Nerd-Corner: Was der Fund aus Mauer über unseren ältesten „Kommilitonen“ verrät
Zwar gibt es einige ältere Herrschaften, die sich in die Vorlesungssäle der Heidelberger Universität gewagt haben. Es gibt jedoch einen, der sie alle überdauert: Der Homo Heidelbergensis. Sein Mensamenü: Großtiere. Seine Vorlesung: „How to survive in the open wild“. Seine WG: eine Höhle, von der sich heutige Studierendenwohnheime vermutlich gar nicht allzu sehr unterscheiden.
Homo Heidelbergensis – noch vor den Studis am Neckar unterwegs
Daniel Hartmann, ein Leimener Tagelöhner, dürfte nicht schlecht gestaunt haben, als er 1907 in einer Sandgrube bei Mauer auf einen menschlichen Unterkiefer stieß und kurz darauf klar wurde, zu wem dieses Exemplar einst gehörte. Ein Jahr später ordnet Otto Schoetensack den Fund einer neuen Menschenart zu, dem „Homo heidelbergensis“. Mit einem Alter von ca. 40.000 bis 609.000 Jahren handelt es sich um den bislang ältesten Fossilfund der Gattung Homo in Deutschland.
Lange Zeit blieb dieser Unterkiefer das einzige Zeugnis des Homo heidelbergensis, bis schließlich weitere, vergleichbare Fossilien entdeckt wurden.
Die erstmals in Heidelberg identifizierte Menschenart war in Europa verbreitet
Als Vorgänger wird ihm der Homo erectus zugewiesen. Der Homo Heidelbergensis weist ein höheres Gehirnvolumen auf, sein breiter Nasenrücken ließ die Augen weiter auseinanderstehen. Typisch sind zudem ein ausgeprägter Überaugenwulst sowie eine hervortretende Nase und ein kräftiger Unterkiefer, die im Verhältnis zu seinen Wangenknochen beinahe schnauzenartig wirken. Diese erstmals in Heidelberg identifizierte Menschenart war tatsächlich über weite Teile Europas verbreitet. Schnell wurde den Forschenden klar, wie fortschrittlich diese Kultur gewesen sein muss. Ihre Werkzeuge reichten von hölzernen Wurfspeeren bis hin zu fein bearbeiteten steinernen Schneidegeräten – ein deutlicher Hinweis für ihre bereits ausgeprägten Fähigkeiten. Sie muss die wohl erste Menschenart sein, die routiniert Jagd auf große Tiere machte und in gut strukturierten Höhlen lebte.
Ebenfalls soll der Homo Heidelbergensis die erste Art seiner Gattung gewesen sein, die aktiv Feuer nutzte. Die zahlreichen Feuerstellen dienten ihm wohl nicht nur, um sozialen Austausch, Komfort und Wärme zu finden, sondern auch um Essen und Informationen auszutauschen und Schutz vor Feinden zu finden.
Schnell wurde klar wie fortschrittlich diese Kultur gewesen sein muss
Die Evolutionsforschung ist jedoch lange noch nicht abgeschlossen. Ob der Homo Heidelbergensis tatsächlich aus dem Homo erectus hervorging und ob sowohl Homo sapiens – das sind wir, der moderne Mensch – als auch Neandertaler von ihm abstammen, wird heute noch diskutiert. Und wer weiß, vielleicht ist der Homo heidelbergensis den heutigen Studierenden doch ähnlicher als man denkt: lange Tage, knappe Ressourcen und ein begrenzter Immobilienmarkt.
Von Fabienne Burkhardt
...studiert Anglistik und Geschichte. Aktiv im ruprecht seit Oktober 2024.
...ist schon immer gerne der Frage Warum nachgegangen. Diese Leidenschaft prägt nicht nur ihr Studium der Geschichte und Politikwissenschaften sondern seit 2025 auch ihre Mitarbeit beim ruprecht. Besonders gerne verliert sie sich in Recherchen oder Aktuellem aus Kultur und Politik.









