Überlassen wir die Kultur nicht den privaten Gönnern
Kommentar: Die Stadt Heidelberg muss sparen – das haben Studierende spätestens mit dem Wegfall der Buslinie 32 bemerkt. Doch nicht nur der ÖPNV ist betroffen, auch die Kulturbranche steht unter Sparzwang. Neben der öffentlichen Hand können auch Privatpersonen Kunst, Musik und Theater fördern. Doch ist das Geld aus der Welt der Schönen, Reichen und der ganz schön Reichen eine willkommene Alternative?
Hierzu müssen wir über Mäzen:innen reden. Das sind Einzelpersonen, die so reich sind, dass sie große Projekte finanzieren können. Sie fördern Kunst und Kultur, ohne eine direkte Gegenleistung einzufordern. Klingt gut. Doch die Sache ist tatsächlich komplizierter, als es auf den ersten Blick scheint.
Das Mäzenatentum basiert auf einer stark ungleichen Vermögensverteilung. Nur wer über große finanzielle Mittel verfügt, kann Kulturprojekte maßgeblich finanzieren. Dabei genießen Privatpersonen strukturelle Vorteile: Sie schulden formell niemandem etwas.
Die Politik hingegen steht unter öffentlichem Druck. Wer Steuergelder einsetzt, muss dies im Zweifel begründen beziehungsweise rechtfertigen können. Besonders in finanziell angespannten Zeiten – im Haushalt der Stadt fehlen aktuell etwa neun Millionen Euro.
Außerdem wird auf diese Weise die Gemeinschaft vom Entscheidungsprozess ausgeschlossen. Wer bezahlt, der entscheidet. Die alte Grundschule müsste kernsaniert werden? Wie schade, aber hier ist ein neues Opernhaus. Wer viel Geld gespendet hat, möchte auch etwas mehr mitbestimmen.
Die Welt der Mäzen:innen ist eine Sache für sich. Alles Altruismus? Nicht ganz. Natürlich geht es auch um Prestige. Und um Macht. Wer viel in Kultur und Architektur investiert, der oder die macht sich damit einen Namen. So ein Statusgewinn öffnet Türen, die zuvor verschlossen blieben. Zudem schützt ein gönnerhaftes Image vor negativer Presse, das wusste schon Pablo Escobar. Man setzt der Kritik etwas Positives entgegen und kann so die eigenen Hände reinwaschen.
Wer heute etwas auf sich gibt, der gibt etwas zurück. Superreiche wissen, dass man auf Geld nicht sitzen kann – zumal es nicht sehr bequem ist. Umso besser, wenn reiche Menschen Teile ihres Vermögens für öffentliche Zwecke wie Kultur spenden, anstatt in noch ein KI-Startup zu investieren. Wir sind dennoch angehalten, immer genau hinzusehen.
Dabei wird Kultur auch in Zukunft nicht ohne spendable Privatpersonen auskommen. Das liegt daran, dass es bei Kultur um Dinge geht, die man schwerlich messen kann. Kultur gilt als verschwenderisch.
Nicht im wörtlichen Sinne, keineswegs, aber nach den Maßstäben konventioneller Politik. Deswegen wird Kultur oft als dekadent
Die alte Grundschule müsste kernsaniert werden? Wie schade.
verkannt. Das stimmt so natürlich nicht, wird von Köpfen in der Politik aber berücksichtigt, denn viele Leute sehen das so. Demnach führt Kultur bei der Haushaltsplanung ein prekäres Randdasein, wissend, dass hier als erstes gekürzt wird. Fraglich ist, was von der Kulturförderung übrig bleibt, wenn die Staatskassen leer und die Brücken marode sind.
Von Till Siegert und Laetitia Klein
...studiert Politikwissenschaften und Philosophie. Er interessiert sich für Politische Theorie und schreibt am liebsten für das Feuilleton.
...ist schon immer gerne der Frage Warum nachgegangen. Diese Leidenschaft prägt nicht nur ihr Studium der Geschichte und Politikwissenschaften sondern seit 2025 auch ihre Mitarbeit beim ruprecht. Besonders gerne verliert sie sich in Recherchen oder Aktuellem aus Kultur und Politik.
…studiert an der PH und hat schon immer gerne geschrieben. Im Sommer 2024 brachte ihn diese Leidenschaft zum ruprecht. Seit 2026 leitet er das Ressort Heidelberg.







