„Der Astronaut“ berührt neben dem Herzen auch noch die wissenschaftliche Neugierde
Stell dir vor, du wachst ohne Erinnerungen in einem Raumschiff auf, geweckt von robotischen Armen und einer monotonen Frauenstimme. Orientierungslos erkundest du deine Umgebung, findest zwei tote Crewmitglieder in ihren Schlafkammern auf, tausende Lichtjahre entfernt von der Erde. So erging es Ryland Grace, gespielt von Ryan Gosling, nachdem er im Film „Der Astronaut“ nach dem gleichnamigen Buch von Andy Weir im Tau-Ceti System aufwacht.
In den 157 Minuten des cinematographischen Meisterwerks tauchen wir mit Grace ab in ein Szenario, in dem die Menschheit vom Aussterben bedroht ist. Es zeichnet sich eine Zukunftsvision mit mehr Optimismus ab, als wir es gewohnt sind. In Anbetracht der Apokalypse schließen sich die Länder zusammen, um die Erde zu retten. Es scheitert nicht an kulturellen Unterschieden, das Denken ist lösungs- statt problemorientiert. Hier werden keine Kriege gefochten, stattdessen muss geforscht werden, um das Überleben der Menschheit zu sichern. Man wird auf eine emotionale Achterbahnfahrt eingeladen, die den Menschen als ambivalente und moralisch unperfekte Figur darstellt. Falls ihr weder Film noch Buch kennt, seid gewarnt: Ab hier gibt es Spoiler! Denn besonders die Charaktere geben dem Film die so wichtige Tiefe. So entwickelt sich Ryland Grace– erst kein heldenhafter Weltenretter, und keineswegs bereit sein Leben für die Menschheit zu opfern– zu einem selbstlosen besten Freund, der seinen Tod für das Überleben seines Gefährten und dessen Spezies in Kauf nimmt.
Auch die Rolle der Eva Stratt erfrischt als eine Frau, die „ihren Weg geht, ohne sich aus der Ruhe bringen zu lassen“, so die Darstellerin Sandra Hüller. Natürlich ist kein Gespräch zu „Der Astronaut“ voll ständig, ohne über Rocky zu reden. Der kleine fünfarmige Extraterrestrische bildet mit Grace das zentrale Duo des Films, das Zuschauer:innen mit Intelligenz, Witz und tiefer interspezifischer Freundschaft durch die eigentlich düstere Apokalypse begleitet, ohne von den emotionalen Auswirkungen auf beide abzulenken. Ihre Achterbahn zwischen Weltrettungsaktionen, Hoffnungsmomenten und katastrophalen Rückschlägen liefert Protagonisten, deren Geschichte einen die Band breite aller Gefühle spüren lässt, die das Universum zu bieten hat.
Zusätzlich gewährt „Der Astronaut” realistische Einblicke in wissenschaftliches Arbeiten und schafft es, nicht nur die Nerds damit abzuholen– auch wenn Ryland Grace die Zentrifuge schmerzhaft falsch belädt. Obwohl die Übertragung von Buch zu Film sehr gut funktioniert, konnte natürlich nicht die ganze Geschichte im Film eingefangen werden. Wer ihn also am liebsten direkt noch einmal geschaut hätte, dem sei gesagt: Das Buch lohnt sich auch nach dem Kino noch, um tiefer in die Details hinter der Geschichte einzutauchen.
Von Maja Beckmann und Carmen Latus
… macht ihren Bachelor in Biowissenschaften und leitet Wissenschaft in einer Doppelspitze. Sie liebt alles, was kreucht und fleucht. Begeistern kann man sie mit FunFacts und etwas zu lesen, deswegen fühlt sie sich beim ruprecht seit SoSe25 pudelwohl.
...schreibt wonach ihr grade der Sinn steht und leitet seit dem Sommersemester 2025 die Bildredaktion als 50% einer Doppelspitze






