Eine Party auf der Lyrik vorgetragen wird. Unsere Redakteur:innen waren bei Anthony Szmireks Auftritt live dabei
Tiefgründige, poetische Texte und funkige Technobeats. Für die meisten passen diese beiden Dinge wohl kaum zusammen, doch Antony Szmirek verbindet genau das. Der 34-Jährige spricht in seinen Texten über Vergänglichkeit, die Midlife-Crisis und die Schwierigkeit, die richtigen Entscheidungen im Leben zu treffen, er untermalt diese Themen mit einer Mischung aus Hip-Hop und tanzbaren Elektro-Sounds. Seine Musik Seine Musiksoll sich anfühlen wie die beste Hausparty ever soll sich anfühlen „wie die beste Hausparty ever“, sagt er– nur, dass dabei jemand Gedichte vorliest und das ist vollkommen in Ordnung.
Seine Musik soll sich anfühlen wie die beste Hausparty ever
Tatsächlich herrscht eine vertraute Stimmung, als er an einem Sonntag Mitte April im Rahmen seiner aktuellen Tour im Heidelberger Karlstorbahnhof auftritt. Schon nach dem zweiten Song verlässt er die Bühne, um gemeinsam mit dem Publikum zu tanzen. Später bittet er eine:n der Zuschauer:innen, ihn auf die Schultern zu nehmen und lässt sich ein wenig durch die Men getragen. Dabei wirkt er nicht abgehoben, sondern als würde er ausgelassen mit seinen Fans feiern – ohne Grölen oder Moshpits, dafür mit entspannter Musik, zu der man sich treiben lassen kann.
So sehr, dass man manchmal vergisst, auf den Text zu achten. Eigentlich schade, denn wer genau hinhört, erkennt die Message in seinen Texten, die sich oft unter einer dicken Schicht Ironie versteckt: „It was either the first or the last of ist kind. You either jump the gun or you take a lifetime to decide“, heißt es beispielsweise im Song „Rafters“, der im ersten Moment scheinbar nur das Erwachen nach einer langen Partynacht beschreibt.
Was will uns der Autor mit seinen Texten sagen?
In „The great pyramids of Stockport“ fordert er klar dazu auf, im Hier und Jetzt zu leben und die eigenen Träume zu verfolgen, stellt jedoch zwischendurch scherzhaft die Frage, was die Pharaonen wohl alles in einer Viertagewoche geschafft hätten. Denn der Song ist eine Anspielung auf seine britische Heimatstadt, in der ein ehemaliges Bürogebäude tatsächlich die Form einer Pyramide hat. Als Kind hätten er und sein Bruder sich immer vorgestellt wie es wohl sein würde, dort herunterzurutschen. Dieses Bild sei die Inspiration für seinen Song gewesen.
Diese Form von Ironie und Witz findet sich in vielen seiner Texte und ist genau das, was Szmireks Musik so besonders macht. Dabei begann seine Karriere 2020 als Feature der Hip-Hop Band „Bodies“ auf einem eher klassischen Rap-Album. Während der Corona-Pandemie veröffentlichte er mehrere Texte, die deutlich poetischeren Charakter haben. Zu dieser Zeit begann Szmirek, mit Technobeats zu experimentieren und seinen eigenen Stil zu entwickeln, den er 2025 auf seinem Debutalbum „Service Station at the End oft the Universe“ festhielt. Das Be sondere daran ist, dass Smirek seine Texte meist zuerst als Gedichte verfasst. Erst danach komponiert er den dazu passenden Elektro-Sound. Es sind eben „Poems To Dance To“, wie der Titel seiner ersten EP bereits 2023 verriet. Und diese Ge dichte sind nicht immer ganz einfach zu verstehen.
Junge Teenager:innen und Konzertgänger:innen Ü40 sind begeistert
Kein Wunder, denn vor seiner Musikerkarriere arbeitete Szmirek als Lehrer für Englisch und Literatur. Der Beruf habe ihn gelehrt, 16 Jährige für Lyrik zu begeistern und das gelingt ihm nun auch bei einem deutlich älteren Publikum. Versucht man, sich jedoch nicht zu sehr von den Technobeats treiben zu lassen, erwischt man sich bei der Frage Was will uns der Autor mit seinem Text sagen? Denn das Interpretieren von Szmireks Texten wirkt oft schwieriger als das der Texte von Goethe, Schiller und Co., und die Versuchung, auf seinen Konzerten nur wie bei einer Clubnacht zu Tanzen ist groß. Aber vielleicht ist es genau diese Mischung aus Leichtigkeit und Tiefe, die Szmireks Musik so besonders macht und mit der es ihm gelingt, sowohl junge Teenager:innen als auch Konzertgänger:innen Ü40 zu begeistern.
Von Lukas Hesche und Neeltje Cordes
…studiert an der PH und hat schon immer gerne geschrieben. Im Sommer 2024 brachte ihn diese Leidenschaft zum ruprecht. Seit 2026 leitet er das Ressort Heidelberg.
...studiert im Bachelor Germanstik und Philosophie. Sie schreibt am liebsten über Kultur und Politik und all das, was Menschen bewegt.
...studiert Biowissenschaften, schreibt seit WS 2023 für den Ruprecht und nutzt Interviews als Grund um mit interessanten Leuten zu reden







