Schweden, Budapest oder vielleicht Homburg (Saar)? Wir haben Low-Budget-Reisetipps für eure Semesterferien gesammelt
Der Königspfad
Ort: Nordschweden
Zeit: 1,5 – 2 Wochen
An- und Abreise: je 2 Tage mit Nachtzügen
Transport: ca. 300 Euro
Übernachtungen: 0 – 200 Euro
Wer sich im Angesicht der Heidelberger Hitze nach milden Temperaturen und Natur pur sehnt, ist genau richtig auf dem Kungsleden. Der nordschwedische Fernwanderweg besticht mit imposanten arktischen Weiten bei gleichzeitig guter Anbindung. Vor allem der nördlichste Abschnitt des Weges ist für Anfänger:innen gut machbar.
Die Anreise ist lang, aber laid back: Von Berlin oder Hamburg geht es mit dem klapprigen Nachtzug nach Stockholm. Nach einem kurzen Abstecher durch die sehenswerte Metropole wird erneut der Schlafwagen bezogen. In Abisko angekommen folgen fünf bis acht Tage zwischen grünen Hügeln, sprudelnden Bächen und schroffen Felsen. Die Rentierweidegebiete der indigenen Sámi erscheinen unendlich, doch der Weg ist durchgängig mit roten Markierungen am Wegesrand gekennzeichnet.
Abends wird in der Wildnis das Zelt aufgespannt oder eine Hütte des schwedischen Touristenverbandes bezogen (ab 40 Euro pro Person). Und während man in der Ferne die Elche bei der Brunft hört, kann dank Mitternachtssonne bis tief in die Nacht Karten gespielt werden. Nach 103 Kilometern Wanderung wird in Nikkaluokta wieder die Zivilisation erreicht. Mit dem Bus geht es zum nächsten Bahnhof, wo bereits der Nachtzug wartet. Zwar ist ein gewisses Maß an Equipment, wie Zelt, Schlafsack und Campingkocher erforderlich, dafür sind die Kosten ansonsten vergleichsweise niedrig. Auf einen Wasserfilter kann verzichtet werden, da das Wasser der Region als trinkbar eingestuft wird. Verpflegung sollte im Vorhinein gekauft werden, denn auf den Hütten ist Essen rar und teuer. Fancy muss der Proviant dabei nicht sein, denn Kenner:innen wissen: Nach einem langen Wandertag schmeckt selbst das Essen vom Campingkocher besser als beim Sternekoch.
Vier Länder ohne Flieger?
Route: Donauradweg
Zeit: 2 – 3 Wochen
An- und Abreise: Zug
Transport: 100 Euro
Übernachtungen: 100 – 500 Euro
Über tausend Kilometer bis nach Budapest mit dem Fahrrad zu fahren klingt nach anstrengenden Bergetappen und Quälerei? Falsch. Egal ob du dir gerade ein Quarter-Life-Crisis-Gravelbike gekauft hast, oder die alten Fahrradtaschen von Opa mit Kabelbinder an deinen Drahtesel bastelst – der Donauradweg ist genau das richtige für eine erste längere Bikepacking-Tour.
Denn: Höhenmeter gibt es quasi keine. Außerdem ist der Weg sowohl gut ausgebaut, als auch gut ausgeschildert. Einfach den Markierungen der Eurovelo Route 6 folgen. Je nach Budget bietet die Strecke sowohl Wildcamper:innen als auch Hotel-Enthusiast:innen zahlreiche Übernachtungsmöglichkeiten.
