Eine künstlerische Reise durchs naturwissenschaftliche Feld
Glosse
Wenn das Neuenheimer Feld nicht schon durch den Charme der grauen Betonklötze, die sich Institute schimpfen, besticht, dann wohl durch die einmalige Gelegenheit, sich ins Wunderland entführen zu lassen! Seit einiger Zeit treiben nämliche mystische, kupfern glänzende Hasen ihr Unwesen auf der Baustelle des neuen Audimax. Getarnt als Kunstinstallation sind sie sicher nur darauf aus, unschuldige Student:innen in die Wunderwelt der Uni zu entführen!
Also machen wir uns einmal auf den Weg. Die drei Hasen hoppeln munter vor uns her, im Laufschritt folgen wir. Wir achten nur auf die wundersam zum Leben erwachten Hasen, wie sie niedlich mit den Kupferohren wackeln und wie bei jedem Hüpfer ein unangenehmes metallisches Geräusch folgt und dann: ZONK! Kollidieren wir mit einem eigentümlichen Pfosten. Etwas ratlos heben wir den schmerzenden Kopf und reiben uns die Augen – aber was ist das? Eine schief angebrachte dysfunktionale Windmühle dreht knirschend ihre schwerfälligen Runden über uns.
Doch während uns die von der glatten Oberfläche reflektierte Sonne blendet, hören wir, dass die Hasen weiter hüpfen. Obwohl uns von der Kollision noch ganz schwummrig ist, folgen wir so gut es geht. Die Hasen quetschen sich durch einige Absperrungen rund um die Audimax-Baustelle. Während wir auf Gutglück einen Umweg nehmen müssen. Plötzlichen stehen wir vor der Feld UB – der zu klein und etwas zu kauzig geratenen Schwester der Altstadtbibliothek. Dann senken wir unsere Blicke und springen ängstlich quietschend einige Meter zurück. Vor uns, aus dem Boden, erheben sich die blauen Bögen eines wohl längst ausgestorbenen Dinosaurierrückens. Die geologische und archäologische Bedeutung unserer Entdeckung lässt uns verstummen. Adieu Homo Heidelbergensis, und hallo oh dragonis neuenheimensis!
Völlig beglückt von unserer Entdeckung stolpern wir weiter den Hasen hinterher, bis wir plötzlich im Hörsaalzentrum der Chemie stehen. Unsere Augen müssen sich erst einige Zeit an das schummrige Licht gewöhnen, doch dann zucken wir zusammen: Wie fasrige Schuppen kommen die Wände auf uns zu und drohen uns zu erdrücken. Hilfesuchend schauen wir uns um, doch von den Hasen keine Spur. Wir schließen die Augen – und erwachen schreiend. Beschämt und unter den Blicken aller verlassen wir schleunigst die Bibliothek.
Von Katharina Frank
...studiert Physik im Bachelor und schreibt seit Ende 2023 für den ruprecht. Sie interessiert sich besonders für Wissenschaftskommunikation und Berichte aus Musik, Film und Fernsehen.





