Am 12. Juli dürft ihr in einem Bürger:innenentscheid mitbestimmen, ob auf dem Lammerskopf Windkraftanlagen gebaut werden. Wir haben recherchiert, warum das Vorhaben so umstritten ist
Wer in Heidelberg wählen darf, bekommt demnächst Post von der Stadt: Am 12. Juli wird darüber abgestimmt, ob der Lammerskopf, ein Berg zwischen Ziegelhausen und Neckargemünd, „grundsätzlich als Standort für Windkraftanlagen entwickelt werden soll“.
Hinter dieser allgemeinen Formulierung stehen konkrete Pläne der Stadtwerke, in Kooperation mit anderen kommunalen Energieunternehmen sieben Windräder zu bauen. Insgesamt könnten sie etwa 12 Prozent des aktuellen Heidelberger Strombedarfs decken. Der Lammerskopf ist einer der windreichsten Orte im Norden Baden-Württembergs. Daher war er direkt als potentieller Standort für bis zu 15 Anlagen im Gespräch, als das Land 2022 die sogenannte „regionale Planungsoffensive“ begann, um gesetzliche Ausbauziele für Windkraft zu erreichen. Nach langem Hin und Her beschloss aber im November 2025 die zuständige Kommission, ihn aus der regionalen Planung zu streichen. Die Stadt Heidelberg wollte das Vorhaben aber nicht einfach fallenlassen und brachte stattdessen den aktuellen Plan ein, der nur auf Heidelberger Gebiet Windräder vorsieht und damit auf kommunaler Ebene umsetzbar wäre.
Der Bürger:innenentscheid wurde nicht aus der Bevölkerung angestoßen
Aber auch dieser Plan ist umstritten. Der Lammerskopf ist nämlich ein Artenschutzgebiet und obwohl die Stadt ein externes Gutachten eingeholt hat, laut dem Windkraftnutzung ohne größere Schäden möglich wäre, haben Naturschutzverbände und einige Anwohner:innen große Bedenken. Ein Mitglied der eigens gegründeten Bürger:inneninitiative „NOW Ziegelhausen“ erklärt gegenüber dem ruprecht, er befürchte, die für den Bau nötigen Rodungen könnten den Wald stark beschädigen. Andererseits bräuchte Heidelberg dringend mehr erneuerbare Energie: Laut einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme wird sich der Strombedarf in der Region bis 2045 etwa verdoppeln, weil unter anderem Industrie, Verkehr und Heizungen von fossilen Brennstoffen auf Strom umgestellt werden.
Am Bürger:innenentscheid selbst gibt es ebenfalls Kritik, denn er wurde nicht aus der Bevölkerung angestoßen, sondern von der Stadtverwaltung vorgeschlagen und vom Gemeinderat beschlossen. Das kommt zwar immer wieder vor – landesweit beginnt etwa jeder fünfte Bürger:innenentscheid so – aber da die Verwaltung, und insbesondere Oberbürgermeister Eckart Würzner, explizit für den Bau des Windparks werben, ist das zumindest ungewöhnlich. Zudem sollen Infoveranstaltungen und die Durchführung des Bürger:innenentscheids insgesamt 300.000 Euro kosten. Dies wird beispielsweise von der CDU-Gemeinderatsfraktion kritisiert. Was nach dem Entscheid passieren wird, ist noch unklar; nur wenn die Wahlbeteiligung über 20 Prozentliegt, ist er überhaupt gültig. Und selbst wenn die Mehrheit für das Projekt stimmt, bedeutet das nicht direkt den Bau der Windräder, sondern nur, dass die Planung fortgesetzt wird. Rechtliche Schritte von Kritiker:innen könnten sie noch weiter verzögern. In jedem Fall bleibt der Lammerskopf ein Beispiel dafür, wieso die Energiewende in Deutschland so schwer umzusetzen ist.
Von Iago Bischoff Montenegro




