Unsere Rubrik zum Matilda-Effekt
Eunice Newton Foote wurde 1819 in eine wohlhabende Familie in Connecticut geboren. 1841 heiratete sie Anwalt und Hobby-Erfinder Elisha Foote. Das Ehepaar setzte sich für Frauenrechte ein. So unterzeichneten sie 1848 gemeinsam die „Declaration of Sentiments“, die die soziale und legale Gleichstellung der Frau forderte.
Acht Jahre später führte Eunice Newton Foote das Experiment durch, für das sie mittlerweile bekannt ist. Im 19. Jahrhundert beschäftigte sich die Wissenschaft zunehmend mit der Erdatmosphäre und dem Klima. Davon angeregt befüllte sie zwei Glaszylinder, einen mit normaler Luft und den anderen mit Kohlenstoffdioxid (CO2). Beide wurden verschlossen in die Sonne gestellt. Thermometer in den Kolben zeigten, dass sich der Zylinder gefüllt mit CO2 schneller erwärmte und langsamer abkühlte als der mit normaler Luft. Foote folgerte daraus: „Eine Atmosphäre dieses Gases würde unserer Erde eine hohe Temperatur verleihen.“ Damit verwies sie als erste auf den Zusammenhang zwischen CO2 in der Luft und der Erderwärmung. Sie konnte ihre Ergebnisse als Aufsatz im „American Journal of Science and Arts“ veröffentlichen, viel mehr war ihr allerdings nicht möglich. Auf der Tagung der „American Association for the Advancement of Science“ wurden ihre Ergebnisse zwar vorgestellt, allerdings von einem männlichen Kollegen und nicht ihr selbst. Da sie eine Frau und Amateurforscherin war, hatte sie keine Anbindung an den professionellen Wissenschaftsbetrieb. Zusätzlich war sie Amerikanerin und das Zentrum der Wissenschaft lag noch in Europa. Diese Aspekte verhinderten, dass sie für ihre Entdeckung anerkannt wurde. Stattdessen wurde John Tyndall, der 1859 den Treibhauseffekt nachweisen konnte, als *dessen Entdecker gerühmt. Foote starb 1888.
Die Wiederentdeckung ihrer *Forschung erfolgte 2010, als der Geologe Ray Sorenson zufällig auf ihren Aufsatz stieß. Seitdem versuchen Wissenschaftler:innen, ihre Lebensgeschichte zu rekonstruieren. 2018 fand die erste Konferenz über sie an der University of California statt und seit 2022 verleiht die American Geophysical Union die „Eunice Newton Foote Medal“ für außergewöhnliche Leistungen in den Geo- und Lebenswissenschaften.
Von Emma Keßler




