Alle reden vom Kinosterben. Betreiber:innen in Heidelberg betonen: Das Kino lebt!
Die Kinobranche Heidelbergs war einst ein boomendes Geschäft. Vor allem in den 1950er Jahren wurden zahlreiche Kinos gegründet, um den großen Bedarf zu decken. Heute sind es noch vier. Neben dem Mainstream-Kino Luxor gibt es auch zwei kleinere Programmkinos: Das Gloria – die Gloriette, Die Kamera und das kommunale Karlstorkino. Das hat auch mit dem Schrumpfen der Kinoindustrie zu tun.
Ein Abend im Kino ist nicht nur aufwendiger, er kostet auch mehr Geld
Von Anfang an galt das Kino als etwas Besonderes. Ein Besuch an diesem Ort war eine beliebte und lange Zeit auch die einzige Möglichkeit um viele verschiedene Filme schauen zu können. Doch das ist längst von On-Demand Streaming Diensten abgelöst. Ein Abend im Kino ist inzwischen nicht nur aufwendiger als ein Abend vor dem Laptop, er kostet auch mehr Geld. Immer häufiger setzt die Filmindustrie daher auf Spektakelmarketing und Blockbuster, um die Sitze weiterhin zu füllen. In den ersten fünf Jahren des aktuellen Jahrzehnts hat der Markt dazu mit weiteren Einschnitten umgehen müssen: Man denke an die Streiks der Schauspieler:innen und Drehbuchschreiber:innen Hollywoods und natürlich an die Lockdown-Phasen während der Corona-Pandemie. Die einst vollen Säle wurden leerer und der vorige Ansturm auf die Kinos ebbte ab. Auch Heidelberg ist von dem Kinosterben betroffen. Aus diesem Grund gab die Stadt 2021 eine Kinokonzeption in Auftrag, eine Untersuchung, wie es der Kinolandschaft geht und wie sie besser gefördert werden kann. Das Fazit: Kinos sind ein kultureller Anziehungspunkt von Heidelberg. Die momentane Haushaltslücke macht intensivere Förderung der lokalen Kinos aber nur noch schwerer. Die strengen Sparmaßnahmen bedeuten, dass erweiterte Förderung seitens der Stadt unwahrscheinlicher wird.
Eigentlich ist Heidelberg genau der Ort für junges Kino. Besonders die vielen Filmfestivals gelten als Ort des Austausches für kreative Frischlinge (IFFMH), hatte dieses Mal das Motto „Feel Good?!“. Trotz der Folgen der Corona-Pandemie geht es den Kinos wieder gut und sie geben sich viel Mühe um diverse Filmveranstaltungen anzubieten.
Unter den Besucher:innen sind leider wenig junge Leute. Das bestätigt auch Anouk, eine Kinoenthusiastin und seit 2022 auch Mitarbeiterin im Gloria-Kino. Stammkund:innen seien vor allem alte Damen, die sich den Vorzügen des Programmkinos bewusst seien. Ins Kino geht man mit Intention, ohne ständige Ablenkung. Kinobesucher:innen können sich mal richtig auf den Film einlassen. Viele Filme profitieren von der großen Leinwand und besseren Technik des Kinos. Das Gloria bemüht sich laut Inhaber:innen, auch Angebote für Studierende zu realisieren.
Programmkino ist wertvoll, weil es ein diverses Spektrum an Filmen zeigt
Anouk sieht ihren Arbeitsplatz als Begegnungsort. Nach den Vorstellungen stehen die Zuschauer:innen häufig noch zusammen und unterhalten sich. Programmkino ist auch deshalb so wertvoll, weil es ein diverses Spektrum an Filmen zeigen kann, besonders Internationales und Arthouse Kino. Von einem verstörenden Filmclub mit Filmen wie „Oldboy“ über Specials wie „Das Flüstern der Felder“ zu größeren Produktionen wie „Therapie für Wikinger“ ist für jede:n Film-Fan etwas dabei. Hier liegt für Anouk auch der Unterschied zu großen mainstream Kinos, die meistens nur die neuesten Produkte großer Medienanstalten zeigen würden.
Anouk findet aber auch, dass kleine Kinos nicht genug genutzt werden. Ein Grund dafür sieht sie im Preis. Eine reguläre Karte im Karlstorkino kostet momentan 9 Euro. Bei Gloria – Gloriette und Die Kamera schwanken die Eintrittspreise jeweils zwischen 11, 10 und 7,50 Euro. Darüber hinaus wissen nicht genug Leute über das Angebot Bescheid. Es liegt an uns Heidelberger:innen, die kleineren Kinos der Stadt am Leben zu halten. Warum nicht einen gemütlichen Abend im Kinosaal verbringen, anstatt die Klausurenphase in der Unteren schönzutrinken?
Von Leah Bohle, Christiane Brid Winter und Nastasja Weinmann




