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Schreit!

von Christiane Winter
28. Dezember 2025
in Ausgabe, Feuilleton, Musik, Startseite
Lesedauer: 2 Minuten
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Schreit!

Grafik: Christiane Brid Winter

Was kann das neue Album von Florence + The Machine? 

Rezension: Am 31. Oktober ist das sechste Studio Album der britischen Rockband Florence + The Machine erschienen. Passend zu Halloween werden in everybody scream immer wieder fantastische Motive aufgegriffen. So zum Beispiel im ekstatischen Titeltrack, in dem die Sängerin Florence Welch ihre Beziehung zu ihrem eigenen Publikum besingt, wobei die Konzertbühne Schauplatz für einen Hexentanz wird. Der märchenhafte Rahmen wird genutzt, um eine komplexe, moderne Frau zu untersuchen, die die Gemeinschaft anderer Frauen sucht. Dabei werden zahlreiche Facetten der Künstlerin beleuchtet. Zum Beispiel Einsamkeit, Machtstrukturen in der Musikindustrie und der Kampf mit dem eigenen Körper. Thematisch ist das Album dabei sehr modern: Welch entblößt sich als chronisch online, ehrgeizig, aber auch sehr erschöpft. Eine Frau, die durch zahlreiche Traumata neue Stärke, aber auch die ein oder andere Neurose erlangt hat. Musikalisch baut das Album dem thematischen Framing entsprechend auf die bewährte Kombination zwischen orchestralem und klassischem Rock auf. Dabei wird auch nicht vor Dissonanz zurückgeschreckt, nicht alles muss hübsch sein. Im Zentrum steht jedoch Florence Welchs Stimme. Dass die Sängerin genauso gut schmettern wie sanft flüstern kann, hat sie schon zuvor bewiesen. In everybody scream experimentiert sie aber, indem sie schreit und heult oder rhythmisch seufzt. Die Emotionalität, mit der Welch ihre Stimme unterlegt, macht das Ganze besonders eindrucksvoll. Sie wiederholt einzelne Phrasen jeweils mit anderer Konnotation. Band, Texte und Sängerin arbeiten zusammen, um durch Ergänzungen oder Widersprüchlichkeiten ein Gesamtwerk zu erreichen. Im Song one of the greats zum Beispiel spielt Welch die Rolle einer zynischen Machofrau, die mit Allem und Jedem abrechnet. Das Lied an sich ähnelt in Komposition und Aufbau aber eher einer neurotischen Gedankenspirale. Ihre Abhandlung wird dadurch nicht inauthentisch sondern facettenreich. Allgemein ist das Album eine deutliche Empfehlung für IndieRock Fans, die keine Angst vor komplexen Frauen haben. Manchmal geht es sogar um Männer.  

Von Christiane Brid Winter 

Christiane Winter
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Tags: AlbumAlbumrezensionFeuilletonFlorenceNr. 218The machine

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