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Kein Alkohol ist auch keine Lösung
Was schon die Toten Hosen sangen, findet auch der StuRa: Alkohol gehört dazu. Foto: Matthias Muehlbradt (https://flic.kr/p/PrT17) CC BY-NC-ND 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/)

Kein Alkohol ist auch keine Lösung

Fachschaften dürfen offiziell keinen Alkohol auf ihren Veranstaltungen abrechnen. Nun positioniert sich der StuRa gegen die aktuelle Regelung.

Alkohol verbindet. Er macht aus schlechten Freunden gute, versöhnt über unabgewaschenes Geschirr streitende WG-Mitbewohner, er bringt flüchtige Party-Bekanntschaften ins Bett. Diese Funktion hat er wieder einmal bewiesen, als der Heidelberger Studierendenrat am 24. November zu seiner 42. Sitzung zusammenkam. Verantwortlich dafür war allerdings nicht der übermäßig hohe Alkoholkonsum während der fünfeinhalbstündigen Sitzung, sondern ein Antrag der Fachschaft Philosophie. Sie hatte vom StuRa laut Antragstext eine Positionierung zur „Finanzierung von Alkohol aus Mitteln der Verfassten Studierendenschaft“ gefordert. Die StuRa-Mitglieder sollten entscheiden, ob aus ihrem Haushalt von den Fachschaften „angefallene und anfallende Kosten für Alkohol“ erstatten werden sollen oder nicht. Der für seine Grundsatzdiskussionen bekannte StuRa debattierte gut eine Stunde in nüchterner und besonnener Weise über diesen Antrag und nahm ihn am Ende ohne Gegenstimme und mit nur ein paar Enthaltungen an. Eine seltene Einigkeit.

Diese Positionierung war notwendig geworden, weil die Beauftragte des Haushalts der VS, Ulrike Elm, im Sommer einen Stopp für die Ausgabe durch VS-Gelder verhängte. Sie begründet diese Entscheidung mit klaren Worten: „Alkohol ist ein Sucht- und Rauschmittel und es ist meiner Ansicht nach nicht Aufgabe der VS, diese zu finanzieren.“ Elm habe sich mit anderen Studierendenschaften in Baden-Württemberg und darüber hinaus in Verbindung gesetzt und deren Antwort war jeweils eindeutig – nirgendwo werde Alkohol finanziert.

Alkohol ist ein Sucht- und Rauschmittel.

Für viele Fachschaften ist dies jedoch eine problematische Haltung, sollen sie doch schließlich nach Landeshochschulgesetz den „sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Belangen der Studierenden“ nachkommen. So richten sie Ersti-Einführungen, Ersti-Wochenenden, Weihnachtsfeiern und Sommerfeste aus – Veranstaltungen, bei denen Alkohol „einfach dazugehört“, so Sebastian und Niku von der Fachschaft Philosophie.

Sie hatten den Antrag in den StuRa gebracht, nachdem sich niemand anderes bereiterklärt hatte. Durch den Finanzierungsstopp der Haushaltsbeauftragten müssen einzelne Mitglieder der jeweiligen Fachschaft die Kosten für Alkohol privat auslegen. Ein umständlicher Akt, zumal auch gar nicht sicher ist, ob das Geld durch den Alkoholverkauf wieder hereinkomme. Größere Fachschaften hätten einen Verein, über den sie den Alkohol abrechnen lassen würden, das würde sich für viele andere allerdings nicht lohnen, erklären Sebastian und Niku.
Haushaltsbeauftragte Ulrike Elm glaubt aber nicht, dass für gesellige Anlässe Alkohol eine Voraussetzung ist: „Man kann auch sehr schön ohne Alkohol zusammensitzen und die Zeit verbringen.“ Sie finde „diese Selbstverständlichkeit, mit der schon junge Menschen“ bei jeder Gelegenheit Alkohol trinken, „sehr gefährlich.“

Sollte die gesamte Studierendenschaft den Abschuss von Wenigen finanzieren?

Die StuRa-Sitzung vom 24. November war von ähnlicher Emotionalität geprägt. „Sollte die gesamte Studierendenschaft den Abschuss von wenigen finanzieren?“, fragte Erik Tuchtfeld von der Juso-Hochschulgruppe. Er forderte einen „kritischen Blick auf Alkohol“ und war an der Einschränkung des Antragstextes beteiligt, dass nur „nichtbranntweinhaltiger Alkohol“ erstattet werden sollte. Dies wiederum erinnerte André Müller von der Grünen Hochschulgruppe „an die Prohibition in den 20er Jahren in den USA, wo man Menschen abgesprochen hat, Alkohol vernünftig konsumieren zu können.“ Damit spreche man den Fachschaften ab, einen vernünftigen Rahmen zu schaffen, in dem Alkohol getrunken wird und man verweigere den Studenten ihre „Selbstmündigkeit“, wie viel Alkohol sie zu sich nehmen könnten. Eine Mehrheit sah dies wohl ähnlich und stimmte gegen die Einschränkung.

Die leidenschaftliche Debatte brachte allerlei Argumente auf den Tisch: Finanzreferent Wolf Weidner sprach von der „kulturellen und hedonistischen“ Rolle, die Alkohol in der Gesellschaft spiele, laut Kornelius Bauer von der Fachschaft Physik handle es sich bei den Veranstaltungen der Fachschaften um „Kulturförderung“, zu der Alkohol nun einmal dazugehöre. Am Ende stimmte der StuRa in einem eindeutigen Votum für die Annahme des Antrages. So viel Eintracht überraschte nicht nur Sitzungsleiter Simon Steiger: „Das war doch einmal eine konstruktive Debatte“, schloss er den Tagesordnungspunkt. Inwiefern diese Positionierung auch wirklich umgesetzt wird, bleibt weiter offen.

Sie wolle die Entscheidung des StuRa nicht kommentieren, so Ulrike Elm. Zunächst werde sie sich jetzt mit der Referatekonferenz und den Vorsitzenden der VS zusammensetzen und über alles beraten. Ein Hindernis dürfte auch die Auffassung des Rektorats sein, das die Rechtsaufsicht über die VS innehat. Ute Müller-Detert von der Abteilung Kommunikation und Marketing des Rektorats deutet an, dass sie mit der vom StuRa beschlossenen Regelung Probleme haben könnte: So sei die „Grundlage für die Handhabung der Finanzierung von Alkohol“ der Grundsatz der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit. Ob die Finanzierung von Alkohol darunter fällt, lässt sie offen. Sie verweist aber darauf, dass „Ausnahmen aus Sicht der Universität Anlässe mit repräsentativem Charakter“ sein können, „wie zum Beispiel Empfänge im Anschluss an besonders hervorgehobene Veranstaltungen“. Ob eine Fachschafts-Weihnachtsfeier darunter fiele, ist eher fragwürdig.

Von Michael Graupner

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