Warum Altersvorsorge auch ein Thema für Studis ist
Als Student:in denkt man viel an die Zukunft – man stellt sich vor, und spinnt Pläne, von dem was kommen wird. Aber „nothing lasts forever …“ und so hat in der Regel auch die ruhmreichste Karriere oder die beste Anstellung irgendwann ein Ende. Im Moment muss man sich dabei noch auf das gutgemeinte Versprechen Norbert Blüms verlassen „Die Renten sind sicher“. Sicher ja, aber durch steigende Zuschüsse teuer für den Staat bei niedrigem Niveau in der späteren Auszahlung. Die gesetzliche Rente in Deutschland liegt bei circa 53 Prozent und damit im unteren Mittelfeld. Daher wurde 2002 mit der Riesterrente ein privates Vorsorgemodell eingeführt. Da allen politischen Akteuren die Probleme beider Rentenmodelle bewusst sind, tagt seit Ende 2025 eine Kommission, die an einer Neugestaltung der gesetzlichen Rente arbeitet. Zusätzlich arbeitet die Bundesregierung jetzt aber mit dem Altersvorsorgedepot an einer Reform der Riesterrente. Am 27. März dieses Jahres hat der Bundestag das neue Altersvorsorgedepot beschlossen. Dieses neue Rentendepot soll die Riesterrente ersetzen und setzt dabei verstärkt auf aktienbasierte Anlagestrategien. Auch wenn der Bundesrat dem Entwurf noch zustimmen muss, ist das Ende der Riesterrente bereits ausgemacht. Wichtig ist auch die Unterscheidung zwischen der Gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) und der privaten Altersvorsorge. Die GRV ist die staatliche Rente – ihr gegenüber stand die private und anlagebasierte Riesterrente. Letztere stand wegen ihrer bürokratischen und anlagestrategischen Ineffizienz und finanzmarkttechnischer Schwächen jahrelang in der Kritik. Sie sei zu aufwändig und renditeschwach. Das neue Altersvorsorgedepot ermöglicht es Privatvorsorgenden, zwischen mehreren Optionen auszuwählen. Vorgesehen ist eine je nach Risiko gestaffelte Bestandsgarantie, wobei mit dem Risiko auch die Renditechance steigt. Das Geld soll vorwiegend in risikoärmeren ETFs angelegt werden, wobei die Anlage in Einzelaktien dennoch möglich sein wird. Theoretisch ist es möglich, bis zu 6.840 Euro zum Depot hinzuzufügen.
Im Unterschied zur rein privaten Vorsorge bleibt dieses Geld über die Ansparphase hinweg steuerfrei und kann erst ab dem 65. Lebensjahr ausgezahlt werden. Die Einzahlungen sollen dabei gestaffelt bezuschusst werden.
Die Linke erklärte auf Anfrage des ruprecht, dass sie jede Form der kapitalgedeckten Rentenfinanzierung ablehne. Aus Sicht der Partei sei eine Reform zwar unumgänglich, doch sieht sie in dieser Form der Rentenfinanzierung die Gefahr, dass die Schere der ausgezahlten Renten zunehmen könnte. In Bezug auf die Depotrente betonte sie, dass Student:innen davon quasi ausgeschlossen wären, da sie häufig keine ausreichenden Mittel hätten, die sie zur Anlage nutzen könnten; zudem sei das Produktangebot unübersichtlich und es gebe zu wenig Schutz vor unseriösen Angeboten.
Die Grünen kritisieren die Freiwilligkeit der Reformpläne. Die Vielfalt an Produkten sei teilweise abschreckend, sodass man schnell durchs Raster falle, wenn man sich nicht um die Anlagen kümmere. Gerade für junge Menschen könne das überfordernd sein und wegen der Kosten abschrecken. Die Grünen schlagen dagegen einen Rentenfond für alle vor, aus dem man freiwillig wieder austreten könne. Sie sehen in einer kapitalfinanzierten Rente eine Chance, Altersarmut zu bekämpfen. Von der CDU wurden wir auf unsere Anfrage hin auf eine Infoseite des Finanzministeriums verwiesen. Die SPD hat bis Redaktionsschluss keine Antwort auf unsere Fragen gegeben.
Unsere Meinung: Das neue Altersvorsorgedepot ist prinzipiell eine interessante Alternative, um auch mit geringen Mitteln für das Alter vorzusorgen, gerade, da die GRV durch den Generationenvertrag zunehmend unter Druck gerät. Das Altersvorsorgedepot bietet breite und effektivere Möglichkeiten für die eigene Altersvorsorge, bleibt aber durch die Anlage des Geldes am Finanzmarkt immer auch mit Risiken verbunden.
Von Robert Bretschi




