Die Heidelberger Damen dominieren die Rugby-Bundesliga. Wieso bekommt man davon so wenig mit? Ein unterschätzter Sport, dem mehr Aufmerksamkeit gebührt
Näherte man sich am 2. Mai den Sportanlagen in der Tiergartenstraße 7, hörte man schon von weitem Rufe wie “Send It”, “Hands off” oder “Play on”. Eingeweihte wissen bescheid, was das bedeutet: An diesem ersten Maiwochenende stehen die Endspiele der Rugby-Bundesliga der Frauen an. Heidelberg ist in der Spielvariante mit jeweils 15 Spielerinnen auf dem Feld gleich dreimal vertreten: Die Lionesses des TSV Handschuhsheim spielten um Platz drei, der Heidelberger RK und der SC Neuenheim machten das Finale untereinander aus.
Mit verletzungsbedingt verkleinertem Kader starten die Lionesses an diesem Finaltag um 13 Uhr gegen die SG Bayern, eine Spielvereinigung mehrerer Städte. Nach knapp 30 Minuten legendie SG Bayern den ersten Versuch und gehennach erfolgreicher Erhöhung mit 7:0 in Führung. Zum Ende der ersten 40-minütigen Halbzeit ziehen die Lionesses auf 7:7 nach. Was für untrainierte Augen nach reinster Brutalität aussieht, folgt strengen Regularien. Gefährliche Aktionen werden sofort durch den Referee unterbunden, sodass die Spielerinnen gefordert werden, technisch möglichst sauber zu operieren. Trotzdem wird das Spiel regelmäßig unterbrochen, um getackelte Spielerinnen zu versorgen. Obwohl das Spiel ausgeglichen wirkt, ist die SG Bayern nach der Pause nicht mehr einzuholen. Die Spielgemeinschaft entscheidet das Spiel mit 29:7 für sich und belegte somit den dritten Platz.
Trotz Niederlage kann Margot, Vize-Kapitänin der Lionesses, das Ergebnis in einen größeren Kontext einordnen: “Wir haben alles gegeben für das Team und die Fans. Mit Nationalkader und den Stützpunkten können wir hier Rugby auf höchstem Niveau spielen. Wenn man Rugby spielen möchte in Deutschland, dann in Heidelberg.”
Diese Einstellung war auch im Spiel um den ersten Platz deutlich zu sehen: Hier hieß es Heidelberg gegen Heidelberg.
Die Frauen des Heidelberger RK, die in dieser Saison ungeschlagen blieben, können auch das Finale gegen den SC Neuenheim mit 90:5 für sich entscheiden. Mit einem Kader, der von Nationalspielerinnen geprägt ist, sicherte sich der HRK überlegen die Meisterschaft.
Anfängerinnen sollten sich von dem Niveau aber nicht einschüchtern lassen. “Es ist nicht schwierig, als kompletter Anfänger in den Sport reinzustarten. Wir trainieren so, dass jede mitmachen kann, die möchte”, beschreibt Studentin Anni. Sie spielte kein Rugby bevor sie nach Heidelberg kam. Im Studium ist sie durch Bekannte auf die Lionesses des TSV Handschuhsheim gestoßen und hat sich dem Team angeschlossen. Der Weg zum Rugby steht also noch jeder Interessierten offen.
Wer sich das Spektakel aus Tackles, Gassen und Gedränge lieber erstmal vom Seitenrand anschauen möchte, muss gar nicht lange warten: Während die 15er-Liga erst im Herbst ihren Betrieb wieder aufnimmt, startet schon nächste Woche die Saison der 7er-Mannschaften. Voraussichtlich Mitte Juni findet dann auch der nächste Spieltag in Heidelberg statt.
Von Annika Bacdorf
...studiert Politikwissenschaft und Anglistik. Seit dem Winter 2023 ist sie beim ruprecht, wo sie mal dies und mal das macht.