Als Startpunkt bietet sich das gut erreichbare Ulm an. Die Räder werden bepackt und los geht es immer parallel zum zweitlängsten Fluss Europas. Über Regensburg radelt man bis an die österreichische Grenze nach Passau. In der imposanten Dreiflüssestadt sollte mindestens ein Tag genutzt werden, um das Geflecht aus Gassen, Tunneln und Bögen der barocken Altstadt zu erkunden. Weiter geht es in Richtung Osten durch das landschaftliche Highlight der Strecke: die Schlögener Schlinge. In Form einer 180-Grad-Kehre durchbricht die Donau den Granit des Böhmischen Massivs und sorgt so für ein atemberaubendes Panorama. Ober- und Niederösterreich bieten ruhige Klöster und Burgen bevor das wuselige Wien erreicht wird und nur eine Tagesetappe weiter wartet Bratislava. Und dann, nach etwa 1.100 Kilometer Strecke, ist man angekommen: in der Brückenstadt Buda- pest, der ungarischen Perle am Donauufer. Nach mindestens zwei Kulturtagen geht es schließlich mit dem Zug über Wien in die Heimat zurück – mit ebenso vielen tollen Erinnerungen im Gepäck, wie geradelten Kilometern in den Beinen.
Von Robert Trenkmann
Ein etwas anderes Abenteuer
Ort: Freie Wahl
Zeit: So lange ihr wollt
An- und Abreise: Viel Glück mit der DB
Transport: 63 Euro
Übernachtungen: ungefähr ein Lottogewinn (zumindest wenn ihr nach Paris wollt)
Wer in den Semesterferien günstige und dennoch unvergleichliche Erlebnisse machen möchte, dem empfehlen wir einen Trip in die ultra bekannten und viel frequentierten touristischen Hochburgen Osterburken, Homburg oder Eppingen. Dazu braucht ihr nur euer Deutschlandticket – und für den Fall der Fälle Campingausrüstung und Verpflegung. Seid ihr mit allem ausgestattet, könnt ihr zum Bahnhof aufbrechen und euch dort für einen Zug entscheiden – wie ihr das anstellt, ist ganz euch überlassen.
Habt ihr eine Entscheidung getroffen, steigt ihr in den Zug ein und fahrt bis zur Endhaltestelle. Nun habt ihr die Wahl zwischen schönen Unterkünften wie Jugendherbergen, Gasthöfen oder Campingplätzen. Im Ort könnt ihr touristisch noch völlig unerschlossene Perlen entdecken oder die umliegende Natur auf der Suche nach Ruinen, die selbst das Lexikon des Mittelalters nicht kennt, erkunden. Auch kleine, geheime Seen oder der nächsthöchste Gipfel können erinnerungswürdige Abenteuer bieten.
Die so gesammelten Erlebnisse sind ungleich günstiger und einzigartiger als der Tausendste Espresso in Rom, Croissants in Paris oder Selfies vor der Sagrada Família.
Tipps für Reiselustige
Wer ein Faible für Städtetrips hat, dem seien hier zwei Angebote der Deutschen Bahn empfohlen. Für alle unter 28-Jährigen aus Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und dem Saarland gibt es zwischen Juli und August 2026 wieder die Möglichkeit, mit dem Deutschlandticket nach Paris und in die umliegende Region zu reisen.
Dort bietet es sich an, laue Sommerabende im Norden von Elsass und Lothringen bei Flammkuchen und Wein zu verbringen oder Straßburg außerhalb des Weihnachtsmarkts kennenzulernen. Auch Paris ist sicher einen Besuch wert, wobei dann wohl selbst die preiswerte Anreise nicht mehr hilft, den Urlaub low budget zu halten.
Ein weiterer Tipp ist das „Last Minute“-Ticket der DB, das ihr zwischen Samstag und Sonntag für das folgende Wochenende buchen könnt. Wer möglichst günstig reisen will, muss suchen. Doch so kann viel Streit vermieden werden, denn das Ziel bestimmt der Preis. Geworben wird mit Tickets ab 6,99 Euro. So könnt ihr euch durch ganz Deutschland suchen, gucken wohin es mit den günstigsten Tickets geht und diesen Ort dann ein ganzes Wochenende lang kennenlernen.
Von Robert Bretschi
...leitet Feuilleton und studiert nebenbei Geographie in Kombination mit Politikwissenschaft im Master.
Interessenschwerpunkte: ferne Länder, Tagespolitik & Sport.






