Die diesjährige WM in den USA, Mexiko und Kanada präsentiert so viele Spiele wie nie zuvor. Von Sommermärchen-Stimmung ist bislang jedoch wenig zu spüren. Verfolgen die Studis aus Heidelberg trotz starker Kritik das Turnier?
Warme Sommerabende umhüllt vom ringsherum aufsteigenden Grillgeruch. Schwarz-Rot-Gold an Autos, Balkonen und Wangen. Das Bier in der Hand, das weiße Trikot auf der Haut und eine ausgelassene Stimmung geprägt von einem starken Gemeinschaftsgefühl – die WM kann kommen. Doch ,,man freut sich nicht so wie früher“ meint ein Studi aus Heidelberg. Auch die diesjährige Fifa-Weltmeisterschaft der Männer sei nur mit einem ,,faden Beigeschmack“ zu genießen. Was bremst das WM-Fieber? Wir haben nachgefragt:
Einige Student:innen sehen die WM nicht losgelöst von ihren politischen Rahmenbedingungen und möchten sich aufgrund der Entwicklungen in den USA von dem Turnier distanzieren. Auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International sieht massive Risiken für Fans, Spieler, Journalist:innen sowie lokale Gemeinschaften durch staatliche Repressionen, Gewalt, Abschiebungen und Diskriminierung – vor allem in den USA und Mexiko. Es bestünden zudem Einreiseverbote in die USA für Fans der für die WM-qualifizierten Nationen Senegal, Iran, Haiti und der Elfenbeinküste. Human Rights Watch kritisiert ebenfalls Menschenrechtsverletzungen der US-Regierung. Besonders gefährdet seien Menschen in den USA, die durch ihre Hautfarbe, ihre Sprache oder aufgrund ihres Abeitsortes von den Behörden als Migrant:innen wahrgenommen werden könnten. Während für viele die politischen Aspekte im Vordergrund stehen, werden auch die ökologischen Folgen als bedeutende Kritik wahrgenommen. Die diesjährige WM soll nicht nur die größte, sondern laut den Scientists for Global Responsibility auch die klimaschädlichste aller Zeiten werden. Ihren Schätzungen zufolge würde die WM mehr als neun Millionen Tonnen CO2-Äquivalente produzieren.
Bei vielen Student:innen löst die WM einen „faden Beigeschmack“ aus
Die meisten durch den ruprecht befragten Student:innen waren sich zumindest zum Teil der Umstände der diesjährigen WM bewusst, möchten aber nicht auf das Verfolgen der Spiele verzichten. Dabei gehe es ihnen oft nur zweitrangig um ,,das Fußballspiel als Eigenes, sondern um das Drumherum“. Es gehe um einen Fußballsommer, in dem mit Freund:innen und Fremden gefeiert, gejubelt und mitgefiebert wird – den wolle man sich nicht nehmen lassen. Besonders freue man sich auf das Gefühl von Gemeinschaft und Zusammenhalt. Darüber hinaus ermöglichten Public-Viewing-Events einen unkomplizierten Austausch und spontane Begegnungen, die für viele ebenfalls zum Reiz des Turniers gehören.
Einige der Befragten verglichen auch die Bedingungen der Weltmeisterschaft 2026 mit jenen in Katar und erklärten, dass diese immerhin ,,besser als bei der letzten WM“ seien. Insgesamt scheint die Mehrheit zu planen, zumindest die Deutschland-Spiele zu schauen. Andere fußballbegeisterte Student:innen wollen darüber hinaus alle Partien schauen, die ,,in den Biorhythmus passen“.
Nicht nur die größte, sondern auch die klimaschädlichste WM jemals
Die späten Anstoßzeiten bedrohen allerdings nicht nur den Biorhythmus, sondern bereiten auch den Kneipen der Unteren Straße Sorge. Denn der vollständigen Übertragung einiger Spiele stehen die neuen Sperrzeitregelungen in der Kernaltstadt im Weg. Im Eckstein zeigt man sich aber optimistisch, von der Stadt eine Sondergenehmigung fürs Public Viewing zu erhalten. Je nachdem, wie der Erfolg der Nationalmannschaft im Verlauf des Turniers ausfalle, könnten dann sogar draußen Leinwände aufgebaut werden.
Ungeachtet der späten Anstoßzeiten wird in der Halle02 die Public Viewing Tradition fortgesetzt. Man verfolge die Diskussionen um den Austragungsort USA, letztlich sind die Organisator:innen aber der Meinung, dass gerade in Zeiten von Krisen das gemeinsame Erleben besonders wichtig sei.
Ein ungebrochen hohes studentisches Interesse an der WM erwartet auch das Studierendenwerk. Fast alle Spiele des Turniers werden daher auch dieses Jahr im Marstall übertragen. Insbesondere für internationale Student:innen sei die Weltmeisterschaft stets ein besonderes Event, da sie so begeistert mit ihrer Heimatmannschaft mitfiebern können. Eine Studentin resümiert: „So ehrlich muss ich zu mir sein, ich glaube, ich werde es trotzdem schauen“ – und trifft damit den Standpunkt der meisten Befragten.
Von Charlotte Kuschel, Maria Bonk, Eric Klimmer
...studiert Geschichte und Biologie, seit April 2025 schreibt er für den ruprecht. Er interessiert sich besonders für gesellschaftlich relevante und wissenschaftliche Themen.
...studiert Biowissenschaften, schreibt seit WS 2023 für den Ruprecht und nutzt Interviews als Grund um mit interessanten Leuten zu reden








