Wir zeigen, wie man sich innerhalb von 7 Tagen (mehr oder weniger) erfolgreich auf eine Prüfung vorbereitet
7 TAGE
T-minus sieben Tage bis zur Klausur …
Zwischen einer 1,0 und „lieber ins nächste Semester schieben“ ist noch alles drin. Für maximale Lernerfolge braucht es jetzt eine strukturierte Strategie und konsequentes Durchführen. Nach dem Herunterladen sämtlicher vorlesungsbegleitender Materialien von Moodle ist es Zeit für eine kurze Pause – den restlichen Tag wird auf Insta gechillt, denn abends geht es noch in die Untere.
T-minus sechs Tage …
Neuer Tag, neuer Tatendrang: Der ambitionierte Acht-Uhr-Wecker und der darauffolgende Snooze-Krieg resultieren infolge des gestrigen Gerstensaftes in einer Entscheidung zugunsten des Schlafs. Pünktlich kurz vor Drei geht es in die Bib. Beim Öffnen der ersten Vorlesung lachen die Basisliteratur-Empfehlungen über den angedachten Lernplan. Sechs Monographien à x-hundert Seiten in ebensovielen Tagen durchzuarbeiten erscheint knapp, trotzdem werden sie abgespeichert. Puh, jetzt erstmal eine Kaffeepause einlegen. Selbige artet leider aus – Schuld sind Kommiliton:innen, die Zeit zum Schnacken haben, da der Foliensatz von ihnen unlängst auf kleinste Karteikärtchen geprügelt wurde. Egal, morgen geht es dann wirklich los!
T-minus fünf Tage …
Totalausfall: Verschlafen; restliches Abendessen frühstücken; nochmal kurz hinchillen; Wäsche anstellen fürs Produktivitätsgefühl; an den Schreibtisch setzen; eine Radreise nach Singapur inklusive etwaiger Visa-Anträge für die Transitländer durchplanen; schlechtes Gewissen haben, weil es schon wieder dunkel ist; beim Essen eine kurze Dagestan-Doku gucken, auf Kleinanzeigen nach Ultraleichtflugzeugen suchen; die vergessene Wäsche aufhängen; ab ins Bett; fuuuck.
T-minus vier Tage …
Langsam wird es eng. Ein neuer Plan muss her: Erst alle Vorlesungen durcharbeiten und am letzten Tag alles lernen und Literatur lesen klingt gut. Bevor es losgeht, müssen Koffeinquellen und das Tiefkühlfach aufgefüllt werden. Den Rest regelt die Backtheke. Nach dem Einkauf kommt es zu einer unerwarteten Herausforderung: Der Youtube-Algorithmus hat das deutsch-brasilianische Halbfinale der Fußball-WM 2014 auf die Startseite gespült – in voller Länge – da gibt es kein Entkommen. Das 7:1 bringt zwar Gänsehaut-Momente, aber leider keinerlei Folieninhalte ins Hirn. Der große Lernstart wird erneut vertagt.
T-minus drei Tage …
Am eigenen Schreibtisch gibt es für professionelle Prokrastinator:innen kein Durchkommen. Ab in die Bib, Handy in den Spind und Folien zusammenfassen. Da die erste und die letzte Vorlesung beide mit Anwesenheit beehrt wurden, kann aggressiv auf Lücke gelernt werden. Die erste Vorlesung ist fix geschafft. Wie im Rausch geht es weiter mit der Nummer Zwei: 142 Folien, bitte was? Hilft nix. Folie um Folie, Vorlesung um Vorlesung: Langsam ernährt sich das Eichhörnchen. Nur für kurze Nahrungsaufnahme- und Klopausen ist heute Zeit. Völlig fertig von so viel Produktivität werden nach dem Zusammenfassen von etwa der Hälfte der Vorlesungen (vier von 14) die Segel gestrichen.
T-minus zwei Tage …
Trotz der gestrigen Arbeitsoffensive bleibt beim aktuellen Tempo kaum Zeit, alles auch noch zu lernen, geschweige denn für die Literatur. Kurzerhand werden die Kommiliton:innen nach Zusammenfassungen angehauen. Ergebnis: eine durchweg bunt markierte Version des originalen Foliensatzes. Weiter geht’s mit Eigenabarbeit der drögen Materie.
T-minus ein Tag …
Der ultimative Hustle-Tag: Das Durcharbeiten der restlichen Vorlesungen gelingt geradezu gruselig gut. Im Tunnel wird der Lernstoff aus den Folien gesogen. Mit dem Rausschmiss-Gong der UB geht es für die Nachtschicht an den heimischen Schreibtisch. Spätestens jetzt wird von Mate auf doppelte Espressi oder den lebensverkürzenden Energydrink des Vertrauens umgestellt. Kurz vor drei sind alle Aufzeichnungen fertiggestellt. Beim anschließenden Durchkauen der Theorien und Modelle schweifen die Gedanken ab: Ist Prokrastination eine anerkannte Krankheit? Warum wurde nicht früher angefangen? Wieso muss man das alles überhaupt lernen? Mit dem festen Vorsatz, nächstes Mal alles anders zu machen, geht es ins Bett. Die klausurrelevante Literatur bleibt auch diesmal nur Stoff für Träume.
Tag der Entscheidung
Nach etwa drei Stunden Schlaf geht es los. Kalt duschen, kein Frühstück, auf dem Rad ein letztes Mal die Karteikarte mit dem schwersten Modell durchgehen und dann auf in die Schreibschlacht – für die Ehre, die ECTS und vielleicht auch eine halbwegs gute Note.
Von Robert Trenkmann
...leitet Feuilleton und studiert nebenbei Geographie in Kombination mit Politikwissenschaft im Master.
Interessenschwerpunkte: ferne Länder, Tagespolitik & Sport.
...studiert Biowissenschaften, schreibt seit WS 2023 für den Ruprecht und nutzt Interviews als Grund um mit interessanten Leuten zu reden







