Rubrik Mathilda-Effekt
Mit gerade einmal 23 Jahren entwickelte Alice Augusta Ball die erste effektive Methode zur Behandlung von Lepra.
1892 in Seattle geboren, entdeckte sie in der Dunkelkammer ihres Großvaters, der professioneller Fotograf war, schon früh ihr Interesse an Chemie. 1912 machte sie als erste Schwarze Frau einen Abschluss in pharmazeutischer Chemie an der University of Washington, 1914 folgte ein Abschluss in Pharmazie.
Ein Stipendium ermöglichte es ihr, einen Master am College of Hawai’i zu absolvieren, für den sie Methoden zur Extraktion von Wirkstoffen der sogenannten Kava-Wurzel erforschte. Ihr Abschluss machte Ball zur ersten Frau und ersten Schwarzen Person mit einem Master des College of Hawai’i. Zu dieser Zeit gab es auf der Hawaiianischen Kalaupapa-Halbinsel noch eine Lepra-Kolonie, in die Infizierte aus Angst vor Ansteckung verbannt wurden.
Ein zentraler Faktor ist der „publish-or-perish“-Druck
Zur Behandlung von Lepra wurde das Öl der Chaulmoogra-Pflanze verwendet. Dies zeigte bei äußerer Anwendung und oraler Einnahme allerdings nur geringe Wirkung. Daher war das Interesse an neuen Behandlungsmethoden groß. So wurde Alice Ball von Dr. Harry Hollman, damals Arzt am Krankenhaus Honolulu, und Dr. Arthur Dean vom College of Hawai’i die Aufgabe anvertraut.
Nach weniger als einem Jahr unermüdlicher Arbeit, in dem sie nebenbei am College unterrichtete, machte Ball die bahnbrechende Entdeckung. Mithilfe ihrer vorherigen Forschung gelang es ihr, die Wirkstoffe der Chaulmoogra-Wurzel zu extrahieren und sie so leichter injizierbar zu machen. Kurz darauf zog sie sich jedoch vermutlich eine Chlorvergiftung zu und verstarb am 31.Dezember 1916, noch bevor sie ihre Entdeckung veröffentlichen konnte.
Dr. Arthur Dean führte Balls Arbeit weiter und publizierte das Ergebnis, ohne sie zu erwähnen. Die Chaulmoogra-Injektion wurde bis in die 1940er Jahre als die weltweit zuverlässigste Behandlung von Lepra genutzt. Lange war sie unter dem Namen „Dean-Methode“ bekannt.
Erst 1922 schrieb Hollman die Entdeckung öffentlich Ball zu, andernfalls wäre ihr entscheidender Beitrag wohl ganz in Vergessenheit geraten. Mittlerweile wird ihre Leistung anerkannt: 2007 wurde ihr postum eine Ehrenmedaille verliehen. Außerdem erklärte der Gouverneur von Hawaii 2022 den 28. Februar zum Alice-Ball-Day und die Universität vergibt ihr zu Ehren das Alice Augusta Ball-Stipendium.
Von Alba Benning und Sarah Hildebrandt







