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Wehrhafte Demokratie

von Emma Keßler, Eric Klimmer, Faustyna Gonka, Moritz Eigenbrod, Pauline Ammon und Hannah Beil
26. Juni 2026
in Ausgabe, Hochschule, Startseite
Lesedauer: 4 Minuten
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Wehrhafte Demokratie

Grafik: Hannah Beil

Wehrhaft werden will gelernt sein: Die Ruperto Carola Ringvorlesung diskutiert, wie offene Gesellschaften mit Populismus, Desinformation und politischen Krisen umgehen können 

Sie ist heutzutage in aller Munde: Die „wehrhafte Demokratie“. Und das nicht zu Unrecht, soll sie doch die Antwort sein auf den wachsenden Demokratieunmut, der sich in immer mehr Formen auf der Welt zeigt. Doch wie sieht eine solche Demokratie aus, welche Grundlagen braucht sie und welche Bedrohungen stehen ihr überhaupt gegenüber? Auf diese Fragen will die aktuelle Ruperto Carola Ringvorlesung „Wehrhafte Demokratie – Resilienz, Sicherheit, Verteidigung“ Antworten geben. In insgesamt acht Vorträgen beleuchten Wissenschaftler:innen der Universität Heidelberg, der Pädagogischen Hochschule Heidelberg und der Universität Tübingen unterschiedliche Facetten dieses hochaktuellen Themas. Die Veranstaltungen finden jeweils montags um 18 Uhr c.t. in der Alten Aula der Uni Heidelberg statt und richten sich ausdrücklich nicht nur an Fachpublikum, sondern an alle Interessierten. 

Den Auftakt machte bereits am 11. Mai der Heidelberger Politikwissenschaftler Endre Borbáth. In seinem Vortrag mit dem Titel „The Populist Radical Right – A Threat to Democracy“ widmete er sich dem Aufstieg und den Strategien rechtspopulistischer Parteien in Europa.  

Ihm folgte am 18. Mai Sebastian Harnisch, ebenfalls Politikwissenschaftler an der Uni Heidelberg, mit seinem Vortrag „Sicherheitsrelevante Forschung. Hybride Bedrohung und Strategische Desinformation“. Darin analysierte er unter anderem die aktuelle Bedrohungslage für demokratische Gesellschaften durch Angriffe auf kritische Infrastruktur, Cybervorfälle und gezielte Desinformationskampagnen.  

Diese beiden ersten Vorträge können schon jetzt auf „heiONLINE“ oder auf dem Youtube-Kanal der Universität abgerufen werden – generell werden alle Vorträge nachträglich auf diesen Plattformen zur Verfügung gestellt. Am  Montag,  den 08.06, folgte mit einem Vortrag der Historikerin Silke Mende die dritte Vorlesung dieser Reihe. Sie befasste sich mit der Frage, wie die aktuelle „Krise der Demokratie”,  die Diskurse in Gesellschaft und Politik diagnostizieren, zeithistorisch einzuordnen ist. Ein Fokus lag darauf, diese Feststellung zu hinterfragen und zu kontextualisieren.  

Damit hat fast die Hälfte der Veranstaltung stattgefunden und in den kommenden Wochen schließen sich die übrigen fünf an, bis die Ringvorlesung am 20.07. mit dem Vortrag des Rechtswissenschaftlers Martin Borowski ihr Ende findet. Bis dahin kann man sich jedoch auf eine Bandbreite spannender Themen freuen.  

Nächste Woche (am 15.06.) fährt Aurel Croissant, der dritte Heidelberger Politikwissenschaftler in dieser Reihe, mit einer anschaulichen Beleuchtung der demokratischen Resilienz fort. Hierbei spricht er anhand einiger (aktueller) Beispiele über die Erosion von Demokratien und den Prozess beziehungsweise das Verhindern eines solchen Abbaus, wobei er die verschiedenen Faktoren einer widerstandsfähigen Demokratie aufzeigt. Auch stellt er einen Bezug spezifisch zur Bundesrepublik her, der eine starke aktuelle Relevanz aufweist. 

Am 22.06. findet dann der einzige Gastvortrag der Ringvorlesung statt, gehalten von Michael Butter, Dozent am Englischen Seminar der Universität Tübingen. Sein Fokus liegt auf Verschwörungstheorien in Demokratien, wobei diese sowohl als potentielle Bedrohungen für eine Demokratie, aber auch als Symptome für reale Sorgen, Ängste und Probleme betrachtet werden sollen. Daran anknüpfend soll der Vortrag einen möglichen Umgang mit Verschwörungstheorien thematisieren.  

In der darauffolgenden Woche, am 29.06., liefert Thomas Maissen die zweite historische Perspektive auf diese aktuelle Debatte. Dabei wirft er in den Raum, Demokratisierung nicht als Entwicklung zur politischen Emanzipation, sondern eher als eine „Gegenleistung“ für zunehmende staatliche Einflussnahme im privaten Raum zu verstehen – zum Beispiel durch Steuern oder die Wehrpflicht. Zusätzlich sei die Demokratie ein Instrument zur Umverteilung von Geld und Wohlstand, sie sei also für ihre Bürger:inen mit Gewinn verbunden. Anknüpfend an diese Argumentation stellt Maissen die Frage, ob Bürger:innen nur so lange Demokrat:innen sind, wie dieses System ihnen materielle Vorteile bringt.  

Bevor dann eine zweiwöchige Pause vor dem letzten Vortrag beginnt, eröffnet Havva Engin am 06.07. eine weitere, komplett neue Perspektive auf diese Debatte. Als Dozentin der Pädagogischen Hochschule Heidelberg fokussiert ihr Vortrag auf Demokratiebildung, speziell in migrationsdiversen Gesellschaften. Dabei geht es sowohl um die zentrale Bedeutung von Demokratiebildung als auch um die Herausforderungen, die gesellschaftliche und weltweite Prozesse – etwa Polarisierung, globale Krisen oder Extremismus – für die Bildung darstellen.  

Den Abschluss bildet am 20.07. Martin Borowski, der die verfassungsrechtliche Perspektive auf die wehrhafte Demokratie thematisiert. 

Die Idee der Ruperto Carola Ringvorlesung ist es, zweimal jährlich Schlaglichter auf gesellschaftlich relevante Themen zu werfen, indem Dozierende der breiten Öffentlichkeit ihre Forschung dazu präsentieren. So soll vor allem der Austausch mit der breiten, interessierten Öffentlichkeit gefördert werden.  

Indem die Ringvorlesung wissenschaftliche Erkenntnisse öffentlich diskutierbar macht und ihre Inhalte dauerhaft zugänglich hält, leistet sie selbst einen wichtigen Beitrag zu jener demokratischen Resilienz, die sie zum Gegenstand ihrer Debatte macht. Denn die Grundlage der wehrhaften Demokratie ist nunmal eine informierte und engagierte Gesellschaft.  

Von Emma Keßler, Eric Klimmer, Faustyna Gonka, Moritz Eigenbrod und Pauline Ammon 

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...studiert derzeit Jura und fand im Frühjahr 2025 zum ruprecht. Leitet heute die Seiten 1–3 und begeistert sich für alle Geschichten, die mit „Eigentlich wollte ich nur kurz nachschauen…“ beginnen und dann in einem investigativen Kaninchenloch enden.

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Tags: DesinformationHeidelbergHochschuleNr. 221politische KrisePopulismusUniversitätWehrhafte Demokratie

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