Die Radschnellverbindung Mannheim-Heidelberg soll Pendeln mit dem Rad komfortabler machen. Doch die Fertigstellung verzögert sich und selbst die aktuellen Pläne werfen Fragen auf
Zu wenige bezahlbare Wohnungen nahe der Uni, volle Busse und Bahnen. Da sind viele Studierende aufs Rad angewiesen. Doch der Weg ist oft geprägt von gefährlichen Situationen mit Autos und zu engen Radwegen – wenn überhaupt welche da sind. Könnte da eine Autobahn für Fahrradfahrer:innen helfen?
So ein Infrastrukturprojekt planen die Städte Heidelberg und Mannheim zusammen mit dem Land Baden-Württemberg. Ihr Pilotprojekt trägt den Namen „Radschnellverbindung 2 Mannheim Heidelberg“ – kurz RS 2. Doch die Umsetzung lahmt und einst gesteckte Eröffnungsdaten wurden schon lange überschritten. Wird die RS 2 zum nächsten Endlosprojekt wie Stuttgart 21? Und was kann das Pilotprojekt leisten, wenn es kommt? Eine Radschnellverbindung ist eine Fahrradroute mit höheren Mindeststandards als gewöhnliche Fahrradwege. Der Weg soll unter anderem vier Meter breit sein, möglichst direkt verlaufen und wenig Zeitverlust an Kreuzungen verursachen. Ziel ist es, eine besonders effiziente, sichere und alltagstaugliche Route insbesondere für Fahrrad-Pendler:innen bereitzustellen und so die Verkehrswende voranzubringen.
Die Verbindung Mannheim-Heidelberg wurde 2017 vom Verkehrsministerium Baden-Württemberg als eine von drei „Pilotstrecken” ausgewählt. Damit übernahm das Land die Verantwortung für die Umsetzung der Projekte auf den Abschnitten außerhalb großer Städte. Beim RS 2 ist das Land demnach für die Abschnitte zwischen den Stadtgrenzen zuständig, Mannheim und Heidelberg für ihre Stadtgebiete. 2017 hatte das Verkehrsministerium angekündigt, dass bis 2025 in Baden-Württemberg insgesamt zehn Radschnellverbindungen realisiert werden sollen. Weitgehend fertiggestellt wurde bisher nur die RS 1 von Stuttgart nach Herrenberg. Währenddessen wurden in der Rhein-Neckar-Region die gesteckten Ziele mehrfach um Jahre verschoben. Während in Mannheim und an der Neckarbrücke Ladenburg- Neckarhausen mittlerweile gebaut wird, können weder Land noch Stadt Heidelberg einen Fertigstellungstermin nennen.
Auf Anfrage des ruprecht teilt die Stadt Heidelberg mit, ein Baubeginn des Abschnitts in Heidelberg sei frühestens 2029 realistisch. Verzögerungen seien auch auf die Haushaltssituation zurückzuführen.
Was kann die Radschnellverbindung für Heidelberg und Umgebung leisten, wenn sie in den 2030ern vollständig gebaut ist? Die Qualitätsstandards des Verkehrsministeriums sollen eine leistungsfähige Radinfrastruktur gewährleisten. Nach Auswertung des letzten öffentlichen Planungsstands erfüllt jedoch rund ein Drittel des Heidelberger Abschnitts diese Vorgaben nicht. Wie dies angepasst werden soll, konnte die Stadt wegen laufender Überarbeitungen noch nicht mitteilen. Auch die Anbindung des RS 2 an das bestehende Radnetz ist noch offen. So sind Maßnahmen zur besseren Anbindung der Strecke am Bismarckplatz zu den Fahrradstraßen Plöck und Gaisbergstraße in absehbarer Zeit nicht vorgesehen. Gleichzeitig geht eine Machbarkeitsstudie davon aus, dass die Radschnellverbindung täglich rund 1.200 zusätzliche Fahrten auf das Fahrrad verlagern könnte. Das Potenzial des Projekts ist damit groß. Wann und in welchem Umfang es tatsächlich ausgeschöpft wird, bleibt offen.
Von Moritz Scheuring




