Eine Hommage anlässlich des 20. Todestags Hilde Domins – eines inspirierenden “Dennoch-Menschen”
“Ich setzte den Fuß in die Luft und sie trug” lautet ein berühmtes Zitat der deutschen Lyrikerin Hilde Domin. Es spricht über den Halt, den man unerwarteterweise finden kann, wenn man den Mut aufbringt, die Sicherheiten seines alten Lebens hinter sich zu lassen und einen Neuanfang zu wagen. Auch in dem Schauspiel “Auf der andern Seite des Monds”, des Theaters und Orchesters Heidelberg, welches anlässlich ihres 20. Todestags ihr Leben auf vielfältige und künstlerische Weise erzählt, fällt dieser Satz.
Die jüdische Schriftstellerin Hilde Domin wurde 1909 in Köln als Hilde Löwenstein geboren und studierte bis 1932 in Heidelberg unter anderem Rechtswissenschaften, bevor sie für ein Auslandsstudium nach Italien ging. Nach Heidelberg sollte sie allerdings erst 22 Jahre später zurückkehren. Nachdem sie 1935 in Florenz promoviert hatte, musste sie 1939 mit ihrem Ehemann Erwin Walter Palm aufgrund des mit Hitler verbündeten Mussolini-Regimes aus Italien fliehen. Am Morgen nach ihrer Flucht suchte die italienische Polizei die Wohnung der beiden auf, um sie zu verhaften. Als nächstes suchten Domin und ihr Mann in England Zuflucht, bevor sie 1940 die gefährliche Reise in die Dominikanische Republik antraten, wo sie die nächsten 14 Jahre ihres Lebens im Exil verbrachte und mit dem Schreiben begann. Der Name “Domin” ist ein Pseudonym, welches sie dem Inselstaat, auf dem sie Zuflucht fand, widmete. 1954 kehrte sie in die Bundesrepublik Deutschland zurück und veröffentlichte 1959 ihren ersten Gedichtband “Nur die Rose als Stütze”. 1961 ließ sie sich dann mit ihrem Mann im Graimbergweg 5 in Heidelberg zwischen Altstadt und Hang zum Königsstuhl nieder, wo sie bis an ihr Lebensende am 22. Februar 2006 wohnte.
Ihre Lebensgeschichte, handelnd von Heimat, Flucht, Exil, Hoffnung und Rückkehr, erzählt “Auf der andern Seite des Monds” mit Live-Orchester und Chor. Eine Inszenierung, die zunächst wirr wirken mag, setzt sich in der zweiten Hälfte zu einer unglaublich mitreißenden Geschichte zusammen, die einem die Tränen in die Augen treiben kann. Es kristallisiert sich das Bild einer leidenschaftlichen und menschenliebenden Frau heraus, die sich ihr Leben und ihre Liebe nicht hat nehmen lassen und deren Haltung sich in Versen wie “Man soll nicht müde werden” widerspiegelt. So kämpfte Hilde Domin gegen die Unterdrückung und für die Menschlichkeit.
Die Vorführung, die nur noch zwei weitere Vorstellungen im Juni hat, lohnt sich dementsprechend absolut. Sie inspiriert zudem, sich eine Scheibe von Hilde Domins unweigerlich optimistischer Mentalität abzuschneiden und auch in heutigen Zeiten mehr zu einem “Dennoch-Menschen” zu werden.
Von Carmen Latus







