Das Uniorchester führt die umstrittenen „Carmina Burana“ von Carl Orff auf
Am 26. Juli führt das Universitätsorchester die „Carmina Burana“ des Komponisten Carl Orff auf. Bekannt aus zahlreichen Werbespots oder im Hintergrund vom neuesten „Top Ten Goals“ Fußball-Zusammenschnitt auf Tiktok, nimmt die Carmina Burana noch heute einen prominenten Platz in der Popkultur ein. Weniger bekannt ist jedoch die Beliebtheit des Werkes bei den Nationalsozialisten. Der Komponist Carl Orff wurde von Joseph Goebbels 1944 auf die „Liste der gottbegnadeten Komponisten“ aufgenommen. Diese Liste führte Künstler:innen auf, die unter den besonderen Schutz der Nazis gestellt wurden, da sie ihnen als besonders wichtig erschienen. Ob die dort genannten Künstler:innen auch tatkräftige Befürworter:innen der Nazis waren, lässt sich heute wie so oft nur schwer feststellen. Das gilt auch für Carl Orff. Immerhin stuften ihn die Amerikaner als „Kollaborateur, aber ohne aktive nationalsozialistische Gesinnung“ ein. Jedoch wurde diese Einstufung von einem ehemaligen Schüler Orffs, Newell Jenkins, vorgenommen. Für die Einstufung spricht, dass gerade zu Anfang des Dritten Reichs oft Aufführungsverbote der Carmina Burana durch die Reichsmusikkammer erlassen wurden, weil sie als „anstößig“ aufgrund des erotischen Textes angesehen wurde. Andererseits komponierte Orff später Märsche und Lieder für die Hitlerjugend und der Bund deutscher Mädel und machte dadurch in der späteren NS-Zeit Karriere. Nicht zuletzt, weil ein weiterer ehemaliger Schüler Orffs, Werner Egk, Vorsitzender der Reichsmusikkammer wurde und ihn daraufhin förderte. Doch worin begründet sich die bis heute anhaltende Faszination der Carmina Burana? Damals markierte sie die erstmals moderne Auseinandersetzung mit mittelalterlichen Texten und Musik. Authentisch mittelalterlich sind jedoch nur die Texte. Die Musik besticht damals wie heute vor allem durch ihre Monumentalität im Eröffnungssatz, wofür sie bis heute geschätzt wird. Durch die Herkunft der Texte aus Benediktbeuren sowie dem vermeintlich mittelalterlichen Stil erkannten die Nazis eine „urdeutsche Herkunft“ in dem Werk und eigneten sich so das Stück und dessen Inhalt an.
Wie geht man mit einem solchen Werk heutzutage um?
Wie geht man nun mit einer solchen Lage um? Dass Werke von Autor:innen, die von den Nazis hoch geschätzt wurden, heutzutage noch unkommentiert aufgeführt werden, sollte eigentlich undenkbar sein. Auf eine Anfrage des ruprechts antwortete das Universitätsorchester, dass es eine ausführliche Einordnung und Auseinandersetzung mit Orff und seinem Werk im Programmheft geben würde. Zudem handelt es sich bei der Aufführung um ein gemeinsames Projekt mit dem Chor der Jagiellonen-Universität Kraków. Sie schreiben: „Gemeinsames Musizieren schafft Begegnungen über Ländergrenzen hinweg und fördert den kulturellen und persönlichen Austausch zwischen den Studierenden beider Universitäten“.
Von unserer Seite heißt es nun: Viel Erfolg bei der Aufführung! Und wenn ihr das nächste Mal das O Fortuna in einer Werbung hört, könnt ihr euren Freund:innen nun einen musikwissenschaftlichen Funfact erzählen.
Von Pauline Ammon, Lily Grau und Chiara Emilia Matter
...studiert Musikwissenschaften und Anglistik im Bachelor und leitet seit dem WiSe 25/26 das Ressort "Weltweit". Am liebsten schreibt sie über politisch und kulturell relevante Themen. Vor allem aber freut sie sich über jede Möglichkeit, spannende Dinge zu recherchieren.
...schreibt wonach ihr grade der Sinn steht und leitet seit dem Sommersemester 2025 die Bildredaktion als 50% einer Doppelspitze






