Im Osten der DR Kongo sorgt eine neue Ebola-Variante für Probleme. Bisher konnte sie noch nicht unter Kontrolle gebracht werden. Das liegt nicht nur am Virus
Ebola ist wieder in aller Munde. Der kürzlich registrierte Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo lässt viele an die Epidemie in Westafrika 2014 zurückdenken. Schon jetzt sind über 1400 Fälle offiziell bestätigt. Damit erscheint der Ausbruch bereits in der Frühphase rekordverdächtig. Aber wieso verbreitet sich das seit Jahrzehnten bekannte und erforschte Ebola-Virus gerade so stark?
Zu der Gattung des Orthoebolavirus gehören sechs bekannte Virusarten, vier können die Ebola-Krankheit beim Menschen auslösen. Umgangssprachlich als Ebola-Virus bekannt ist es der Zaire-Strang, der bisher für die meisten Ausbrüche verantwortlich war. So auch für den Größten im Jahr 2014, bei dem sich über 28.000 Menschen infizierten, von denen gut 11.000 starben. Diese Virusart ist ausführlich erforscht; es existieren Impfstoffe und Standardtherapien. Die neuen Krankheitsfälle werden jedoch von einer anderen Virusart ausgelöst: dem Bundibugyo-Virus. Er unterscheidet sich in der Symptomatik nicht, doch es wurden speziell für diese Art noch keine Behandlungen zugelassen.
In kürzester Zeitsind über 1400 Menschen erkrankt
Die Eindämmung des Virus wird zusätzlich durch die politische Lage erschwert. Im Osten der DR Kongo, also im Kerngebiet des Ausbruchs, sind bewaffnete Milizen aktiv, die trotz langjähriger Präsenz einer UN-Friedensmission bisher nicht unter Kontrolle gebracht werden konnten. Seit einer Offensive der M23-Rebellen im Jahr 2022 ist der Konflikt wieder besonders gewaltsam aufgeflammt. In den betroffenen Regionen sind staatliche Gesundheitseinrichtungen kaum funktionsfähig, und auch die Arbeit internationaler Organisationen wird stark erschwert.
Das hat Folgen: Nach fast drei Jahrzehnten bewaffneter Konflikte ist das Misstrauen der Bevölkerung gegenüber staatlichen Institutionen groß. Medizinische Behandlungsagebote werden kaum wahrgenommen, die offiziellen Quarantäneverordnungen missachtet und es kam sogar zu Angriffen auf Gesundheitseinrichtungen. Einen Ausweg versprechen religiöse Führer – viele Kongoles:innen halten Ebola für eine spirituelle Krankheit und wenden sich häufig an traditionelle Heiler statt an fachkundiges Personal.
Es steht außer Frage – die DR Kongo ist auf Hilfe von außen angewiesen. Bis 2024 kam diese vor allem aus den USA: Präventionsarbeit, Ausbildung und Bereitstellung von Gesundheitspersonal sowie medizinische Ausrüstung bei akuten Ausbrüchen. All das wurde nun gekürzt. Mit dem Amtsantritt von Donald Trump und den chaotischen Sparmaßnahmen des „Department of Government Efficiency“ unter der Leitung Elon Musks musste die zuständige Behörde USAID ihre Arbeit fast vollständig einstellen. So brachen über Jahrzehnte hinweg aufgebaute Netzwerke und Kontakte zwischen lokalen Stellen und internationalen Hilfsorganisationen zusammen.
Nicht nur die USA streichen drastisch Entwicklungshilfen
Und nicht nur die USA gehen auf Sparkurs: Derzeit kürzen viele andere wohlhabende Länder ebenfalls ihre Ausgaben für Entwicklungshilfe. Auch Deutschland gibt auf diesem Gebiet in den letzten Jahren immer weniger aus, unter anderem, um rasant steigende Verteidigungsausgaben zu finanzieren. Prekäre innenpolitische Bedingungen und mangelnde Finanzierungshilfen könnten somit in Zukunft dafür sorgen, dass derartige Krisen häufiger werden.
Von Miriam Stangier, Paula Friebel und Iago Bischoff Montenegro




