbesucher entpuppt, findet die „Gegenbeschallung“ durch den Zirkus gerechtfertigt. Der Spaß mit der Familie stehe für ihn im Vordergrund. Wie andere Befragte verweist er auf die Massentierhaltung, in der er das schlimmere Übel sieht. Ein anderer Besucher teilt das Anliegen der Tierschützer, hält jedoch das Format für wenig zielführend. Unter den Befragten gibt es aber auch skeptische Stimmen, die der Protestaktion ihre Berechtigung einräumen. Eine Frau berichtet, dass sie bisher vor allem Zirkusse ohne Tiere besucht habe. Auch eine andere Familie meint, dass die fehlende Tiervorstellung dem Erlebnis keinen Abbruch tun würde: „Die Löwenvorstellung ist sowieso langweilig“.
Eine Umfrage des Markt- und Sozialforschungsunternehmen Ipsos, basierend auf 2000 Interviews, ergab, dass 75 Prozent der Teilnehmer:innen einem Verbot von Wildtieren im Zirkus tendenziell bis voll zustimmen. Aufgrund dieser Kritik vermieten viele Städte und Kommunen ihre öffentlichen Plätze bereits nicht mehr an Zirkusse mit Wildtieren. Die Stadt Heidelberg hat diesen Schritt noch nicht in Erwägung gezogen. Zirkusse wie Roncalli oder Flic Flac nahmen bereits freiwillig von ihren Tieren Abschied. Der Zirkus Krone hält hingegen weiterhin an seinen Tieren fest. Bis Ende Oktober wird er noch durch Deutschlands Städte ziehen.
Von Paula Friebel und Raphaela Volk






