Antirassismus-Initiative in HD
Voller Euphorie blicken die Teilnehmenden des Runden Tisches auf ein erfolgreiches Jahr im Kampf gegen Rassismus, Antiziganismus und Antisemitismus zurück. Das spüre ich direkt, als ich an diesem Novemberabend in den großen Saal des Rathauses eintrete, in dem sich Menschen verschiedener Initiativen versammeln und austauschen – darunter Ehrenamtliche, Amtsträger:innen der Stadt und auch Stefanie Jansen, Bürgermeisterin für Soziales, Bildung, Familie und Chancengleichheit.
Der Runde Tisch gegen Rassismus, Antiziganismus und Antisemitismus ist ein Projekt der Stadt Heidelberg, welches ehrenamtlich Tätige eng in ihre Arbeit mit einbezieht, um Handlungsempfehlungen, mehr Sichtbarkeit und einen besseren Austausch zwischen den Beteiligten zu etablieren. Um strukturell und effektiv gegen Rassismus vorzugehen, werden Projekte wie das „Diwali – Festival of Lights“ gezielt gefördert. Ermöglicht wurde ein interkulturelles Zusammenbringen zur Zelebrierung der indischen Traditionen – eine der vielen erfolgreichen Veranstaltungen des Jahres 2025.
Erstmals fand die Sitzung des Runden Tisches im September 2024 statt. Hintergrund der Gründung war der Beitritt der Stadt Heidelberg zur Europäischen Städtekoalition gegen Rassismus (ECCAR), im Jahr 2014. Durch die Mitgliedschaft bei ECCAR verpflichtete sich die Stadt zu deren „10-Punkte-Aktionsplan“. 2019 wurde das Amt für Chancengleichheit zum Sitz der Geschäftsstelle von ECCAR. Damit ergaben sich neue Möglichkeiten für die Stadt Heidelberg.
Das letzte Treffen des Runden Tisches widmete sich dem ECCAR-Pilotprojekt „Kommunen für alle!“ Im Fokus stand, wie eine Kommunalverwaltung offener und zugänglicher gestaltet werden kann, sodass eine positive Begegnung mit öffentlichen Stellen möglich ist. So entfernt das Projekt von uns Anwesenden am Runden Tisch anfänglich zu sein scheint, werden wir nun persönlich mit eingebunden. In kleinen Gruppen dürfen wir zusammen mit den Leiterinnen des Projekts unsere Wünsche und Ideen teilen, wie sich ein solcher Wandel innerhalb der Verwaltungen gestalten könnte. Es bleibt abzuwarten, welchen Einfluss unser Input nun auf das Projekt hat.
Eine Initiative, die sich am Runden Tisch beteiligt, ist das Meltingpot Collective Heidelberg. Es wurde 2022 als Initiative von asiatischen Personen mit Migrationshintergrund gegründet und richtet sich als Empowerment-Kollektiv an alle, die sich mit dem Begriff identifizieren. Asiatisch ist dabei nicht im eurozentrischen Sinne zu verstehen, sondern umfasst alle Länder Asiens – daher die veränderte Schreibweise. Val*, die sich im Collective engagiert, bewertet den Runden Tisch grundsätzlich positiv, da man sich eine städtische Initiative dieser Art schon lange gewünscht habe. Auf die Frage, was ihr für die Zukunft wichtig wäre, nennt sie vor allem die Hoffnung, dass der Runde Tisch als Ort des Austauschs und der Vernetzung erhalten bleibt und noch mehr Betroffene erreicht werden können. Die Zusammenarbeit – auch in Form gemeinsamer Projekte mehrerer Vereine – solle die Diversität noch stärker fördern.
Schließlich verlasse ich das Rathaus wieder mit einem ähnlich positiven Gefühl wie Val, Teil etwas Größeren zu sein, um nicht nur Rassismus, Antiziganismus und Antisemitismus zu bekämpfen, sondern auch für Inklusivität und Weltoffenheit die Stimme zu erheben. In Erinnerung bleibt mir die Sitzung ganz nach Vals Worten: „Es vereint uns alle doch viel mehr, als was uns trennt.“
*Name von der Redaktion geändert
Von Samira Hedhli und Emma Keßler
...studiert Biowissenschaften, schreibt seit WS 2023 für den Ruprecht und nutzt Interviews als Grund um mit interessanten Leuten zu reden





