Atemberaubende Szenen untermalt mit dramatischer Musik füllen den Kinosaal, als Odysseus mit seiner Crew versucht die Wellen zu bezwingen um endlich nach Hause zu gelangen. Der 2026 erschienene Action-Fantasy Film von Christopher Nolan “Die Odyssee” ist eine Adaption des gleichnamigen Epos von Homer. Das Besondere an Nolans Film: er wurde analog mit speziell angefertigten IMAX-Kameras gefilmt. Diese konnten nur bis zu drei Minuten Material aufzeichnen, weswegen die Frames am Ende vorsichtig zusammengeschnitten werden mussten. Nolan verzichtete komplett auf Green-Screens und nutzte statt CGI moderne Animatronics, um Monster darzustellen, wodurch die imposante Szenerie noch beeindruckender wirkt. Es fühlt sich erfrischend an, Regisseure auf die analoge Weise Filme drehen zu sehen.
Der Film ist achronal aufgebaut. Es wechselt zwischen der Gegenwart und den Rückblenden von Odysseus (Matt Damon). Dieser ist seit 20 Jahren von zu Hause fort, doch der Krieg, für den er aufbrach, ist schon seit 10 Jahren vorbei. Sein Sohn Telemachos, gespielt von Tom Holland, und seine Frau Penelope, welche von Anne Hathaway verkörpert wird, sind die wenigen, die noch an seinem Tod zweifeln. Telemachos macht sich auf die Suche nach seinem Vater, und der von vielen totgeglaubte Odysseus erzählt der Nymphe Kalypso, was nach dem Krieg mit ihm geschah. Währenddessen rennt Penelope die Zeit davon, da ihre Freier den Platz ihres Mannes einzunehmen versuchen.
Ganz Hollywood-typisch wird auch in diesem Film mehr auf Imposanz, als auf Authentizität geachtet. Der Film spielt in der griechischen Heldenzeit etwa um 1200 v. Chr. Die Kostüme sind nicht zeitgemäß gewählt, da damals eine Dendra-Rüstung getragen wurde, welche ein klobiger, schwerer Panzer aus übereinandergelegten Bronzeplatten war. Die Figuren würden so unspektakulär und weniger heldenhaft aussehen. Weiterhin gibt es keine griechischen Hauptdarsteller, da Nolan, wie die meisten großen Regisseure, auf bekannte Schauspieler zurückgriff. Das Problem, dass Hollywood nur noch aus den gleichen Gesichtern besteht, wurde auch in diesem Film sehr deutlich.
Dafür schafft es die für den Film extra komponierte Musik von Ludwig Göransson, das Altgriechische zu verkörpern. Mit antiken Musikinstrumenten wie der Leier und den Aulos, den Trommelrythmen und den Bronzeklängen wird die Brutalität des Abenteuers und die Zerrissenheit Odysseus deutlich hervorgehoben.
Nolan schafft es in einer Eigeninterpretation nicht den Fokus auf kriegerischen Triumph, sondern auf die innere Gefühlswelt des Protagonisten zu legen und nimmt den Zuschauer dadurch mit auf die Reise eines Mannes, der siegreich geworden, aber ruhelos geblieben ist. Derart von Änderungen könnten den Charme der Geschichte nehmen, doch nicht bei Nolan. Ihm gelingt es statt des Kriegstriumphs die Schuldfrage in den Fokus zu stellen und spiegelt damit die Realität moderner Konflikte wider. Mit diesem Film wird Nolan seinem Namen als einer der besten Regisseure vollkommen zurecht.
Von Julia Chantal Müller






