Periodenprodukte öffentlich und kostenlos zugänglich – klingt zu schön, um wahr zu sein und meistens ist es das leider auch. An der Uni Heidelberg wurde die Finanzierung eingestellt
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Als wäre die Menstruation mit häufigen Krämpfen und anderen Schmerzen nicht schon Problem genug, gibt es da auch noch die praktischen Aspekte. Im Schnellschritt panisch auf die Toilette rennen, in der vergeblichen Hoffnung, Binden oder Tampons zu finden. Das ist bestimmt jeder menstruierenden Person schonmal passiert. Mit finanzieller Unterstützung des Stura und der studentischen Initiative Periodic-Deutschland stellte die Uni 2023 Periodenprodukte in den WCs der Unigebäude zur Verfügung.
Schnell ließ die Euphorie jedoch wieder nach, als bekannt wurde, dass es sich erst einmal nur um eine sechsmonatige Testphase handelte, die aus Kostengründen nicht weitergeführt wurde. An der Uni gestaltet sich das Finden von Binden und Co. nun schwieriger: Nur sporadisch stehen noch Spender, wie etwa am Kirchhoff-Institut für Physik. Im vergangenen Sommersemester kam dann die letzte Hiobsbotschaft, dass der Stura die Bereitstellung von Periodenprodukten nach Auslaufen des Pilotprojekts auch nicht mehr an den Instituten finanziere. Das Angebot mit hoher Nachfrage fällt weg – eine Unstimmigkeit, die auf viel Unverständnis trifft, immerhin sind in diesem Semester 55 Prozent der Studierenden weiblich.
Wie es funktionieren kann, zeigt uns die Pädagogische Hochschule. Dort gibt es seit dem Wintersemester 2023/2024 an verschiedenen Standorten kostenlose Periodenprodukte. Ausgehend vom Engagement einer einzelnen Studentin konnte das Projekt verwirklicht werden – ein Erfolg, der Respekt verdient.
Das Klopapierorigami geht wieder los
Während sich beim Stura alles um die Finanzierung dreht, gehen die Bedürfnisse der Menstruierenden total unter. Denn auch diese müssen das Geld für die Periodenprodukte aufbringen. Hier fällt das Schlagwort Periodenarmut, das Phänomen, sich Periodenprodukte nicht leisten zu können. Laut Umfragen von Periodic sehen 23 Prozent der Befragten den Kauf der Produkte als finanzielle Belastung an. Hinter den hohen Preisen aber verbirgt sich die Pink Tax, für Frauen vermarktete Produkte kosten im Schnitt mehr. Zum anderen bleibt der Wunsch nach periodenfreundlicheren Toiletten oft unausgesprochen. Denn die Stigmatisierung, dass Menstruieren im Stillen passieren sollte, ist oft noch Meinung der Allgemeinheit. Blutverschmiert? Selbst Schuld! Solange Menstruation ein Tabu bleibt, muss im Notfall auf öffentlichen WCs also wieder das dünne Toilettenpapier her und der Alltag weiterlaufen.
Muss das sein? Neben den finanziellen Sorgen ist die ständige Angst, auszulaufen auch eine mentale Belastung. Sich dann noch voll auf die Uni zu konzentrieren, ist schwierig. Wie soll man schließlich auch diese Erwartungshaltung erfüllen, solange sich nicht umgekehrt die Uni auf alle Studierenden konzentriert? Wann wird es uniweit Spender für Periodenprodukte geben? Wann hört das Klopapierorigami auf?
Von Samira Hedhli und Lara Husemann
...studiert Biowissenschaften, schreibt seit WS 2023 für den Ruprecht und nutzt Interviews als Grund um mit interessanten Leuten zu reden






