Zum Mond reisen ist ultra cool – aber warum machen wir das?
Am 11.04.2026 um 02:27 Uhr landete die Orion-Kapsel sicher im Pazifischen Ozean, nachdem mit der Artemis II Mission nach fast 55 Jahren wieder vier Menschen zum Mond flogen. Manche meinen, ein neues Zeitalter der Raumfahrt habe begonnen. Prof. Dr. Klahr, Leiter der Theoriegruppe “Planeten- und Sternentstehung” am MPI für Astronomie in Heidelberg, sagt dazu: „Wissenschaft hat immer was mit Statistik zu tun, statistisch ändert die Artemis Mission nicht viel.“ Denn bahnbrechenden Ergebnisse wurden keine veröffentlicht. Dennoch hat die Artemis II Mission ihren Platz. Zum Beispiel konnte die Technik getestet werden, um zukünftige Missionen verlässlicher zu machen. Weiterhin gab es beeindruckende Bilder, sowie zwei neu entdeckte Krater.
Für die Zukunft ist eine Mondforschungsstation geplant, von der aus es billiger werden soll, Satelliten zu starten und Treibstoff herzustellen. Dies kann erst verwirklicht werden, wenn Wasser in den Kratern der Schattenseite des Mondes gefunden wird. Bei diesem handle es sich um primordiales Wasser, das im Mond zum Zeitpunkt seiner Entstehung angelagert worden sei, erklärt uns Klahr.
Mit dem Start von Artemis II wird immer öfter von einer Besiedelung des Mars geredet, der rote Planet ist schließlich unser nächster Nachbar. Dass Menschen den Mars betreten werden, glaubt der Professor auch, stellt jedoch klar: „Die Besiedlungs-Pläne darf man nicht so optimistisch ansehen. Es ist schön, dass die Leute darüber nachdenken, aber zurzeit ist das eine Utopie.“ Während immer mehr darüber geredet wird, die Menschheit auf einen neuen Planeten zu bringen, fragt sich die Erde wohl, ob wir sie vergessen haben.
Trotz der Tatsache, dass die Raumfahrt zurzeit noch keine große Quelle für CO2-Verschmutzung darstellt, ist sie eine wachsende. Der Weltraumschrott setzt durch den Eintritt in die Atmosphäre Stickoxide und Aluminium frei, was auf längere Sicht der Ozonkonzentration schaden wird. Ob und wie die Raumfahrt unsere Erde noch beeinflussen wird, hängt von zukünftigen Techniken ab. Obwohl die Astronaut:innen tausende Kilometer von der Erde entfernt waren, wirkte die Artemis II Mission für uns Erdlinge extrem nah.
Dass internationale Medien intensiv über Mondmissionen berichten, ist nichts Neues. Ähnlich wie wir die Artemis II im NASA-Livestream bei der Landung beobachten konnten, erinnert sich Prof. Klahr, wie er die Landung von Apollo 17 im Fernsehen mitverfolgte. Dieses Mal jedoch gab die Crew über soziale Medien selbst direkte Einblicke in ihre Zeit an Bord. Zwischen Aufweck-Liedern, über ein fliegendes Nutella-Glas bis hin zu Mondbildern, die Astronaut Reid Wiseman mit seinem iPhone aufnahm, zeigte sich die Crew vielleicht menschlicher als je zuvor. Für Prof. Klahr war diese mediale Aufmerksamkeit „erfreulich und erstaunlich positiv“, in Anbetracht der Kriegssituation im Iran, die fast zeitgleich begonnen hatte. Dennoch ist die Aufbruchstimmung, die die Artemis II Mission auslöste, unbestreitbar.
Aber nicht nur die erste Mondmission seit mehreren Jahrzehnten begeisterte – auch die Besatzung war ein Highlight: Mit Christina Koch flog die erste Frau und mit Victor Glover der erste schwarze Mann zum Mond. Das Team ist bis dato eines der diversesten Projekte der NASA. Den Astronaut:innen war ihre repräsentative Funktion durchaus bewusst. Somit ebnet Artemis II nicht nur den Weg zum Mond, sondern öffnet auch die Tür für mehr Diversität im Weltraum.
Von Julia Müller und Pauline Ammon

am MPI für Astronomie.
...studiert Musikwissenschaften und Anglistik im Bachelor und leitet seit dem WiSe 25/26 das Ressort "Weltweit". Am liebsten schreibt sie über politisch und kulturell relevante Themen. Vor allem aber freut sie sich über jede Möglichkeit, spannende Dinge zu recherchieren.








