Die Peterskirche wird für die Queer-Gottesdienste bunt
Am 29. Oktober versammeln sich über 100 Menschen in der Peterskirche, um einen Gottesdienst zu feiern. Dieses Mal ist die Kirche jedoch anders ausgestattet: Riesige farbige Stoffbahnen hängen von der Decke, eine Progress-Pride-Flagge wird am Altar angebracht, und eine Band bereitet sich auf ihren Auftritt vor. Es handelt sich um einen der Queergottesdienste, die von der Evangelischen Studierendengemeinde sowie einem eigenen Organisationsteam veranstaltet werden.
Zwar richten sich diese Gottesdienste speziell an queere Menschen, doch es wird deutlich, dass alle willkommen sind mitzufeiern – unabhängig von Orientierung, Identität oder Religion.
Dieses Mal ist die Namensidentität das Thema des Gottesdienstes. Rund um diese Thematik sind Lesungen, Predigt und Ablauf konzipiert. Die größte Herausforderung der Predigt besteht darin, herauszufinden, was die Bibel queeren Menschen sagen kann. Viele von ihnen haben ihren Namen geändert und sind häufig mit Deadnaming konfrontiert. Die Predigt konzentriert sich auf die Geschichte von Jakob im Alten Testament, speziell auf die Episode, in der er nach einem langen Kampf einen neuen Namen zusammen mit dem Segen Gottes erhält. „Ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“ lautet die Lesung aus Jesaja. In der Predigt wird betont, dass Gottes Segen dort spürbar ist, wo Menschen nach einem oft schmerzhaften Ringen um ihre Identität den Mut finden, ihren eigenen Namen auszusprechen und anzunehmen.
Der Gottesdienst ist außerdem anders strukturiert als ein traditioneller Kirchengang: So gibt es zum Beispiel eine meditative Phase nach der Predigt, für die drei Stationen aufgebaut wurden. Auf der einen Seite kann man sich ruhig auf den Boden setzen, eine Kerze anzünden und beten; auf der anderen Seite gibt es eine Tafel mit Erzählungen zu Namensbedeutungen, an der man selbst etwas schriftlich beitragen kann; am Eingang wird eine Tauferinnerung mit den Worten aus Jesaja angeboten. Wer will, kann aber auch am Sitzplatz bleiben und einfach mitsingen, während die Band weiter spielt.
Zum Ende des Gottesdienstes wird am Ausgang ein Plakat aufgehängt, geschmückt mit den Namen vieler Besucher:innen des Gottesdienstes und mit Stern-Aufklebern versehen, unter dem Zitat aus den Psalmen: „Gott zählt die Sterne und nennt sie mit Namen.“ Das Plakat ist noch auf dem letzten Beitrag des Instagram-Accounts des Queergottesdienstes Heidelberg zu sehen. Der nächste Gottesdienst ist für den 18. Januar des kommenden Jahres geplant.
Von Mauricio Cabanillas
…hielt schon immer gerne eine Zeitung in der Hand. Seit Frühling 2023 kann er seine Begeisterung für den Journalismus beim ruprecht ausleben.








