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Global Marijuana March 2015 ­in Heidelberg
Der Global Marijuana March 2015 unterwegs durch die Bergheimer Straße. Bild: Hanfverband Rhein-Neckar/privat

Global Marijuana March 2015 ­in Heidelberg

Zum zweiten Mal fand in Heidelberg der Global Marijuana March statt. Etwa 350 Teilnehmer demonstrierten für die Legalisierung von Cannabis und die Einrichtung eine Cannabis Social Clubs in Heidelberg. Den Abschluss bildete ein Auftritt des Liedermachers Götz Widmann auf dem Marktplatz.

Der Global Marijuana March fand am vergangenen Samstag zeitgleich in sieben Städten in Deutschland und Österreich statt. Kurz nach 14 Uhr begann dann auch in Heidelberg die Auftaktveranstaltung, und die Rasenfläche an der Ostseite der Stadtbücherei füllte sich mit einem bunten Publikum aller Altersgruppen – reifere Hanfaktivisten waren ebenso versammelt wie Schüler und Studenten.

Nach einer Begrüßung durch Mariana Pinzón Becht (Hanfverband Rhein-Neckar) begann der Liedermacher Selassikai, der im weiteren Verlauf die Moderation übernahm, die noch etwas behäbige Versammlung einzustimmen.

Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns das Ganja klaut!

Hierzu wurden erste Slogans wie „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns das Ganja klaut!“ geprobt. Neugierig beäugt von den Passanten und den Lesern in der Stadtbücherei, durften die ersten Vertreter politischer Parteien zur Versammlung sprechen. Nach Paul Eckartz von der Linksjugend sprachen auch Carlo Montrasio von den JuLis und Julius Fabini von der Grünen Jugend, und legten ihre jeweiligen Positionen zur aktuellen rechtlichen und gesellschaftlichen Situation des Cannabiskonsums dar.

Kurzzeitig war die Bergheimer Straße fest in der Hand der Hanfaktivisten. Bild: Hanfverband Rhein-Neckar/privat.

Kurzzeitig war die Bergheimer Straße fest in der Hand der Hanfaktivisten. Bild: Hanfverband Rhein-Neckar/privat

Nach einigen Ankündigungen zum weiteren Ablauf und einer Verlosung setzte sich dann der Global Marijuana March Heidelberg 2015 in Gang. Unter Begleitung durch die Polizei, und mit einem Kleintransporter als mobiler Bühne für den Moderator Selassikai, ging die Demonstration über die Bergheimer Straße in Richtung Bismarckplatz. Nachdem die Menge vor der Stadtbücherei noch recht überschaubar wirkte, zeigte sich nun, dass doch eine stattliche Anzahl dem Aufruf des Hanfverbandes Rhein-Neckar gefolgt war. Den Schätzungen der Veranstalter zufolge trafen schließlich etwa 300 Teilnehmer am Bismarckplatz ein.

Am Bismarckplatz angekommen gab es weitere Redebeiträge von Hanfaktivisten und persönliche Statements, beispielsweise einer Parkinson Patientin zum Thema „Cannabis als Medizin“. Nach den bereits bekannten Argumenten für eine Legalisierung wurde hier deutlich, dass es sich abseits aller Kifferromantik gerade für solche Menschen um ein ernsthaftes Anliegen handelt. Für einige Passanten schien sich dies jedoch nicht direkt zu erschließen, nicht zuletzt da einige Klischees durch die Teilnehmer durchaus bedient wurden. Kommentare wie: „So ein Quatsch“ oder auch eher belustige wie „das ist typisch Heidelberg“ waren auch später noch zu hören. Durch die Zentralität und Funktion des Bismarckplatzes blieben dennoch zahlreiche Passanten stehen und verfolgten die Kundgebung mit Interesse.

Der Global Marijuana March 2015 kommt am Bismarckplatz zum Stehen. Bild: Hanfverband Rhein-Neckar/privat.

Der Global Marijuana March 2015 kommt am Bismarckplatz zum Stehen. Bild: Hanfverband Rhein-Neckar/privat

Vom Bismarckplatz aus ging es dann weiter durch die an diesem Tag gut gefüllte Hauptstraße zum Marktplatz vor dem Rathaus. Auch in der Hauptstraße blieben die Passanten, notgedrungen, stehen und beobachteten das Spektakel. Gefühlt hatte der Zug nun personell seine größte Zahl erreicht. Ob es daran lag dass die Umstehenden lautstark zur Teilnahme aufgefordert wurden ließ sich allerdings nicht feststellen.

