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Sparen tötet

von Emilio Nolte, Carmen Latus und Elena Lagodny
31. Januar 2026
in Ausgabe, Startseite, Wissenschaft
Lesedauer: 3 Minuten
0
Sparen tötet

Foto: Elena Lagodny

Wieso die amerikanische Ausgabenpolitik Millionen Menschen das Leben kosten könnte

Na, diesen Winter schon krank gewesen? Meist benötigt es nicht einmal einen Arztbesuch, sondern lediglich ein paar Tage im Bett, bis eine Grippe vollständig auskuriert ist. Anders ist das bei Menschen mit dem unheilbaren „Acquired Immunodeficiency Syndrome“ (AIDS). Für sie kann bei fehlender Behandlung bereits eine Erkältung lebensbedrohlich verlaufen. Dies ist einer Infektion mit dem sogenannten humanen Immundefizienzvirus (HIV) geschuldet, der in die Immunzellen des Menschen eindringt, sich dort vermehrt und mit den Zellen essenzielle Teile des Immunsystems zerstört. HIV wird in Blut, Sperma, Prä-Ejakulat und Vaginalflüssigkeiten sowie bei Schwangeren über die Plazenta und später beim Stillen ans Kind übertragen. Über die Hälfte der weltweit erfassten 40,8 Millionen Infizierten sind dabei Frauen, vor allem in Ländern des globalen Südens. Infektionen verlaufen häufig über Jahre weitestgehend symptomfrei. Folgend können sich opportunistische Infektionen ausbilden, wobei sich Krankheitserreger, die eigentlich abge- wehrt würden, nun frei im Körper verbreiten und vermehren können. Außerdem ist AIDS mit einem signifikant erhöhten Krebsrisiko verbunden, da das Immunsystem normalerweise Krebszellen bereits frühzeitig erkennt und abtötet.

Die Lebenserwartung ohne Behandlung bei AIDS liegt bei nur ein bis drei Jahren. Jedoch können moderne Therapiemethoden, allen voran die antiretrovirale Therapie (ART), die Lebenserwartung von HIV-Infizierten mittlerweile auf das Normalniveau anheben. Bei der ART wird die Viruslast im Blut der Patient:innen langfristig eingedämmt, indem die Vermehrung der Viren gehemmt wird. Mittlerweile gibt es auch eine Präexpositionsprophylaxe (PrEP), die HIV-negative durch tägliche Einnahme vor einer Infektion schützen kann.

Aufgrund von Kürzungen drohen nun Therapie, Diagnostik und Prophylaxe vor allem in ärmeren Ländern abzubrechen. Das von George W. Bush 2003 ins Leben gerufene Entwicklungshilfe-Programm President’s Emergency Plan for AIDS Relief (PEPFAR), welches vor allem in Afrika wichtige AIDS-Hilfe leistet, war Anfang 2025 Teil von Präsident Trumps Haushaltskürzungen. Die Arbeit wurde nur in reduzierter Form fortgesetzt, um lebensrettende humanitäre Hilfe zu gewährleisten. Dies bedeutete vor allem die Abgabe von retroviralen Medikamenten an bereits Einnehmende und das Anbieten von PrEP-Medizin an Schwangere und Stillende.

Auch darüber hinaus hängt der weltweite Kampf gegen HIV maßgeblich von amerikanischem Geld ab. Etwa drei Viertel der ausländischen Hilfe an Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen stammen aus den USA. Was das Fehlen des amerikanischen Geldes bedeuten würde, hat unter anderem eine britische Studie vorausgesagt. Bis 2030 seien zusätzlich 500.000 tote Kinder, laut UNAIDS-Bericht bis 2029 sechs Millionen zusätzliche HIV-Infektionen und vier Millionen Tote zu erwarten.

Obwohl es sich aktuell nur um Kürzungen und kein vollständiges Streichen der Gelder handelt, fällt nun mehr Verantwortung zurück auf die Länder, die bisher Hilfe empfangen haben. Sie müssen größere Teile ihrer Haushaltsbudgets für den Kampf gegen AIDS zur Verfügung stellen. Gleichzeitig wird es zunehmend schwieriger, die verbleibenden Fälle und gefährdeten Personen zu erreichen. Der UNAIDS-Bericht zeigt, dass die Infektions- und Todeszahlen in Verbindung mit AIDS seit den letzten zwei Jahren stagnieren. Hoffnung macht das von der amerikanischen Lebensmittel- und Arzneimittelbehörde zugelassene Medikament Lenacapavir. Es handelt sich dabei um eine injektionsfähige Form von PrEP, die im Gegensatz zu den bisher existierenden täglich einzunehmenden Pillen nur alle sechs Monate verabreicht werden muss und zur Behandlung von multiresistentem HIV eingesetzt werden kann, bei dem andere Therapien scheitern.

Die starke ausländische Finanzierung sorgte bisher dafür, dass die Strukturen zur HIV-Bekämpfung mehr oder weniger losgelöst von der öffentlichen Gesundheitsversorgung der Länder existierten. Es besteht weitgehende Einigkeit darüber, dass durch die Integration der AIDS-Programme in die öffentlichen Gesundheitswesen Einsparungen erzielt werden können. Dafür nimmt man jedoch in Kauf, dass die bisher auch in ruralen Gegenden gut vernetzte AIDS-Hilfe weitestgehend zentralisiert wird und die von behandelten Personen oft geschätzte Anonymität verloren geht. Außerdem könnte eine genauere und feinere Erfassung von Infektions- und Krankheitsdaten die Effizienz von Gesundheitsmaßnahmen erhöhen.

Auch in Heidelberg werden HIV und AIDS intensiv erforscht und Studien im Rahmen der HIV-Forschung durchgeführt. Hier fand zudem im Juli letzten Jahres ein interaktiver Informationstag zum Thema „Leben mit HIV“ statt. Für Betroffene oder Interessierte bietet sich außerdem die AIDS-Hilfe Heidelberg e.V. an, bei der Beratungen und Bildungsangebote in Anspruch genommen werden können.

Von Emilio Nolte und Carmen Latus

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