Mit „Elias“ erschien ein weiterer Kurzfilm der Hochschulgruppe auf der Leinwand des Karlstor-Kinos
Kotzend beugt sich die Protagonistin Mara über das Klo der Clubtoilette. Mit dieser Szene wirft uns die Regisseurin Magdalena Ohlberger in ihren neuen Kurzfilm „Elias“. Es ist ihr erstes Projekt, welches sie im Rahmen des studentischen „Filmkreis Heidelberg“ verwirklichen konnte. Bei diesem handelt es sich um eine Hochschulgruppe der Universität, in der Studierende die Möglichkeit haben, sich in verschiedenen filmischen Departments auszuprobieren und ihre eigenen Ideen zu verwirklichen.
So auch Ohlberger, die im Sommer 2024 damit begann, ihr Drehbuch für den Film zu schreiben. Daneben führte sie ebenfalls Regie und übernahm den Schnitt von Bild- und Tonmaterial. Auch Teile von der Musik wurden von dem Team selbst produziert.
Der Kurzfilm ist zum einen von literarischen Themen wie weiblicher Wut und Rache inspiriert, zum anderen von eigenen Erfahrungen mit komplizierten Freundesgruppen, sagt die Regisseurin. Angetrieben durch Ohlbergers Psychologiestudium, fokussiert sie sich auf den Ausdruck vielfältiger Emotionen. Mithilfe von auditiven und visuellen Effekten erschafft sie eine eindrücklich-authentische Atmosphäre, die bis zu den Zuschauenden durchdringt. Damit hebt sich ihr Film von vorangegangenen Projekten des Heidelberger Filmkreises ab, die sich laut Ohlberger primär durch eine künstlerisch-technische Vorgehensweise ausgezeichnet haben.
Kunstvoll wird die Geschichte einer jungen Frau erzählt, die unglücklich in ihren Mitbewohner Elias (gespielt von Mika Maximilian Körner) verliebt ist. Er geht auf ihre Schwärmerei ein, gibt ihr Komplimente, schenkt ihr seine Aufmerksamkeit, bleibt aber trotzdem distanziert und verbringt seine Zeit lieber mit Daisy, die ihr Interesse an ihm offen zeigt. Mara bleibt verletzt, unsicher und eifersüchtig zurück – Gefühle, denen die Schauspielerin Jisel Mutluer mit nuancierter Mimik Ausdruck verleiht. Gespannt auf das Ende verfolgt man die Entfaltung ihrer inneren Wut und fragt sich, wie weit Mara gehen kann.
Der Film spielt mit visuellen Mitteln, die Maras Zerrissenheit und Distanz ausdrücken sollen. In einer Montage nach Elias’ Vertrauensbruch wirken etwa die Farben gedämpft und erschaffen ein Gefühl von emotionaler Abwesenheit der Protagonistin. Begleitet von Mutluers Performance spiegelt der Film eine Situation wider, die authentisch wirkt. Auch Töne weisen versteckte Symboliken auf. Nach Maras Erkenntnis, dass Elias nicht ihre Gefühle erwidert, atmet sie aus und beginnt somit ihre Veränderung von einer passiven, verletzlichen Person zu der aggressiven Mara, die sich nichts mehr gefallen lässt. Die Farben werden greller, expressiver, die Musik lauter und Maras Verhalten steht völlig im Kontrast zu dem davor. Ihre bisherige Passivität geht unter und wird durch einen expressiven Egoismus ersetzt, vor dem auch Elias nicht sicher ist.
Den Höhepunkt erreicht der Film, wie für das Genre üblich, am Ende. Die abschließende Deutung bleibt jedoch weitgehend den Zuschauenden selbst überlassen.
Zur Verstärkung der emotionalen Wirkung spielen auch intimere Szenen eine zentrale Rolle, beispielsweise die physische Nähe der Protagonist:innen. Diese wurden schon lange vor dem Dreh durch Intimitätskoordinatorinnen begleitet. Jisel Mutluer berichtet in diesem Kontext von ihrer anfänglichen Überwindung und beschreibt die Zusammenarbeit mit den Koordinatorinnen wie das Einüben einer Choreographie, wobei klare Grenzen gewahrt wurden und dadurch eine geschützte Atmosphäre entstand.
Bei „Elias“ handelt es sich um einen studentischen Kurzfilm, der sich trotz seines mal mehr, mal weniger erkennbaren „Self-made“-Charakters durch emotionale und cinematische Tragweite sowie eine Qualität auszeichnet, die die Leidenschaft hinter dem Projekt widerspiegelt. Gerade dadurch hebt er sich von so manch anderem Kurzfilm ab und verdient es unserer Meinung nach definitiv, erneut auf der großen Leinwand zu erscheinen. Wer jetzt neugierig auf den Film geworden ist, kann sich die ersten zehn Minuten von diesem auf der Website der „Girls Go Movie“-Organisation kostenlos anschauen.
Von Chiara Emilia Matter und Selina Rose






