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 Feuilleton
16.11.2008

Wer zuletzt tanzt ...

Roots Manuva beenden müde das Enjoy Jazz Festival

Am letzten Abend des Enjoy Jazz-Festivals kam noch einmal prominenter Besuch nach Heidelberg. Der britische Hip-Hopper Roots Manuva hatte zum Einheizen geladen und ließ das Publikum erstmal auf sich warten.

Es ist kalt, sehr kalt, als sich das zehnte EnjoyJazz-Festival am Freitag in seine letzte Heidelberger Nacht stürzt. Der britische Hip-Hopper Roots Manuva ist zum Einheizen geladen, doch lässt der erst einmal auf sich warten. Flugverspätung auf der Anreise aus Berlin. Dicht zusammengedrängt frösteln die Wartenden vor dem Karlstorbahnhof. Spätestens jetzt fassen sie den Entschluss, sich gleich, komme was wolle, ordentlich warmzutanzen.

Mit mehr als einer Stunde Verspätung betritt er dann die Bühne: Roots Manunva aka Rodney Hylton Smith. Und muss sich dort erst einmal ausruhen. Die Bässe wummern, DJ MK zuckt zu seinen Beats, doch die Hauptperson des Abends lehnt schlapp auf den Lautsprechern am Bühnenrand. Das Publikum schleudert ihm freigiebig beste Laune entgegen, wippt und johlt, doch Roots braucht seine Zeit um in Heidelberg an- oder doch eher runter zu kommen.

Irgendwie wirkt alles ein wenig auswendig gelernt. Auf großer Tour durch Europa, zwischen Berlin und Paris im Karlstorbahnhof gelandet, umgarnt Roots Manuva die bereitwilligen Zuhörer mit wohl bekannten Schmeicheleien, reckt ihnen das Mikro entgegen, laboriert an den Tücken seiner rutschenden Sonnenbrille, hangelt sich geübt, aber lustlos an seiner neuen Platte „Slime and reason“ entlang. So nimmt der Abend seinen Lauf; den Leuten gefällt es scheinbar trotzdem.

Stallluft mit Zugabe

Mit den ersten Tönen des Klassikers „Witness the Fitness“ nimmt Roots Manuva endlich Fahrt auf, und, ja, auch das Publikum, in seiner Feierlaune endlich erhört, honoriert diese Rückkehr zu den Wurzeln mit gesteigertem Einsatz. Denn: „The Show must go on!“. Roots wittert Stallluft und lässt sich am Ende, mit dem Sektglas in der Hand, sogar noch zu einer Zugabe hinreißen. Die anderen tanzen und grölen fröhlich weiter. Zuletzt sogar zu „We are family“ von Sister Sledge, komme was wolle.

Dann endet die Show, das Licht geht an, der Nebel lüftet und die Türen öffnen sich. Kalte Luft dringt herein und die Feierwütigen hinaus. Hinaus in die kalte Nacht, innerlich gewärmt, befriedigt von ihrer Party und gerüstet für einen langen kalten Festivalwinter.

von Andreas Hofem
   

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