Etwa um 16.30 Uhr kam der Zug dann am Ort der Abschlusskundgebung an – der Marktplatz war dank des guten Wetters bereits ordentlich gefüllt. Durch die neue Situation am Rathausvorplatz, mit erweiterter Bestuhlung und fest installierten Bänken, entstand zunächst eine gewisse Konfusion. Die mobile Bühne und ein Infostand wurden dann etwas versetzt zum Rathaus aufgebaut, und die Hanfaktivisten ließen sich rund um den Brunnen und teilweise auf der Hauptstraße nieder. Das sorgte im weiteren Verlauf noch für die eine oder andere Behinderung des Durchgangsverkehrs durch interessierte Passanten, sowie Ärger bei den hierdurch betroffenen Gastronomen. Eine Wirtin bezeichnete die Situation gar als „geschäftsschädigend“. Die Restaurantgäste selbst reagierten verwundert bis belustigt, einige allerdings auch genervt.

Die neue Situation am Marktplatz war nicht ideal für Abschlusskundgebung und Konzert. Bild: David Kirchgeßner.

Die neue Bestuhlung am Marktplatz sorgte für Verwirrung. Bild: David Kirchgeßner

Gelobt wurde nun ausdrücklich das Verhalten der Polizei, die sich während der gesamten Veranstaltung dezent im Hintergrund hielt und trotz des immer wieder wahrnehmbaren Cannbisgeruchs auf Kontrollen verzichtete. Nachdem im letzten Jahr noch die Aufforderung der Polizei an die Organisatoren vom Hanfverband erging den Konsum von Cannabis im Rahmen der Veranstaltung zu unterbinden, gab es dieses Jahr keine explizite Ansage, „da es im letzten Jahr ja so gut geklappt hat“, so Hanfverband Sprecher Christoph Lehner.

Anschließend sprachen Alexander Schestag, der für die Fraktion Piraten/Die Linke im Gemeinderat sitzt, sowie Oliver Priem von der Grünen Fraktion. Beide sprachen sich für einen Antrag im Gemeinderat zur Einrichtung eines Cannabis Social Clubs in Heidelberg im Rahmen eines Modellprojekts aus. Bisher wäre die notwendige Mehrheit dafür allerdings noch nicht gegeben.

Wenn ihr high in Heidelberg seid, dann sagt ‚ja’.

Im Lauf der Veranstaltung veränderte sich auch die Zusammensetzung des Publikums. Übriggeblieben waren vor allem erfahrener Aktivisten und diejenigen, die auf den Auftritt des Liedermachers Götz Widmann warteten. Der gebürtige Heidelberger sorgte dann auch sofort für gute Stimmung und lockerte die Atmosphäre mit seinen humorvollen bis makabren Texten weiter auf. Der erfahrene Entertainer brachte die Cannabis-Freunde mit Anekdoten eigener Konsumerfahrungen und aus seiner Jugend in Heidelberg sofort auf seine Seite. Zum weiteren Vorgehen gab er noch die Anregung die traditionsreiche Maxbar in einen Cannabis Social Club umzuwandeln und das entsprechende Angebot dann touristisch zu vermarkten.

Der Liedermacher Götz Widmann singt über Drogen und das Leben.. Bild: David Kirchgeßner

Der Liedermacher Götz Widmann singt über Drogen, den Staat und das Leben. Bild: David Kirchgeßner

Nach dem Auftritt hatten sich die Reihen auf dem Marktplatz deutlich gelichtet, und so fand Sarah Mirow von der Partei Die Linke, nur noch einen überschaubaren Zuhörerkreis vor sich. Da die Veranstaltung nur bis 19 Uhr angemeldet war musste nach einigen Dankesworten an Widmann, sowie an alle Helfer und Sponsoren, dann auch schon der Abbau beginnen. Am 09.05. geht es beim Global Marijuana March im Rahmen des „Monnemer Hanf-Tages“ für die Aktivisten weiter.

Das Fazit der Organisatoren zu diesem Tag fiel positiv aus. „Es gehen mehr Leute auf die Straße“ stellte Sprecher Christoph Lehner fest, der von bis zu 350 Teilnehmern sprach. Für ganz Deutschland geht der Deutsche Hanfverband insgesamt von 1.700 Teilnehmern aus, in Wien sollen sogar mehrere Tausend auf die Straße gegangen sein. Der Hanfverband Rhein-Neckar hofft hiermit ein Zeichen gesetzt zu haben, dass es in Heidelberg einen Bedarf für legale Möglichkeiten des Cannabiskonsums gibt, und auch bisher Außenstehende dahingehend sensibilisiert zu haben. Von Seiten der Polizei gab man sich ebenso zufrieden, es waren keine Zwischenfälle zu berichten.

Von David Kirchgeßner

Ein Kommentar

  1. Peter Müller

    Die Veranstaltung war sehr gelungen, obwohl 300 Personen natürlich noch zu wenig sind. Die skandierten Parolen fand ich persönlich allerdings nicht sehr sinnvoll, da sich deren Inhalt für Menschen, die nicht im Thema stecken, nur wenig erschließt. Ziel sollte doch die Aufklärung der Allgemeinbevölkerung sein, damit eine breite Masse hinter der Legalisierung steht.

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